Capital erklärtWas Sie über die Altersvorsorge wissen müssen

Die wichtigsten Fragen zur Altersarmut
Immer weniger Deutsche können von ihrer Rente leben.unsplash


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: Altersarmut – mit Redakteurin Nadine Oberhuber, die bei Capital unter anderem für Versicherungen und Finanzvorsorge zuständig ist. 


Bröckelndes Vorsorgesystem und eine unsichere Rente – für die Generationen der 1970er und 1980er Jahre sieht es schlecht aus. Das Risiko für Altersarmut dieser Generationen soll bis 2036 auf 20 Prozent steigen, so eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Was die Politik dagegen unternimmt und wie man privat vorsorgen kann, haben wir für Sie zusammengefasst:

Wer ist von Altersarmut betroffen?

An erster Stelle sind es vor allem Frauen, die mit Minirenten auskommen müssen. Denn viele von ihnen arbeiten aufgrund von Kindererziehung kürzer als Männer und zahlen weniger in die Rentenkasse ein. Weniger gut ausgebildete und Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, bekommen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nur Niedrigrenten. Generell sind Mini-Jobber und Teilzeit-Beschäftigte stark betroffen. Besonders groß ist die Gefahr jedoch für Alleinlebende in Großstädten – also in Städten mit hohen Lebenshaltungskosten, in denen schon die Mieten einen Großteil der Rente auffressen. Mit einer bundesdeutschen Durchschnittsrente von derzeit knapp 1.000 Euro kommt man auf dem Land noch recht weit, aber in der Großstadt wird es damit knapp. Besonders für Einpersonenhaushalte, die alle Kosten alleine aufbringen müssen.

Woran erkenne ich, dass ich betroffen bin?

Ein Anhaltspunkt sind die Rentenbescheinigungen der Deutschen Rentenversicherung. Die regelmäßig zugeschickten Berichte geben Auskunft über die voraussichtliche Rente. Es sind zwar nur Prognosen, aber: Steht dort als zu erwartende Monatsrente eine dreistellige Zahl, sollte man unbedingt etwas unternehmen. Das jetzige Einkommen ist ein weiterer Indikator: Ein Durchschnittsverdiener mit einem Monatsbruttogehalt von knapp 3.100 Euro, fällt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in die Altersarmut. Zumindest nicht, wenn er den Großteil seines ganzen Arbeitslebens den Durchschnittslohn bekommt und mindestens 35 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlt.

Insgesamt sollte man sich fragen: Wie viele Jahre werde ich wohl insgesamt im Job verbringen und Rentenbeiträge zahlen? Und wie viele Jahre habe ich vielleicht aufgrund von Kindererziehung, Auszeiten oder Arbeitslosigkeit nicht gearbeitet? Bekomme ich mal eine zusätzliche Betriebsrente? Erbe ich eventuell eine Immobilie?

Wie kann ich Altersarmut vorbeugen?

Das Wichtigste ist: Man sollte dafür sorgen, dass man eine gute Ausbildung bekommt und diese auch abschließt. Außerdem sollte man möglichst durchgängig in Vollzeit arbeiten – auch wenn es attraktiv klingt, für einige Jahre mal eine 60- oder 80-Prozent-Stelle anzunehmen, weil das die „Work-Life-Balance“ verbessert. Wer als Mann mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, rutscht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in die Altersarmut. Frauen dagegen sind selbst mit mehr als 40 Berufsjahren noch von Altersarmut bedroht, was an ihrem durchschnittlich niedrigerem Einkommen liegt. Die beste Vorsorge ist, sich nicht nur auf die gesetzliche Rente zu verlassen, sondern auch selbst aktiv zu werden, also: Sparen, sparen, sparen.

Wie soll man ganz konkret sparen?

Am besten eignet sich ein automatischer Sparplan, der einen bestimmten Betrag auf ein Unterkonto oder Fondsdepot überweist. Wenn man als 20-Jähriger damit beginnt, reichen erst einmal 25 bis 50 Euro im Monat. Damit lässt sich bis zur Rente bereits eine große Summe aufbauen, was am Zinseszinseffekt liegt. Wer dagegen erst Mitte 40 auf die Idee kommt zu sparen, muss überproportional mehr zurücklegen – nämlich mehrere hundert Euro im Monat. Eine Faustregel ist: Mindestens zehn Prozent des Nettoeinkommens sollte man stets zurücklegen. Und unbedingt durchhalten – es nützt nichts nach fünf Jahren die Strategie zu ändern oder zwischenzeitlich mit dem Sparen auszusetzen. Jedes Kleinvieh macht Mist, aber es wird nur ein großer Batzen daraus, wenn man es lange genug auf einen Haufen wirft.