AltersvorsorgeDas Rentencockpit muss seinem Namen gerecht werden

Viele Menschen wissen nicht, wie viel Geld ihnen im Alter zur Verfügung steht
Viele Menschen wissen nicht, wie viel Geld ihnen im Alter zur Verfügung stehtdpa

Zuhause stapeln sich die Auszüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Doch wie viel Geld im Ruhestand tatsächlich aufs Konto fließt, weiß kaum einer, wenn weitere Rentenansprüche hinzukommen. Das will die Bundesregierung ändern: Eine Online-Plattform soll ab dem Jahr 2020 die Daten der gesetzlichen Rente mit der privaten und betrieblichen Vorsorge bündeln. Im Koalitionsvertrag ist die Rede von einem „einheitlichen säulenübergreifenden Renteninformationssystem“. Der gemeinnützige und überparteiliche Verein Deutsche Renten Information (DRI) hat dafür einen Prototyp entwickelt und diesen Rentencockpit getauft. Denn das System soll so leicht abzulesen sein wie die Zeiger im Autocockpit.

Und das ist auch die Grundvoraussetzung, damit das System den gewünschten Effekt hat. Ein Gutachten der Goethe Universität Frankfurt am Main und des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik zeigt allerdings, dass vielen Nutzern der Aufwand bei dem System in seiner jetzigen Form zu groß ist. In der Studie konnten sich 20.000 Menschen einen Überblick über ihre Alterseinkünfte verschaffen. Doch nur rund 14.000 füllten den Fragebogen komplett aus, von diesen Testern wiederum stiegen 7000 bei der anschließenden Registrierung aus. Am Schluss waren es gerade einmal 1061 Teilnehmer, die alle Schritte bis zum Ende mitmachten.

Damit das in Realität besser läuft, müssen die Daten automatisch einlaufen. Der Online-Versicherungsmanager Clark macht es bereits vor. Auf Basis des Prototypen entwickelten die Mitarbeiter ein eigenes Rentencockpit. Der Vorteil für bereits registrierte Nutzer ist, dass viele Daten dadurch bereits im System von Clark hinterlegt sind. Wenn etwas fehlt, müssen Nutzer einfache Fragen beantworten oder ein Handyfoto hochladen. Laut Unternehmensangaben sei die Abbruchrate darum nicht so hoch wie in der Studie.

Angst vor der Altersarmut

Weiterer Knackpunkt: Um die zu erwartende Rente mit großer Genauigkeit voraussagen zu können, muss das System viele Daten speichern – und das an einem sicheren Ort. Wären alle Daten der Nutzer zentral gespeichert, bietet dies einen Angriffspunkt für Datendiebe. Laut Deutscher Renten Information sollen die Nutzer deshalb selbst entscheiden, ob sie ihre Daten zentral speichern wollen oder ob alle Angaben bei den Versicherern verwahrt bleiben und bei Nutzung des Cockpits abgefragt werden.

Die schwierigste Aufgabe des Rentencockpits wird es allerdings sein, den Bürgern die Angst vor der Altersarmut zu nehmen. Denn auch das ist Ziel des Systems: Aufklären und zum Handeln motivieren. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung herrscht nach wie vor eine große Lücke zwischen dem aktuellen Lebensstandard rentennaher Jahrgänge und dem, was mit der Rente noch möglich ist. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 zeigt, dass das voraussichtliche Alterseinkommen bei mehr als der Hälfte der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen nicht reicht, um den Lebensstandard zu halten. Den zukünftigen Rentnern fehlen pro Monat im Schnitt 700 Euro.

Solche Schreckensmeldungen schüren die Angst vor der Altersarmut. Und die eigene Unwissenheit: In der Befragung zum Rentencockpit wusste nur ein Drittel Bescheid, wie hoch seine gesetzliche Rente einmal sein wird. Nachdem die Versuchspersonen den Prototypen des Rentencockpits genutzt haben, fühlten sich immerhin 61 Prozent gut über ihre Altersvorsorge informiert. Ein Drittel der Nutzer fühlte sich durch die Renteninformation sicherer und immerhin jeder fünfte plante sogar, mehr vorzusorgen. Folglich könnte ein gut funktionierendes Rentencockpit dazu beitragen, die Rentenlücke zu reduzieren.