AnalystenausblickeWarum Prognosen oft danebenliegen

Im September knackte der japanische Nikkei-Index die Marke von 20.000 Punkten
Besser als erwartet: Im September knackte der japanische Nikkei-Index die Marke von 20.000 PunktenGetty Images

Japan – das ist doch das Land mit der überalterten Gesellschaft, das unter Dauer-Deflation leidet und seit der Asienkrise Ende der 1990er Jahre nicht mehr richtig auf die Beine kommt. Das scheinen sich Anfang vergangenen Jahres viele Analysten gedacht zu haben. Die Prognosen für das Wachstum der japanischen Wirtschaft fielen jedenfalls bescheiden aus. Im Dezember zeigte sich allerdings, dass die Analysten zu pessimistisch gewesen waren: Japans Wirtschaft wuchs im Jahr 2017 dreimal so stark wie erwartet, um mehr als 1,5 Prozent.

Zu Beginn eines jeden Jahres geben Analysten und Ökonomen Vorhersagen für die Entwicklung von Ländern, Branchen und Anlageklassen ab. Viele davon erweisen sich im Nachhinein als übertrieben oder schlichtweg falsch. Investoren sollten sich nicht blind auf Kapitalmarktprognosen verlassen, mahnen Anlageexperten.

Die Bedingungen für treffgenaue Prognosen haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Erstens grätschen die großen Notenbanken Ökonomen immer wieder in ihre Vorhersagen hinein, indem sie neue, unkonventionelle Wege in der Geldpolitik beschreiten. Zweitens ist die Politik unberechenbarer denn je. Das Brexit-Votum und Donald Trumps Sieg bei den US-Wahlen sind nur zwei von mehreren politischen Ereignissen, mit denen kaum jemand gerechnet hatte, die dann aber doch eintrafen – und die Märkte zumindest vorübergehend aus dem Takt brachten.

Schwellenländer unterschätzt, Brexit-Folgen überschätzt

Im vergangenen Jahr entwickelte sich nicht nur Japan besser als erwartet. Auch in vielen Schwellenländern wuchs die Wirtschaft deutlich kräftiger als vorhergesagt. Als sich der Aufwärtstrend verfestigte, kehrten Anleger in die Emerging Markets zurück, zuerst zögerlich, dann mit wachsendem Enthusiasmus. Wer trotz der mauen Prognosen früh in Schwellenländertitel investiert hatte, konnte sich über besonders hohe Renditen freuen.

Bei den Prognosen hinsichtlich der Brexit-Folgen für die britische Wirtschaft lagen Analysten im Jahr 2017 besonders weit daneben. Die Mehrheit der Wirtschaftsexperten hatte erwartet, dass die Konjunktur in Großbritannien massiv unter dem anstehenden EU-Austritt leiden würde. So schlecht wie vorhergesagt fielen die Wachstumszahlen aber gar nicht aus. Der Aufschwung in Europa konnte die Folgen des Brexit-Referendums für die Wirtschaft im Vereinigten Königreich abfedern.

Optimismus für 2018

Für das laufende Jahr zeigen sich Analysten im Großen und Ganzen optimistisch. Die Mehrheit geht davon aus, dass sich die Rallye an den globalen Aktienmärkten fortsetzt. Das stabile Wachstum der Weltwirtschaft und die anziehenden Unternehmensgewinne dürften sich dabei als die wichtigsten Kurstreiber erweisen. Mit einem Börsencrash rechnet praktisch niemand. Anleger sollten sich allerdings auf höhere Kursschwankungen und zwischenzeitliche Marktkorrekturen einstellen.

Die Inflation dürfte sowohl in den USA als auch in der Eurozone allmählich anziehen, aber keine großen Sprünge machen, sagen Marktbeobachter. Weil die Inflationsentwicklung nicht zuletzt von der Geldpolitik der großen Notenbanken abhängt, könnte es allerdings Überraschungen geben. Auch Washington könnte den Prognostikern einen Strich durch die Rechnung machen. So ist etwa ein Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Ein solches Verfahren hätte Auswirkungen auf die Kurse von US-Aktien. In zwölf Monaten wird sich zeigen, wo die Analysten Recht behalten.