Geldanlage Warum Gold dieses Jahr kein allzu sicherer Hafen war

2021: Kein gutes Jahr für Gold.
2021: Kein gutes Jahr für Gold.
© IMAGO / ITAR-TASS
Gold-Anleger mussten 2021 ordentliche Preisschwankungen aushalten. Dabei gilt das Edelmetall eigentlich als sicheres Investment in Krisenzeiten. Die Gründe für das schwache Abschneiden sind vielschichtig

Ein steigender Goldpreis spricht meist für große Krisen und dafür, dass Marktteilnehmer wegen der Unsicherheiten auf einen sicheren Hafen für ihr Geld setzen. Doch Anleger, die sich im pandemiegeplagten Jahr 2021 Gold als Krisensicherung in ihr Depot gelegt hatten, wurden oftmals enttäuscht. Die Hoffnung, das Edelmetall würde infolge von Virus-Mutationen und anziehender Geldentwertung kräftig aufwerten, hat sich nicht bewahrheitet.

Gleich mehrere Faktoren machten Gold-Fans einen Strich durch die Rechnung : Zum einen entwickelt sich der Goldpreis häufig entgegengesetzt zu Aktien. Und deren Kurse haben sich seit dem Corona-Crash im Frühjahr 2020 weltweit im Schnitt nahezu verdoppelt. Der breit gefasste S&P 500 jagte seit Beginn dieses Jahres von einem Rekordhoch zum nächsten.

Selbst als die ersten Omikron-Fälle im November zu Panikverkäufen an den Börsen geführt hatten, reagierte Gold nur verhalten: Der Preis für eine Feinunze stiegt zwischen Anfang und Mitte November von 1775 auf 1860 US-Dollar, sackte dann aber ebenso schnell wieder auf unter 1800 US-Dollar ab. Damit notiert der Goldpreis nun in etwa da, wo er Anfang des Jahres begonnen hatte.


Goldpreis Rohstoff


Goldpreis Rohstoff Chart
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Hartnäckige Inflation

Der zweite Faktor für den enttäuschenden Goldpreis betrifft die anhaltend hohe Inflationsrate, verbunden mit der geldpolitischen Wende in den USA. Dort erreichte die Teuerungsrate im Oktober 6,2 Prozent – den höchsten Wert seit dem Jahr 1990.

Lange Zeit wurde darüber debattiert, ob es sich bei der seit Monaten steigenden Teuerungsrate bloß um vorübergehende Basiseffekte infolge der Pandemie handelt, oder doch um einen anhaltenden Trend, befeuert durch die Geldschwemme der Zentralbanken. Dieser Diskussion setzte Fed-Oberhaupt Jerome Powell nun ein jähes Ende, als er das bisher oft genutzte Wort „vorübergehend“ aus seinem Vokabular strich. Die Inflation sei hartnäckiger als noch vor ein paar Monaten erwartet, gab er zu. Inzwischen rechnet die Fed auch im kommenden Jahr mit einem Preisanstieg deutlich oberhalb der angestrebten zwei Prozent.

Für Gold, das als Inflationsschutz schlechthin gilt, klingt das zunächst einmal nach einer guten Nachricht. Doch nun kommt das Tapering-Programm der Fed ins Spiel. Die US-Notenbank hat Anfang November verkündet, künftig weniger Anleihen zu kaufen. Die US-Wirtschaft sei stark genug, um langsam von der Geldflut entwöhnt zu werden. Daher werden in einem ersten Schritt anstatt wie bisher monatlich 120 Milliarden nur noch 105 Milliarden US-Dollar in den Finanzmarkt gepumpt. Um die Märkte nicht zu überfordern, wollen sich die Währungshüter behutsam von der Nullzins-Politik verabschieden und den Geldhahn schrittweise zudrehen.

Gold beimischen

Tapering senkt die Nachfrage nach Anleihen, in der Folge sinken die Anleihekurse und die Renditen steigen. Die langfristigen Zinsen legen dabei zu: Seit Powells Aussage ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 1,42 Prozent auf 1,46 Prozent gestiegen. Das ist wiederum schlecht für Gold, weil Renditen lang laufender Staatsanleihen eng mit dem Goldpreis korrelieren. Je attraktiver der Zinsmarkt, desto unattraktiver wird das zinslose Gold.

Unmittelbar ist daher nicht mit einer Rally am Goldmarkt zu rechnen, als Investment ist von Gold eher abzuraten. In einem gut diversifizierten Portfolio darf das Metall trotzdem nicht fehlen. Hier hat es allerdings weniger die Rolle des Renditetreibers, sondern sollte ein langfristiges Absicherungsinstrument gesehen werden.

Vermögensverwalter raten konservativen Anlegern, die sich um Geldentwertung oder Börsencrashs sorgen, zehn bis 15 Prozent Gold beizumischen. Die aktuelle Schwächephase können Interessenten dazu nutzen, Positionen auf- oder auszubauen. Das gelingt entweder in Form physischer Barren und Münzen oder mit Gold-ETCs. Wer Aktien von Minenbetreibern kauft, kann ebenfalls von steigenden Goldpreisen profitieren – allerdings über den Umweg eines Unternehmensinvestments, mit allen Chancen und Risiken, die ein Aktienkauf mitbringt.


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