KolumneWarum Aktien zur Vermögensbildung unschlagbar sind

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die volkswirtschaftliche Abteilung der Allianz hat sich der Mühe unterzogen, einen Vermögensbericht für das letzte Jahr zu erstellen. Das dabei erhobene Bild ist eine plausible Fortschreibung der Entwicklungen der letzten Jahre. Mit einem Anflug von Genugtuung wurde sogar vermerkt, dass sich die Vermögensentwicklung in Deutschland im Jahr 2018 recht stabil gezeigt hat und das Land somit nicht weiter gegenüber anderen Nationen nach unten durchgereicht wurde. Eine Überraschung ist das nicht, denn das Jahr 2018 brachte eine Börsenkorrektur mit sich, nachdem in den USA die Notenbank Fed viermal die Leitzinsen angehoben hatte und im Herbst Sorgen um Wachstumsschwächen bei Apple, Google und anderen aufgetaucht waren.

Geht es um reines Geldvermögen, dann landet die Bundesrepublik im internationalen Durchschnittsvergleich auf dem 18. Platz. Für den „Spar- und Exportweltmeister“ und zugleich viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ein enttäuschendes aber konsistentes Abschneiden. Noch schwächer steht es um die Geldvermögen unserer Landsleute, wenn der Median, als das mittlere Element der Vermögensverteilung betrachtet wird, bei dem die eine Hälfte der Bevölkerung darüber und die andere Hälfte der Bevölkerung darunter liegt. Dort nimmt die Bundesrepublik nur Platz 20 ein.

Hauptgrund für die schwache Geldvermögensentwicklung ist die Sachwertfeindlichkeit in breiten Teilen der Bevölkerung. Trotz der Abschaffung realer Zinsen und der erwiesenen Überlegenheit der Aktienanlage finden die Deutschen mehrheitlich keinen Zugang zu der Wohlstandsgenerierungsmaschine Börse.

Deutschland wird wieder abrutschen

Während in guten Börsenjahren Deutschland in derartigen Statistiken nach hinten durchgereicht wird, kann das Land in schwachen Börsenjahren seine Position in der Regel aufgrund hoher Sparquote halten. Nun übersteigt aber die Anzahl guter Börsenjahre die Zahl der Korrekturjahre – und so ist die Wertsteigerung von Aktienanlagen im Verlauf von Jahren und Jahrzehnten mit keiner anderen liquiden Anlageform zu erzielen.

Man kann getrost davon ausgehen, dass der prächtige Börsenjahrgang 2019 ein erneutes Abrutschen Deutschlands in den Vermögensstatistiken zeitigen wird. Nimmt man noch den Immobilienbesitz hinzu, dann verschlechtert sich das Bild weiter, denn verglichen mit anderen Ländern weist die Bundesrepublik eine eher geringe Eigenheimbesitzquote auf.

In Europa heißen die Vermögensspitzenreiter bei Medianbetrachtung des Geldvermögens: Schweiz, Niederlande und Belgien. International beeindrucken in dieser Kategorie: Japan, Taiwan und Singapur.

Finanzminister Olaf Scholz, der qua Amtes eigentlich Deutschlands bester Finanzmarktkenner sein müsste, gab unlängst der Bild Zeitung ein Interview in dem er gefragt wurde, wie er sein eigenes Geld anlege. Zur Antwort hieß es: „Ich lege mein Geld nur auf einem Girokonto an. Ich kriege selber keine Zinsen.“

Kurzum: Angesichts solcher Experten braucht sich niemand über die Vermögensfehlallokation in Deutschland wundern.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns