AktienTrumps Steuersenkungen schieben die Wall Street an

Börsenhändler an dr Wall Street mit Trump-Kappe
Händler mit Trump-Kappe: Die New Yorker Börse profitiert von der SteuerreformGetty Images

Der IT-Riese Apple sorgte vergangene Woche für Aufsehen. Das Unternehmen erklärte, einen Großteil seiner im Ausland gelagerten Geldreserven in Höhe von 252 Mrd. US-Dollar in die Vereinigten Staaten schaffen zu wollen. Als Grund dafür nannte Apple die Unternehmensteuerreform von US-Präsident Donald Trump. Amerikanische Firmen müssen auf im Ausland erzielte Gewinne erst Steuern zahlen, wenn sie das Geld in die USA überweisen. Bislang fielen dann 35 Prozent an, plus rund fünf Prozent für den jeweiligen Bundesstaat. Dank der Steuerreform müssen Unternehmen jetzt nur noch zwischen 8 und 15,5 Prozent zahlen. Für Apples Auslandsreserven wird somit voraussichtlich eine Steuerzahlung in Höhe von 38 Mrd. US-Dollar fällig. Der Konzern kündigte zudem an, in den kommenden fünf Jahren 30 Mrd. Dollar in seinem Heimatland zu investieren und 20.000 neue Jobs zu schaffen.

Nachdem die Abschaffung von Obamacare und ein Einreiseverbot für Menschen aus diversen muslimischen Staaten weitestgehend gescheitert sind, ist die Unternehmensteuerreform Trumps erster großer Wurf als US-Präsident. Er selbst feierte die Reform Ende vergangenen Jahres als „Weihnachtsgeschenk für die Mittelschicht“ und Wachstumstreiber für ganz Amerika. Kritiker weisen darauf hin, dass die Steuerreform vor allem die Superreichen entlaste, Geringverdiener benachteilige und den Sozialstaat schwäche.

Ob die Reform die US-Wirtschaft tatsächlich auf breiter Front ankurbeln wird, ist umstritten. Fest steht aber: Viele US-Unternehmen werden von Steuererleichterungen profitieren. Analysten gehen deshalb davon aus, dass die Gewinne amerikanischer Firmen im laufenden Jahr weiter steigen – und in der Folge auch ihre Aktienkurse. „Die Rekordjagd an der Wall Street dürfte erst einmal anhalten“, sagt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck.

Dow Jones Industrial Average Index

Dow Jones Industrial Average Index Chart

Gute Chancen für Value-Investoren

Die Steuerreform dürfte vor allem Unternehmen mit einem hohen Steuersatz zugutekommen, sagt Kasia Kiladis, Spezialistin für US-Aktien beim Fondsanbieter Fidelity. „Dabei handelt es sich meist um stärker auf den heimischen Markt fokussierte Akteure.“ Die größten Steuereinsparungen winken danach jenen auf den Binnenmarkt ausgerichteten Firmen, deren Aktien zu den verhältnismäßig niedrig bewerteten Value-Titeln zählen, schätzt Kiladis. Value-Investoren könnten demnach im laufenden Jahr besonders gute Chancen haben. Als Value-Titel oder Substanzwerte gelten Aktien von Unternehmen, die zwar kein enormes Wachstum erwarten lassen, die aber solide und gut geführt. Value-Investoren suchen klassischerweise nach Papieren, die unterbewertet sind, deren Kurs also aus ihrer Sicht den Wert des dahinterstehenden Unternehmens nicht komplett widerspiegelt.

Auch Richard Turnill, Chef-Anlagestratege des Investmentriesen Blackrock, sieht US-Unternehmen mit einem hohen effektiven Steuersatz im Vorteil. Er verweist auf die Erfahrungen mit einer US-Steuerreform aus dem Jahr 1986. In den darauffolgenden Jahren sparten Firmen mit hohem Steuersatz Geld, während Unternehmen mit niedrigerem Steuersatz vom Fiskus stärker zur Kasse gebeten wurden. „Diesmal könnte es ähnlich laufen“, sagt Turnill. Um die langfristigen Gewinner der Steuerreform zu identifizierten, müsse man aber noch genau hinschauen. So dürften etwa aus Steuervorteilen herrührende Mehrerträge in wettbewerbsintensiven Branchen rasch vom Konkurrenzkampf aufgefressen werden.

Wer gezielt in Reform-Gewinner investieren will, sollte sich in jedem Fall mit den Details der Steuerreform vertraut machen. Anleger, denen das zu mühsam und kompliziert ist, können mit der berechtigten Annahme ins Jahr starten, dass es an der Wall Street weiter aufwärts gehen wird und sich ein Investment in US-Aktien auch nach den Kursanstiegen des vergangenen Jahres weiterhin lohnt.