GeldanlageSo legen Sie 250.000 Euro sinnvoll an

Symbolbild: Banknoten
Symbolbild: Banknoten

Was man mit einer Viertelmillion Euro nicht tun sollte, ist schnell gesagt: Man sollte sie nicht auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto liegenlassen. Immer mehr Banken verlangen für höhere Summen, die in Sichteinlagen geparkt sind, ein sogenanntes Verwahrentgelt, zeigt eine Untersuchung des Verbraucherportals biallo.de. Damit geben sie die Strafzinsen, die ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) abknöpft, an ihre Kunden weiter. Das Verwahrentgelt liegt momentan oft bei jenen 0,5 Prozent, die auch die EZB verlangt. Bei manchen Geldhäusern wird diese Gebühr ab 100.000 Euro fällig, bei anderen erst ab 500.000 Euro – im Schnitt also ungefähr ab einer Viertelmillion.

Die Devise lautet deshalb: anlegen. Nun reichen 250.000 Euro nicht aus, um allein von den Kapitaleinkünften zu leben. Mit einer Rendite von vier Prozent pro Jahr kann man daraus aber bei angenommenen zwei Prozent Inflation eine Finanzspritze von 1000 Euro pro Monat generieren – ohne den Grundstock anzutasten.

Mit Aktienanlagen sind vier Prozent Rendite locker drin. Das gilt allerdings nur, wenn man langfristig investiert. Wer beispielsweise Ende 1992 Dax-Aktien gekauft und sie Ende des Jahres 2000 wieder veräußert hat, konnte sich in der Zwischenzeit über eine jährliche Durchschnittsrendite von satten 19,5 Prozent freuen. Bei Verkauf im Jahr 2002, nach dem Platzen der Dot-Com-Blase und den Anschlägen vom 11. September, wäre die Durchschnittsrendite der Anlage auf 6,5 Prozent jährlich gesunken, zeigen Berechnungen der Deutschen Börse. Über mehrere Dekaden und Krisen hinweg konnten Dax-Anleger dagegen zuletzt im Schnitt mit ordentlichen 8,4 Prozent Plus pro Jahr rechnen.

Nicht auf angeblich bombensichere Anlagetipps hören

Kurzfristige Einbrüche, wie sie zuletzt die Corona-Krise mit sich gebracht hat, können Anlegern die Finanzplanung für einzelne Jahre verhageln. Um stabil auf vier Prozent jährliche Rendite zu kommen, sollten Anleger ihr Kapital deshalb nicht überstürzt in vermeintlich renditestarke Investments stecken, sondern planvoll vorgehen, sagt Christian Lange, Geschäftsführer der unabhängigen Finanzberatung VZ Vermögenszentrum.

Konkret sollten Investoren fünf Punkte beherzigen, sagt Lange. Der erste: Nicht auf angeblich bombensichere Anlagetipps hören. Die enden nämlich meist in einem Debakel. Zweitens: Keine Anlagestrategie von der Stange wählen, sondern so investieren, dass es zu den persönlichen Präferenzen passt. Drittens: Gefühle wie Angst und Gier ignorieren. „Emotionen richten bei der Geldanlage großen Schaden an“, sagt Lange. So dürften viele Investoren, die während der jüngsten Turbulenzen mit Verlust verkauft haben, nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt finden, wenn sich die Märkte auf breiter Front vom Corona-Schock erholen. Der vierte Rat des Investment-Experten: unnötige Kosten vermeiden. Fünftens sollte, wer sich nicht zutraut, diese Punkte selbst umzusetzen, einen Profi engagieren.

„Das ist ein Betrag, der professionell angelegt werden sollte“

Christian Lange

Mit einer Viertelmillion Euro Anlagekapital ist man in den Augen professioneller Geld-Manager nicht reich, aber wohlhabend. Eine solche Summe öffnet Investoren die Tür zu Privatbanken und Vermögensverwaltern – zumindest bei jenen, die auch kleinere Vermögensverwaltungsmandate annehmen. Die Profis lassen sich ihre Arbeit zwar bezahlen, können Anlegern aber bei einer größeren Summe wie 250.000 Euro tatsächlich einen Mehrwert liefern, ist Lange überzeugt. „Das ist ein Betrag, der professionell angelegt werden sollte“, sagt er.

Auf jeden Fall ist es ein Betrag, der einschüchtern kann. Manch einer will eine solche Summe womöglich gar nicht erst am Aktienmarkt investieren, sondern stattdessen eine Immobilie erwerben. Mit einer Viertelmillion Euro kann man sich in deutschen Großstädten immerhin schon eine Eigentumswohnung leisten. Für ein Haus ist, je nach Größe und Lage, zusätzlich ein kleiner bis mittelgroßer Kredit nötig.

Anleger sollten allerdings nicht ihr gesamtes Geld in eine Immobilie stecken, warnt Honorarberater Lange. Erstens ist das Kapital in diesem Fall langfristig gebunden. Zweitens kann der Wert einer Immobilie durchaus sinken, auch wenn Fans gern von „Betongold“ sprechen. Drittens eignet sich das Eigenheim nur bedingt für die Altersvorsorge. Viele deutsche Rentner verfügen über beachtliches Immobilienvermögen und nur bescheidene Einkünfte. So zahlen sie zwar keine Miete, leben aber von der Hand in den Mund und haben oft nicht einmal genug Geld, um Reparaturen am Haus zu bezahlen.

Letztlich hängt es vom Alter des Anlegers ab, wie man eine Viertelmillion Euro am sinnvollsten investiert. Wer mit Mitte 30 einen solchen Betrag anlegen will, möchte eher ein Haus kaufen als ein Mittfünfziger, der im Zweifel bereits im Eigenheim wohnt. Wer das Geld am Kapitalmarkt investieren will, muss wiederum in jungen Jahren stärker auf eine auskömmliche Rendite achten, wenn er ein Zusatzeinkommen generieren will, ohne die Substanz anzugreifen. Manch älterem Viertelmillionär könnte es dagegen genügen, das Geld so anzulegen, dass nur die Inflation ausglichen wird – um es nach und nach aufzuzehren. Wer sich jeden Monat tausend Euro auszahlt, kommt mit 250.000 Euro immerhin gute 20 Jahre hin.

 


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