Firmen-BondsRisikozone Unternehmensanleihen

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Symbolbild GeldanlageGetty Images

Die US-Notenbank macht Ernst: Am Dienstag (12. Mai) hat sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte Unternehmensanleihen gekauft. Zunächst will die Fed im Rahmen ihres Kaufprograms nur Indexfonds erwerben, die Firmenbonds mit Investment-Grade-Rating enthalten. Später will sie dann auch selbst Einzeltitel halten, darunter sogar solche, die ihr solides Rating kurz zuvor verloren haben. Im Fachjargon werden solche Anleihen als „Fallen Angels“ bezeichnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Monat angekündigt, „Gefallene Engel“ als Sicherheit von Geschäftsbanken zu akzeptieren. Anlageprofis hoffen nun, dass sie dem Beispiel der Fed folgt und ihr Anleihekaufprogramm bald auf kürzlich herabgestufte Anleihen ausweitet.

Die Unterstützung der Notenbanken kommt gerade rechtzeitig – und könnte womöglich doch zu wenig sein. Der Markt für Unternehmensanleihen drohte durch die Covid-19-Pandemie in Schieflage zu geraten. Der Grund: Ökonomen erwarten im Fahrwasser der Corona-Krise eine schwere Rezession. Sie hat voraussichtlich zur Folge, dass viele Unternehmensanleihen auf Ramsch-Status herabgestuft werden. Im ohnehin schon riskanten Hochzins-Segment rechnen Anlageprofis mit steigenden Ausfallraten. Die düsteren Aussichten hatten dazu geführt, dass der Handel mit Corporate Bonds im März praktisch zum Erliegen gekommen war.

Die Ankündigungen der großen Notenbanken, nicht nur Staats-, sondern auch Unternehmensanleihen zu kaufen, hat Anleger nun zwar in Scharen zurück aufs Parkett getrieben und so die Liquidität am Markt fürs Erste sichergestellt. Die drohenden Probleme für die Realwirtschaft können Fed und EZB aber mit ihren Anleihekäufen nicht komplett aus der Welt schaffen. Das von ihnen bereitgestellte Geld reicht nicht aus, um ausnahmslos alle Unternehmen durch die Krise zu retten.

Bonitätspuffer einplanen

Wie bei Aktien sollten Investoren auch bei Unternehmensanleihen aus Branchen, die besonders stark von der Pandemie betroffen sind, Vorsicht walten lassen – etwa aus dem Tourismus- oder dem Veranstaltungssektor. Auch Schuldtitel von Ölproduzenten sind momentan ein riskantes Investment: Viele Firmen sind hoch verschuldet, der Ölpreis-Rückgang der vergangenen Monate könnte einigen von ihnen das Genick brechen. Wer nur in Papiere mit Investment-Grade-Rating investiert, ist zwar normalerweise auf der sicheren Seite. Weil bald viele Anleihen schlechter bewertet werden dürften, sollten vorsichtige Investoren aber zusätzlich einen Bonitätspuffer einplanen und keine Unternehmensanleihen kaufen, die nur eine Note von Ramsch-Status entfernt sind.

Der Fokus auf gut bewerteten Unternehmensanleihen zahlt sich für Investoren derzeit aus – nicht nur durch eine voraussichtlich geringere Ausfallrate, sondern auch durch steigende Kurse. Seit die erste Corona-Panikwelle überwunden ist, unterscheiden Anleger wieder zwischen Corporate Bonds von Firmen mit guter Bonität und solchen mit schlechten Ratings, berichtet Roman Gaiser, Hochzinsexperte beim Fondsanbieter Columbia Threadneedle. „Erstklassige Anleihen werden mit hohen Aufschlägen gehandelt, während Titel von minderer Qualität mit wesentlich geringeren Aufschlägen oder sogar mit hohen Kursabschlägen notieren“, sagt er.

Anlageprofis wittern Chancen

Risikofreudige Anleger können darauf wetten, dass auch „gefallene Engel“ früher oder später wieder in den Himmel zurückkehren. Viele Anlageprofis sehen in diesem Segment, das durch die Corona-Krise deutlich wachsen dürfte, interessante Anlagechancen. So hat etwa Pimco-Hochzinsexperte Andrew Jessop jüngst damit begonnen, „Fallen Angels“ aus dem Energiesektor zu kaufen, denen er zutraut, die Krise mit vergleichsweise geringen Blessuren zu überstehen.

Anleger müssen nicht warten, bis „Fallen Angels“ wieder hochgestuft werden, um mit den Papieren Kursgewinne zu erzielen. Die Ankündigung der Fed und der EZB, bald auch kürzlich herabgestufte Anleihen zu kaufen, dürfte dazu beitragen, dass die Risikoaufschläge von Zinspapieren mit BB-Rating sinken, prognostiziert Sunita Kara, Portfoliomanagerin bei Aviva. Sinkende Risikoaufschläge führen in der Regel zu steigenden Kursen. „Das Kaufprogramm der Fed dürfte eine sinnvolle Unterstützung für das höherwertige Ende der US-Hochzinsanleihen bieten“, sagt Kara. In Europa gilt mit Blick auf die EZB das Gleiche.

 


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