Legal-TechsRechtshilfe per Mausklick für die Lebensversicherung

Anwalt in Robe mit Gesetzeswerk
Anwalt mit Gesetzeswerk: Wie gut ist die Rechtshilfe im Netz?Getty Images

Kein Risiko, keine Prozesskosten: Das ist die Formel, mit der immer mehr Rechtshilfeportale im Netz um Kunden werben. Legal-Techs für Fluggastrechte waren die Vorreiter, inzwischen konfrontieren ähnliche Anbieter auch Versicherer und Vermieter, verhelfen bei Kündigungen zur Abfindung oder fechten Knöllchen an. Die Branche setzt da an, wo sich Ansprüche standardisieren lassen und die Rechtsprechung überschaubar ist – denn dort hält sich auch ihr Risiko in Grenzen. Capital erklärt, wie die Dienste funktionieren.

Suche den Casus knacksus in der Police

Viele Lebensversicherte prüfen derzeit wegen sinkender Verzinsung und niedriger Rückkaufswerte, ob sich ihre Verträge auflösen lassen. Die Möglichkeit dazu hat der Bundesgerichtshof eröffnet: Bei Policen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden und im Kleingedruckten fehlerhafte Belehrungen enthalten, können Versicherte ihre eingezahlten Prämien samt Zinsen, Abschluss- und Verwaltungskosten zurückfordern (IV ZR 384/14).

Bis zu 60 Prozent der rund 40 Millionen Policen, die im fraglichen Zeitraum abgeschlossen wurden, sind mangelhaft, schätzt die Verbraucherzentrale Hamburg – darunter auch fondsgebundene Verträge sowie Riester- und Rürup-Rentenversicherungen. Als günstigere Alternative zur Vertragskündigung wird die Option der Rückabwicklung gerne genutzt. Doch ob der Text einer Police korrekt formuliert oder fehlerhaft ist, lässt sich ohne professionelle Hilfe kaum feststellen. Hier kommen die Netzjuristen ins Spiel.

Mit standardisierten Onlineformularen prüfen die Anbieter zunächst, ob sich ein Vertrag potenziell anfechten lässt. Eingeben müssen Kunden dabei Details wie das Abschlussdatum, die Einzahlungssumme und die Laufzeit ihrer Versicherung. Wenn der Rechner Erfolgsaussichten signalisiert, nimmt sich ein Fachanwalt der Sache an, der im Zweifel vor Gericht geht. Im Idealfall winken dabei deutlich lukrativere Konditionen als bei einer Kündigung – oft ist die Rückzahlung um ein Drittel höher.

Generalisten wie Spezialisten nehmen ihren Obolus

Neben allgemeinen Rechtsberatern wie Claimright oder Helpcheck haben sich einige Legal-Techs auf Lebensversicherungen spezialisiert – darunter Afin24 und widerruf-lebensversicherung.de. Die Anbieter ermitteln, welchen Betrag der Kunde im Vergleich zu einer Kündigung maximal gewinnen kann.

Je nach Umfang der Police werden bis zu 29 Prozent dieser Differenz als Kommission einbehalten. Oft muss aber noch das Honorar für einen Fachanwalt hinzu addiert werden. Denn viele Versicherer bieten zunächst einen Vergleich. Wer sich darauf nicht einlassen will, muss es auf einen Richterspruch ankommen lassen. Scheitert die Anfechtung, fallen für den Kunden keine Kosten an.

Das Capital-Fazit

Wer eine Lebensversicherung rückabwickeln will, muss die Police genauestens prüfen

Eine Prüfung kann nicht schaden. Man sollte allerdings im Blick behalten, ob im Falle einer Vertragsauflösung Risiken wie Berufsunfähigkeit anderweitig abgedeckt sind. Verbraucherschützer bemängeln, dass solche Detailfragen bei Onlineangeboten oft übergangen werden. Auch seien die Angebote nicht unbedingt günstig.

„Addiert man die Provision und die Kosten eines spezialisierten Anwalts, lohnt es sich unterm Strich nicht“, sagt Sandra Klug, Leiterin des Marktwächterteams Versicherung bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Es ist ratsamer, einen Honorarberater oder die Verbraucherzentrale zu konsultieren.“ Letztere ermittelt für 85 Euro – ebenfalls über einen Onlinerechner – den ungefähren Rückzahlungsanspruch. Für noch einmal 85 Euro wird ein finanzmathematisches Gutachten erstellt, das notfalls auch vor Gericht zur Anfechtung der Police verwendet werden kann.