FondsgebührenPerformance Fee: Schluss mit dem Wildwuchs

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Symbolbild GeldanlageGetty Images

Fondsanleger in Europa müssen künftig unter Umständen weniger Rendite an Fondsmanager abtreten, wenn es an den Finanzmärkten gut läuft. Die europäische Marktaufsicht Esma hat die Leitlinien für erfolgsabhängige Fondsgebühren europaweit vereinheitlicht. Sie sind nun in vielen Ländern und für viele Fondsanbieter strenger als zuvor – gehen Branchenbeobachtern aber immer noch nicht weit genug.

Bislang herrschte im Bereich der Performance Fees mehr oder weniger Wildwuchs, zumindest auf europäischer Ebene. In Deutschland hatte die Bafin bereits im Jahr 2012 für Ordnung gesorgt: In ihren „Musterbausteinen für Kostenklauseln offener Publikumsinvestmentvermögen“ schrieben die deutschen Finanzaufseher damals fest, wie Vermögensverwalter ihre Erfolgsgebühren ausgestalten dürfen. „Vorher hatte es einige dreiste Auswüchse gegeben“, sagt Ali Masarwah, Deutschland-Chefredakteur des Analysehauses Morningstar. Die neuen Regeln der Esma orientieren sich eng an den deutschen Vorgaben – wohl auf Druck der Bafin hin, wie Marktkenner vermuten.

Konkret gilt nun für Fondsmanager in der gesamten Europäischen Union: Sie dürfen nur dann eine Erfolgsgebühr von ihren Kunden verlangen, wenn sie ihren Vergleichsindex auf Sicht von fünf Jahren geschlagen haben. Kurzzeitige Gewinne, die langfristige Verluste nicht aufwiegen, reichen nicht mehr aus, um abzukassieren. Bei Fonds, die vor die Performance Fee eine High-Water-Mark, also das Übertreffen eines früheren Höchststandes, gesetzt haben, gilt dasselbe. Nur wenn der Fonds die Hochwassermarke auf Sicht von fünf Jahren übertrifft, darf der Manager am Erfolg beteiligt werden.

„Die neuen Regeln sind klar im Interesse der Investoren. Exzesse wie früher sind nun nicht mehr so leicht möglich“

Ali Masarwah

Auf den ersten Blick ändert sich für deutsche Fondskäufer nichts. Schließlich besagen die Musterkostenklauseln der Bafin ungefähr dasselbe wie die neuen Esma-Vorschriften. Bei Produkten, die außerhalb Deutschlands aufgelegt wurden – etwa in der Fonds-Oase Luxemburg – und die vor 2012 in der Bundesrepublik zum Vertrieb zugelassen wurden, griffen die Bafin-Regeln bisher allerdings nicht. Darunter fallen auch namhafte Produkte wie der Mischfonds FvS Multiple Opportunities, das Flaggschiff der Investmentboutique Flossbach von Storch. Dessen Performance Fee hat der Kölner Vermögensverwalter zum vergangenen Jahreswechsel von sich aus auf das deutsche Modell umgestellt. Andere Anbieter müssen nun nachziehen. Dadurch dürfte für Anleger in vielen Fällen seltener eine Erfolgsgebühr anfallen als bisher.

Der deutsche Fondsverband BVI hält die europaweite Einheitsregelung für sinnvoll. „Das sind ausgewogene Regeln im Interesse der Anleger und der Branche“, sagt BVI-Geschäftsführer Thomas Richter. „Sie stellen sicher, dass Anleger keine erfolgsabhängigen Gebühren für eine schlechte Performance bezahlen müssen.“ Der Betrachtungszeitraum von fünf Jahren sei gut gewählt. Höher dürfe er aber auch nicht liegen: Sonst könnten drastische Markteinbrüche dazu führen, dass Fondsmanager trotz guter Leistung langfristig keine Chance hätten, eine Performance Fee zu vereinnahmen.

Auch Morningstar-Experte Masarwah sagt: „Die neuen Regeln sind klar im Interesse der Investoren. Exzesse wie früher sind nun nicht mehr so leicht möglich.“ Er bemängelt allerdings, dass die Esma-Regen Fondsanbietern nach wie vor zu viele Freiheiten ließen. So können Investmentgesellschaften etwa Indizes als Vergleichsgrößen wählen, die für ihre Manager mühelos zu schlagen sind. Auch die absolute Höhe der Performance Fee ist nach wie vor frei wählbar. Darüber hinaus gibt es keine Standards, wo und in welcher Form Fondsanbieter ihre Erfolgsgebühren ausweisen müssen. Eine Transparenzpflicht und eine stärkere Standardisierung hätten es Anlegern leichter gemacht, die Performance-Fee-Regelungen einzelner Fonds auf einen Blick zu erfassen, sagt Masarwah.

 


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