Vorsorge Notgroschen: Wie Sie sich gegen unverhoffte Ereignisse wappnen

Symbolbild Sparen
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© Getty Images
Nicht immer läuft alles im Leben nach Plan. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten beruhigt ein finanzielles Polster ungemein. Wir erklären, wie man dafür Geld zurücklegt

Das Auto streikt, der Job ist in Gefahr, eine längere Krankheit tritt ein: Niemand ist vor solchen Schicksalsschlägen gefeit. Unerwartete Ausgaben können in allen Lebensphasen lauern. Wer sich einen Notgroschen zur Seite gelegt hat, kann auf exogene Schocks reagieren und diese bewältigen. Das erscheint umso wichtiger in Zeiten, in denen Pandemie, Krieg und galoppierende Inflationsraten für starke Verunsicherung sorgen.

Jeder fünfte Deutsche befürchtet, dass sich seine finanzielle Situation in der ersten Jahreshälfte 2022 verschlechtern wird. Das zeigt eine Studie der Investmentgesellschaft Union Investment. 82 Prozent der Sparer gaben dabei Rücklagen für finanzielle Notfälle als oberstes Sparziel an. Die jahrelange Nummer eins in Deutschland, die Altersvorsorge, wurde damit abgelöst.

Verschaffen Sie sich einen Überblick

Um einen Notgroschen anzusparen, benötigt jeder Haushalt zunächst einen Überblick über seine monatlichen Ausgaben – etwa in Form eines Haushaltsbuches. Dazu zählen in erster Linie Fixkosten wie der Mietzins, Versicherungsbeiträge und der Handyvertrag. Ebenso sollten sie sämtliche variable Kosten dokumentieren, also all jene Ausgaben, die sie kurzfristig ändern und anpassen können. Tipp: Wer Quittungen von Lebensmitteleinkäufen, Kneipen- oder Kinobesuche aufbewahrt, kann damit einen Mittelwert bilden.

Das monatliche Nettoeinkommen abzüglich aller fixen und variablen Kosten ergibt jenen Betrag, den Sparer auf ihr Notgroschen-Konto einzahlen können. Um die eiserne Reserve schnellstmöglich aufzubauen, sollte die monatliche Sparrate nicht zu gering ausfallen. Gleichzeitig ist es wichtig, realistisch zu bleiben und Geld nur dann bei Seite zu legen, wenn die laufenden Kosten wirklich abgedeckt sind. Andernfalls greift man erst recht wieder auf das Ersparte zurück. Darüber hinaus sind Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Boni perfekte Kandidaten für das Notgroschen-Konto.

Die Faustregel für die optimale Höhe des Notgroschens lautet drei bis sechs Monatsgehälter. Das deckt die meisten unvorhersehbaren Ausgaben ab. „Die richtige Höhe des Notgroschens ist allerdings für jeden Sparer individuell“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wie dick ein Sicherheitspolster sein soll, richtet sich nach dem eigenen Sicherheitsempfinden und der persönlichen Lebenssituation. Immobilienbesitzer, die teure Reparaturen am Haus fürchten oder Familien, die von einem Hauptverdiener finanziell abhängig sind, benötigen womöglich höhere finanzielle Reserven als alleinstehende Mieter.

„Aus den Augen aus dem Sinn“

Der Notgroschen ist – wenig überraschend – für Notfälle gedacht. „Urlaube oder andere geplante Ausgaben bezahlen Sparer besser nicht damit“, sagt Nauhauser. „Wer dazu neigt, alles Geld auszugeben, das auf dem Girokonto liegt, parkt es besser auf einem separaten Konto.“ Ganz nach dem Motto: „Aus den Augen aus dem Sinn“. Hierfür eigenen sich Tagesgeldkonten, mit denen keine Zahlung an der Kasse möglich ist. Das bietet eine zusätzliche Hürde, sollten Konsumenten in Versuchung gelangen, den Notgroschen für nebensächliche Käufe aus dem Fenster zu werfen. Wer das dennoch tut, füllt ihn danach am besten schnellstmöglich wieder auf.

Üblicherweise bieten Tagesgeldkonten neben der Selbstregulation einen weiteren Vorteil: Sie sind besser verzinst als Girokonten. Zum Leid aller Sparer führt das anhaltende Niedrigzinsumfeld in Kombination mit hohen Inflationsraten allerdings auch beim Tagesgeld zu negativen Realzinsen. Hier kann man nicht viel mehr tun als abzuwarten, wie sich die Zinsen in den kommenden Monaten entwickeln werden. Mit dem Tagesgeld-Vergleichsrechner von Capital.de lassen sich aktuellen Angebote einfach vergleichen.

Anlagealternativen mit höheren Renditechancen wie beispielsweise Aktien sind für den Notgroschen ungeeignet. „Die Idee eines Notgroschens ist es ja grade im Notfall möglichst schnell Bargeld zu besitzen“, sagt Nauhauser. Tritt dieser Notfall ein und die Aktienkurse befinden sich zu diesem Zeitpunkt im Keller, muss der Anleger Verluste realisieren. Immobilien sind als Notgroschen-Anlage ebenso ungeeignet, weil sich ihr Verkauf äußerst zeitintensiv gestaltet – vorausgesetzt Sparer wollen nicht deutlich unter Marktwert verkaufen.

Wer seine eiserne Reserve beisammen hat, wandelt die monatliche Sparrate einfach in einen Fonds-Sparplan um. Besonders preiswert gelingt das in Form von ETFs. „Hier müssen Sparer aber auch das Risiko von zwischenzeitlichen Verlusten von bis zu 50 Prozent tragen“, erinnert Nauhauser.


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