Anleihen Linker-Fonds schützen vor Inflationsrisiko

Symbolbild Geldanlage
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Inflationsindexierte Anleihen bieten Investoren die Möglichkeit, sich gegen Inflationsrisiken zu schützen und gleichzeitig von steigenden Inflationserwartungen zu profitieren. Vor dem Kauf der sogenannten „Linker“ gilt es allerdings einiges zu beachten.

Am Ende stand sogar eine Drei vor dem Komma: Die Jahresteuerungsrate 2021 betrug in Deutschland nach ersten Schätzungen 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstagnachmittag mitteilte. Die gestiegenen Energiepreise heizten die Teuerung an, die anhaltenden Lieferengpässe haben sie noch einmal befeuert. Ökonomen gehen davon aus, dass auch im neuen Jahr die Inflation nur eine Richtung kennen dürfte: nach oben.

Denn auch wenn viele Marktbeobachter erwarten, dass sich die Notenbanken aus ihren milliardenschweren Anleihekäufen weiter zurückziehen und damit die Geldschwemme reduzieren werden, bleibt das letztendliche Ausmaß des Taperings fragwürdig. Eine zu drastische Nachfragereduzierung der europäischen Währungshüter würde die Zinsen in einem Ausmaß steigen lassen, welches die hoch verschuldeten Euro-Länder ins Schwanken bringen könnte.

Wahrlich kein einfaches Umfeld, um die eigne Kaufkraft zu erhalten. Risikoaverse Privatanleger, die nicht (ausschließlich) in Sachwerte wie Aktien investieren möchten, können beispielsweise zu inflationsindexierten Anleihen greifen. Bei den auch als „Linker“ (inflation-linked) bezeichneten Anleihe-Exoten sind Zinsen und Rückzahlungssumme an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt. Im Klartext heißt das: Während bei herkömmlichen Anleihen die Inflation zumindest einen Teil der Nominalverzinsung auffrisst, bekommen Anleger für ihr Linker-Investment höhere Zinsen, wenn die Inflationsrate steigt. Doch aufgepasst: Inflationsindexierte Anleihen bieten im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen auch einen niedrigeren Kupon. Welche der beiden Varianten sich Anleger nun ins Depot holen sollten, hängt insbesondere von ihrer persönlichen Inflationserwartung ab.

2021 war ein gutes Jahr für Linker

In der Theorie spiegelt die Differenz zwischen der niedrigeren Rendite der Linker und der höheren Rendite herkömmlicher Anleihen die gegenwärtigen Inflationserwartungen des Marktes wider. Geht ein Anleger im Vergleich zum breiten Markt von einer höheren Inflationsrate aus, sind inflationsindexierte Anleihen die richtige Wahl. Diese wären sozusagen unterbewertet. Erwartet ein Investor hingegen, dass die Inflation künftig nicht so stark steigen wird, greift er besser zur herkömmlichen Variante.

Welches Potenzial sich hinter inflationsindexierten Anleihen gegenüber ihren nominalen Pendants verbirgt, hat sich im vergangenen Jahr gezeigt: Während Linker gemessen am wichtigen Welt-Index von Bloomberg Barclays in der ersten Jahreshälfte einen Wertzuwachs von 0,8 Prozent verzeichnen konnten, gab es für Investments in Bundesanleihen minus 3,2 Prozent und in US-amerikanische Staatsanleihen minus 3,5 Prozent. Noch deutlicher wird der Linker-Mehrertrag über einen Betrachtungszeitraum von drei Jahren: Zwischen Mai 2018 und Mai 2021 erzielten Linker weltweit durchschnittlich 14,2 Prozent gegenüber 8,7 Prozent bei US-Staatsanleihen und lediglich 3,6 Prozent bei Bundesanleihen. Kein Wunder also, dass Linker-Fonds allein in den ersten fünf Monaten 2021 Nettozuflüsse in der Rekordhöhe von 18 Mrd. US-Dollar verzeichnen konnten.

Aus heutiger Sicht und gemessen an der Ein-Jahres-Performance war der Tabula US Enhanced Inflation ETF der beste Linker. Dieser ETF auf den Bloomberg Barclays US Enhanced Inflation Index kommt auf eine Ein-Jahres-Rendite von 15,13 Prozent. Die Plätze zwei und drei gehen an die beiden aktiven Linker-Fonds Interfund (13,58 Prozent) und CPR (10,23 Prozent). Diese sind allerdings angesichts ihrer hohen Mindestanlagesummen von mehreren Zehn- bis Hunderttausend Euro kaum für Privatanleger geeignet.

Wie eingangs beschrieben, erwarten die allermeisten Marktbeobachter heute, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter steigen dürfte. Strittig bleibt letztlich das Ausmaß, wie entschlossen die Zentralbanken auf die Teuerung reagieren werden. Wer eine Inflation über dem Marktkonsens befürchtet, für den sind Linker-Fonds eine interessante Beimischung fürs Portfolio.


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