KolumneLiebe ist eine Frage des Geldes

Finanz-Tipps für Paare
Geld kann in der Beziehung ein heikles Thema sein. Experten raten aber zur Offenheit.dpa

Liebe ist eine Frage des Geldes: Eigentlich bin ich ein ziemlich rationaler Mensch – dachte ich bisher. Ich gucke gern aufs Geld, schon von Berufs wegen. Nur bei der Partnerwahl scheine ich das irgendwie immer vergessen zu haben. Das sei zwar menschlich, aber meist ein folgenschwerer Fehler, sagen Soziologen. Denn ob ein Paar glücklich werde oder nicht, hänge überraschend stark von Geld, Gehalt und Kreditwürdigkeit ab. Daran entscheide sich sogar, ob zwei Menschen heiraten – und wie lange ihre Beziehung hält.

All das hätte ich also locker abklären können, wenn ich mir beim ersten Date eine Gehaltsbescheinigung samt Schufa-Auskunft hätte geben lassen, statt meinen späteren Freund smalltalkend zu fragen, wie er heißt und was er so übers Leben denkt. Von jedem Mieter würden wir solche Nachweise schließlich auch verlangen, obwohl wir ihm nur eine Wohnung überlassen – und nicht gleich die Hälfte von Tisch und Bett. Warum also reden wir in Beziehungen so viel über unsere Befindlichkeiten – und so wenig über das Geld auf unserem Konto?

Cover der neuen Capital
Die aktuelle Capital

Tatsächlich ist es nämlich so: Je ähnlicher sich die Gehälter zweier Menschen sind, desto länger hält ihre Beziehung. Sagt Patrick Ishizuka von der Cornell University, der dazu 60.000 Datensätze durchforstet hat. Als widerlegt gilt heute, dass Gehaltsgefälle Verbundenheitsgefühle auslösen – darauf bauten frühere Generationen, wenn Ärzte sich mit Krankenschwestern oder Chefs mit ihren Sekretärinnen einließen. Auch mit umgekehrten Geschlechterrollen fahren solche Paare nicht besser, denn jede finanzielle Abhängigkeit belastet auf Dauer.

Noch schlimmer ist es, wenn Schulden dazukommen. Und die haben die Jüngeren heute offenbar reichlich. Drei Viertel der Millennials bringen laut Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity Darlehen und Dispos mit in die Beziehung, auch in der Generation X sind es fast zwei Drittel. Viele dieser Befragten sagen: Miese auf dem Konto sorgen auch für miese Stimmung in der Partnerschaft. Dazu trägt vielleicht auch bei, dass offenbar gerade Jüngere der Meinung sind, der Partner sei zuständig, die eigenen Schulden mit abzutragen. Da muss die Liebe schon sehr stark sein, damit der Unverschuldete eine solche Mitgefangen-mitgehangen-Beziehung noch als persönliche Bereicherung begreift.

Machen Sie den Bonitätscheck!

Besser also, wir machen frühzeitig den Bonitätscheck, um herauszufinden, wie beide Partner mit Geld umgehen und ob sie als Paar voraussichtlich in Finanzstress geraten. Denn der Umgang mit Geld strahlt weit über das Finanzielle hinaus: An der Kreditwürdigkeit könne man zum Beispiel grundsätzlich ablesen, wie vertrauenswürdig jemand sei, sagt Jessica Hayes von der University of California. Eine ähnlich gelagerte Bonität sei, sofern die soziodemografischen Merkmale an­sonsten zueinander passen, der beste Indikator dafür, ob man lange zusammenbleibe.

Die Kehrseite der Medaille: Paare mit ähnlich gutem Einkommen leben zwar oft in den stabileren Beziehungen, heiraten aber auch seltener – weil sie finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Nach all dem weiß ich: Ein paar Männerpleiten hätte ich mir mit frühzeitiger Schufa-Auskunft sparen können. Aber durch pures Glück an einem Partner hängen zu bleiben, der nicht nur toll ist, sondern auch das passende Gehalt hat, bleibt ein echter Lottogewinn.

 


Nadine Oberhuber ist Capital-­Korrespondentin in München. In ihrer Kolumne schreibt sie jeden Monat über die Freude und die Last mit der Geldanlage und der Altersvorsorge.