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Rohstoffe Kupfer – langfristig eine gute Wette

Rundbarren aus Kupfer im Lager der Aurubis AG
Begehrter Rohstoff: Rundbarren aus Kupfer im Lager der Aurubis AG
© IMAGO / photothek
Anlegerinnen und Anleger setzen mit Kupfer auf die Energieversorgung und die Mobilität der Zukunft. Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten machen den Unternehmen aktuell zu schaffen. Auf lange Sicht bleibt die Branche attraktiv. 

Die Schlüsselfunktion, die Kupfer beim Erreichen der Pariser Klimaziele einnimmt, kann nicht oft genug betont werden. Auf dem langen Weg zur Netto-Null spielt das rote Metall eine wichtige Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei der Elektrifizierung und dem Bau von Elektrofahrzeugen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs nennt Kupfer dementsprechend „das neue Öl“ und schreibt in einem Forschungspapier, dass es „keine Dekarbonisierung ohne Kupfer gibt“. Ohne einen deutlichen Anstieg bei der Kupferverwendung könne Öl nicht durch erneuerbare Energien ersetzt werden.

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr: Reine Elektroautos benötigen 75 Kilogramm Kupfer, verglichen mit lediglich 23 Kilogramm bei Verbrennern. Elektro-Busse kommen, je nach Batteriegröße, auf 560 Kilogramm. Und eine einzelne moderne Windkraftanlage verschlingt inklusive Infrastruktur sogar bis zu 30 Tonnen. Kein Wunder also, dass die globale Nachfrage nach Kupfer in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist – und weiterhin stark steigen wird. Wurden im Jahr 2021 weltweit noch 25,3 Millionen Tonnen Kupfer nachgefragt, lauten die Prognosen für das Jahr 2027 bereits auf 30 Millionen Tonnen des Halbedelmetalls. Im Jahr 2035 könnte die jährliche Kupfernachfrage dann bereits die 50-Millionen-Tonnen-Marke knacken.

Die gute Nachricht: Theoretisch ist die Verfügbarkeit langfristig gesichert. Der United States Geological Survey, eine wissenschaftliche US-Behörde, schätzt die weltweiten Kupfervorräte auf 830 Millionen Tonnen. Praktisch liegt das Problem aber bei den Förderquoten. Im vergangenen Jahr lag die weltweite Kupferproduktion bei nur 21 Millionen Tonnen. Am Markt herrscht also bereits jetzt ein Angebotsdefizit. Um die weiter steigende Kupfer-Nachfrage decken zu können, sind enorme Investitionen in die Produktions- und Verarbeitungskapazitäten erforderlich. Das ist kein einfaches Unterfangen: Die Eröffnung neuer Minen ist nicht von heute auf morgen möglich, sondern mit Vorlaufzeiten von einigen Jahren verbunden. Noch dazu steigen die Produktions- und Unterhaltungskosten von Kupferminen im Laufe der Zeit tendenziell immer weiter, da ihr Ertrag abnimmt. Beides erfordert Planungssicherheit.

Kupfer ist wieder billiger geworden

Diese Sicherheit scheint zumindest mittelfristig nicht gegeben. Zwar hat sich der Kupferpreis zwischen Frühjahr 2020 und Anfang 2022 mehr als verdoppelt – und damit zusätzliche Anreize für die Minenbetreiber geschaffen. Doch wie es weitergeht, ist ungewiss: Seit dem Rekord von mehr als 10.000 Dollar je Tonne ist der Kupferpreis auf aktuell rund 7500 Dollar gesunken. Die Konsolidierung hat Goldman Sachs dazu veranlasst, ihre kurzfristige Preisprognose von vormals 15.000 Dollar zu kürzen. Die Analysten sehen die größten Herausforderungen in der Energiepreis-Krise und einer global schwächelnden Industrie-Aktivität.

Bei einzelnen Unternehmen machen sich die Unsicherheiten bereits bemerkbar: Der australische Bergbaukonzern Rio Tinto hat vor wenigen Tagen angekündigt, dieses Jahr weniger Kupfer zu fördern als geplant. Anstatt der bisher angepeilten 230.0000 bis 290.000 Tonnen plant Rio Tinto nun mit maximal 220.000 Tonnen Kupfer. Besser scheint es bei Europas größter Kupferhütte Aurubis zu laufen: Die Hamburger konnten die steigenden Energiepreise im abgelaufenen Quartal gut verkraften und fuhren ein starkes Ergebnis ein. Aurubis bestätigte seine Prognosen für das Gesamtjahr.  

Unabhängig von zwischenzeitlichen Turbulenzen scheint Kupfer eine langfristig gute Wette zu sein. Denn: Wer auf Kupfer setzt, setzt auf die Stromversorgung und Mobilität der Zukunft – und damit auf den Wohlstand unserer Gesellschaft.

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