DigitalisierungKryptowährungen stehen vor einem Comeback

Münze mit Bitcoin-Symbol
Der Kurs des Bitcoin schwankt immer noch sehr starkGetty Images

Bitcoin-Fans wurden in den vergangenen Monaten einmal mehr auf eine harte Probe gestellt. Ende des Jahres 2017 kratzte die Kryptowährung an der Marke von 20.000 US-Dollar – heute ist sie nicht einmal ein Fünftel davon wert. Heftige Kursschwankungen sind bei Bitcoin, Ethereum und Co. nicht ungewöhnlich. Marktbeobachter warnen deshalb immer wieder davor, dass sich die digitalen Münzen höchstens für Spekulanten eignen. Diverse Betrugsskandale tragen nicht gerade dazu bei, das Vertrauen in Kryptowährungen zu stärken. Erst im Februar stoppte die deutsche Finanzaufsicht Bafin den Börsengang eines Krypto-Start-ups, weil sie Zweifel an der Seriosität des Unternehmens hegt.

Trotz aller Hiobsbotschaften starten Kryptowährungen mit guten Aussichten in das Jahr 2019. Viele große Namen der Finanzwelt sehen in digitalen Währungen Potenzial – darunter solche, von denen man es nicht erwartet hatte. So bringt dieser Tage die US-Bank JP Morgan eine eigene Kryptowährung auf den Markt, obwohl Bank-Chef Jamie Dimon Bitcoin noch im Jahr 2017 als Betrug bezeichnet hatte. Mit dem JPM Coin will das Institut nun neue Wege in Sachen digitale Währungen beschreiten. Die JP-Morgan-Münze wird zunächst ausschließlich intern verwendet. Als bankeigenes Verrechnungsmittel ist sie derzeit nur einem kleinen Kreis von Geschäftskunden zugänglich. Dadurch, dass die Bank den JPM Coin im Verhältnis eins zu eins an den US-Dollar koppelt, will sie heftige Wertschwankungen wie beim Bitcoin vermeiden.

Infografik: 934 tote Digitalwährungen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Mobile App für den Krypto-Handel

JP Morgan nicht das einzige Finanzinstitut, das der Krypto-Welt positive Signale sendet. So plant der US-Vermögensverwalter Fidelity ab März eine Art Verwahrservice für Bitcoins. Auf einer neuen Plattform können institutionelle Investoren dann ihre digitalen Münzen lagern und handeln lassen. Noch einen Schritt weiter geht der amerikanische Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE) mit seiner geplanten Plattform Bakkt. Auf diesem Handelsplatz soll es erstmals physisch hinterlegte Bitcoin-Futures geben. Die erste Finanzierungsrunde ist bereits abgeschlossen, zu den prominentesten Investoren gehören Microsoft und die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG).

Auch in Deutschland packt man den Krypto-Bullen bei den Hörnern. Die Börse Stuttgart hat Ende Januar eine mobile App für den Krypto-Handel auf den Markt gebracht: Über die Bison-App können private und institutionelle Investoren die vier Währungen Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Ripple handeln. Die Börse Stuttgart wacht darüber, dass die digitalen Münzen sicher verwahrt sind.

Krypto-Fans geben nicht auf

Neben der hohen Volatilität und der Gefahr von Hacker-Angriffen bereitet Kritikern der Umstand Sorgen, dass Kryptowährungen für illegale Geschäfte verwenden werden könnten, etwa zur Finanzierung von Terrorismus. Sie fordern deshalb eine strengere Regulierung der Krypto-Märkte. Auch an dieser Front gibt es Neuigkeiten: Die internationale Aufsichtsbehörde Financial Action Task Force (FATF) soll im Sommer erste Standards für den Umgang mit Kryptowährungen verabschieden, an die sich die G20-Staaten dann halten müssen. Dieser Schritt könnte das Anlegervertrauen in Bitcoin und Co. steigern.

Rückenstärkung bekommen Kryptowährungen nicht zuletzt von ihrer eigenen Fangemeinde. Die führt derzeit ein Experiment durch, das immer weitere Kreise zieht: Teilnehmer schicken eine Art Kettenbrief durchs Internet und zahlen bei jedem Weiterleiten einen kleinen Bitcoin-Betrag an ein ausgelagertes Netzwerk. Mit dieser „Trust Chain“ wollen sie beweisen, dass sich Bitcoins schnell und einfach transferieren lassen. Ob das Experiment Skeptikern den Wind aus den Segeln nimmt, ist noch nicht klar. Zumindest aber sorgt es nach all den Hiobsbotschaften von der Kurs-Front für positive Nachrichten.