Geldanlage4 Risiken für die Finanzmärkte

Wer die Nachrichten verfolgt, bekommt derzeit den Eindruck, dass es an allen Ecken und Enden der Welt brennt. Nicht alle aktuellen politischen Krisen haben Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Einige haben aber das Potenzial, die Märkte zum Schwanken zu bringen. Ein Überblick.

Die Flüchtlingskrise

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ist seit der Schließung der Balkanroute im März deutlich gesunken. Die Lage bleibt trotzdem herausfordernd. Spätestens im Sommer dürften erneut Hunderttausende Migranten versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Und diejenigen, die es schon geschafft haben, müssen integriert werden. Ob die Zuwanderer die Wirtschaft in Deutschland und anderen Euro-Staaten be- oder entlasten werden, ist umstritten, Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Gefahr für die Märkte lauert indes anderswo: Die Flüchtlingskrise verschafft rechtspopulistischen, Euro-feindlichen Parteien Auftrieb – und viele von ihnen verfolgen auch wirtschaftspolitisch krude Ziele. Ökonomen betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Unterdessen dauern der Krieg in Syrien und andere Konflikte, die Menschen zur Flucht zwingen, an.

Die Brexit-Diskussion

Am 23. Juni werden in Großbritannien Fakten geschaffen. Die Bürger stimmen dann darüber ab, ob das Vereinigte Königreich Mitglied der EU bleibt. Die Diskussion um einen möglichen Brexit beschäftigt die Politik und die Finanzbranche bereits seit Monaten. Welche wirtschaftlichen Folgen ein solches Ereignis haben würde, ist noch immer völlig unklar. Während manche Ökonomen tiefgreifende Konsequenzen für die europäische und vor allem für die britische Wirtschaft befürchten, geben sich andere gelassen. In einem Punkt herrscht weitgehend Einigkeit: Falls Großbritannien die EU verlässt, wird es an den europäischen Aktien- und Anleihemärkten zumindest vorübergehend turbulent.

Die Wahlen in Spanien

Nach der spanischen Parlamentswahl im Dezember 2015 scheiterten die Parlamentarier daran, eine Regierung zu bilden. Pedro Sánchez, Chef der sozialistischen Partei PSOE und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, konnte in zwei Anläufen keine Mehrheit auf sich vereinen. Seitdem gilt Spanien, das überdies noch immer mit den Folgen der Finanzkrise kämpft, erneut als Sorgenkind Südeuropas. Anleger sind nervös, die Risikoaufschläge für spanische Anleihen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Immerhin: Ende Juni sind Neuwahlen. Danach könnte sich die Lage wieder beruhigen, sagen Volkswirte.

Donald Trump

Donald Trump wird bei den US-Präsidentschaftswahlen im November fast sicher als Kandidat der Republikaner antreten. Die meisten Beobachter rechnen damit, dass in diesem Fall die Demokratin Hillary Clinton das Rennen machen würde. Es könnte aber knapp werden, ein US-Präsident Trump ist kein völlig unrealistisches Szenario. Welche Auswirkungen ein Wahlsieg Trumps auf die Märkte haben würde, ist ungewiss. Marktbeobachter tun sich schwer mit Prognosen. Grund: Der Immobilienmilliardär widerspricht sich häufig, vertritt mitunter Positionen, die sich gegenseitig ausschließen. Sein wirtschaftspolitisches Programm ist bisher vage und enthält sowohl republikanische als auch demokratische Ansätze. Fest steht: Wird Trump Wahlsieger und löst einige seiner drakonischsten Wahlversprechen ein, etwa die Ausweisung sämtlicher illegaler Immigranten aus den USA, wird es an den Finanzmärkten turbulent.