InterviewHelpcheck: „Wir wollen das Check24 bei Rechtsproblemen werden“

Symbolbild Lebensversicherung
Symbolbild Lebensversicherungdpa

Der Ruf von Kapitallebensversicherungen hat schwer gelitten. Viele Menschen haben im Glauben an den Garantiezins einen Vertrag abgeschlossen und im Nachhinein festgestellt: So viel Rendite, wie einst versprochen, bringt die Versicherung nicht. Wer den Vertrag vorzeitig kündigt, bekommt in der Regel weniger zurück, als er eingezahlt hat. Es gibt aber ein Schlupfloch: Haben Versicherungsnehmer ihren Vertrag in den Jahren 1994 bis 2007 abgeschlossen, können sie diesen mit Glück widerrufen. Denn viele Versicherungen haben ihre Kunden in diesen Jahren nicht richtig über ihr Widerspruchs- und Rücktrittsrecht belehrt – das hat der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen bestätigt. Peer Schulz und Phil Sokowicz haben daraus ein Geschäft gemacht.

Capital: Herr Schulz, Sie haben sich mit „Helpcheck“ auf den Widerruf von Lebensversicherungen spezialisiert. Wie viele Verträge enthalten tatsächlich Fehler?

PEER SCHULZ: Von über 10.000 Verträgen, die wir schon geprüft haben, waren 82 Prozent fehlerhaft. Besonders oft finden wir gemeinsam mit unseren Anwälten Fehler bei Versicherungsverträgen der Aachen Münchener, dem britischen Versicherer Clerical Medical und der ehemaligen Volksfürsorge. Bei Lebensversicherungen von Zürich werden wir dagegen fast nie fündig.

Sie prüfen die Verträge gratis. Die Provision in Höhe von bis zu 39 Prozent fällt erst an, wenn Kunden den Vertrag über Ihr Unternehmen widerrufen. Rechnet sich das für den Kunden überhaupt?

Zum einen ziehen wir die Provision nur vom erzielten Mehrwert ab. Das ist das Plus, das Kunden durch den Widerruf mit uns zusteht. Bei einer Kündigung gäbe es weniger. Zum anderen zeigt unsere Erfahrung, dass wir erfolgreicher als Privatpersonen und auch viele Anwälte sind. Einige unserer Kunden haben zuerst versucht, ihre Lebensversicherung eigenhändig zu widerrufen und sind dabei gescheitert. Oft lassen Versicherer die Kunden warten oder leugnen, Fehler gemacht zu haben. Uns kennen die Versicherer schon. Daher können wir mittlerweile rund 20 Prozent unserer Fälle außergerichtlich klären. Nur wenige gehen vor Gericht in die zweite Instanz.

Wie schaffen Sie es mit einem Team von 15 Angestellten und sieben Anwälten so viele Verträge zu prüfen?

Big Data macht es möglich. Wir haben uns eine riesige Datenbank erarbeitet. Diese enthält über 600 Urteile von Oberlandesgerichten und höheren Instanzen zum Widerruf von Lebensversicherungen. Unser System filtert daraus passende Urteile heraus und verfasst vollautomatisch eine Anklageschrift. Das dauert fünf Minuten. Ein Anwalt braucht dafür im Schnitt drei Stunden. Zusätzlich haben wir zahlreiche Daten zur erwirtschafteten Rendite von Versicherungen zusammengetragen. So können wir ausrechnen, wie viel Geld die Versicherung mit den Beiträgen der Versicherten erwirtschaftet hat. Denn auch darauf haben Kunden bei Widerspruch ein Anrecht.

Haben Sie Angst, dass Ihnen mal das Geschäft ausgeht?

Überhaupt nicht. Die Allianz geht davon aus, dass in Deutschland insgesamt 108 Millionen Verträge mit einem Volumen von 400 Mrd. Euro fehlerhaft sind. Selbst wenn wir nur von der Hälfte dieses Marktes ausgehen, haben wir immer noch über 50 Millionen potentielle Fälle vor uns. Ausbauen wollen wir unser Geschäftsmodell trotzdem.

Inwiefern?

Wir haben schon bei der Gründung darauf geachtet, uns nicht auf ein Thema festzulegen. Der Name „Helpcheck“ passt zu allem – das deckt sich mit unserem Ziel. Wir wollen das Check24 bei Rechtsproblemen werden, die erste Anlaufstelle für alle Versicherungsnehmer. Welches Thema unser nächstes Steckenpferd wird, prüfen wir gerade.