VorsorgeRaus aus der unrentablen Lebensversicherung

Mann in Landschaft
Symbolbild: Vorsorge für die Zukunft

Die Geldanlagen der Versicherungen sind derzeit nicht sehr erfolgreich. Schuld ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Lebensversicherung als Geldanlage bringt darum seit Jahren nichts mehr. Da hilft auch der Garantiezins nicht. Denn der darf laut Gesetz nicht über 0,9 Prozent liegen. Außerdem kostet die Versicherung einen Batzen Geld: „Manchmal sind die Kosten sogar so hoch, dass der Versicherte am Ende weniger rausbekommt, als er eingezahlt hat“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten, der seit Jahren vor einem Neuabschluss warnt.

Doch was kann ein Anleger tun, der vor Jahren eine Versicherung abgeschlossen hat? Soll er kündigen? Oder einfach auf das Vertragsende warten? Wir zeigen, wann welche Strategie Sinn macht:

Kündigung

Grundsätzlich haben alle Versicherten das Recht eine Kapitallebensversicherung zu kündigen. Sparen können aber nur diejenigen, die früh handeln. Wer schnell kündigt, kann noch einen Teil der Abschlussprovision retten. Denn die wird in der Regel in den ersten fünf Jahren abgerechnet. Zudem verursacht der enthaltene Todesfallschutz hohe laufende Kosten.

Vor der Kündigung müssen Versicherte aber klären, ob etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) an die Lebensversicherung gebunden ist. Kündigt man nämlich die eine, ist auch die andere weg. Besonders ältere Versicherte sollten wachsam sein. Denn ein Abschluss einer neuen BU-Police kann mit zunehmendem Alter teuer werden.

Wer unsicher ist, ob die Kündigung sich lohnt oder nicht, kann dies mit einem Online-Rechner prüfen. Der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentrale Hamburg bieten diese an. Für 85 Euro prüft die Verbraucherzentrale zusätzlich einzelne Verträge auf etwaige Fehler und ein mögliches Widerrufsrecht.

Beleihen

War der Todesfallschutz der Grund für den Abschluss der Versicherung, kann es Sinn machen, die Lebensversicherung zu beleihen. Besonders Paare, die einen Kredit für den Hausbau aufgenommen haben, können aufgrund des Darlehens meist nicht auf den Todesfallschutz verzichten. Wenn Anleger einen finanziellen Engpass überbrücken müssen, können sie ein Darlehen mit der Lebensversicherung als Sicherheit aufnehmen. Die Besonderheit an diesem sogenannten Policendarlehen ist, dass der volle Betrag erst zum Ende der Kreditlaufzeit fällig wird. Bis dahin zahlt der Kreditnehmer nur die anfallenden Zinsen. Der Todesfallschutz bleibt währenddessen bestehen.

Beitragsfrei stellen

Wer die Lebensversicherung beitragsfrei stellt, hat quasi eine Kündigung light. Der Versicherte muss dann keine Beiträge mehr zahlen. Hängt aber eine BU mit dran, erlischt diese. Manche Versicherer bieten darum an, die Zusatzversicherung in einen separaten Vertrag zu überführen.

Um die Versicherung bis zum Laufzeitende beitragsfrei zu stellen, fordern viele Versicherer eine Mindestversicherungssumme. Der Kunde muss also bereits einen gewissen Wert eingezahlt haben. Der Versicherungsschutz besteht, ohne weitere Beiträge zu zahlen, fort – die ausgeschüttete Summe wird im Todesfall nur kleiner.

Verkaufen

Eine weitere Option ist der Verkauf der Lebensversicherung. Es gibt in Deutschland mehrere dutzend Unternehmen, die Policen von Versicherten ankaufen. Mit dem Verkauf entfallen wie bei der Kündigung die Überschüsse und der Schlussbonus. Der Hinterbliebenenschutz bleibt aber häufig bestehen. Die Todesfallsumme wird somit auch nach dem Verkauf ausgeschüttet. Ein Teil davon geht allerdings an den Käufer.

Bei der Wahl des Käufers sollten Versicherte vorsichtig sein: „Bei einem Verkauf ist es wichtig, dass der Käufer die volle Summe auf einmal zahlt“, warnt Boss. „Sonst kann es passieren, dass nach der ersten oder zweiten Rate nichts mehr kommt.“ Der gebotene Kaufpreis sollte zudem über dem Rückkaufswert der Versicherung liegen. Diesen finden Versicherte in der jährlichen Zwischenabrechnung.