Investor Helmut Jeggle: vom Strüngmann-Vermögen zum eigenen Family Office

Helmut Jeggle
Helmut Jeggle
© D.Gierke/Salvia GMBH
Helmut Jeggle hat das Vermögen der Milliardäre Thomas und Andreas Strüngmann verwaltet. Doch nun geht er eigene Wege. Was hat er mit seinem Family Office Salvia vor?

Mehr als ein Jahrzehnt hat Helmut Jeggle das Vermögen der Zwillinge Thomas und Andreas Strüngmann verwaltet und geholfen, ihre Beteiligungen in Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Logistik und Produktion zu steuern. Jetzt baut Jeggle sein eigenes Family Office namens Salvia auf – auch auf der Basis von Investitionen, die er parallel zu den 71-jährigen Strüngmanns tätigte. Laut dem Bloomberg Milliardärs-Index verfügen die Zwillinge über rund 27 Mrd. Euro, womit sie zu den reichsten Deutschen gehören.

Salvia hat im vergangenen Jahr in mindestens sechs Unternehmen investiert. Dazu gehören das Hörtechnologieunternehmen Mimi und das Deep-Tech-Unternehmen Zadient. Laut von Bloomberg zusammengetragenen Daten hat Salvia seit 2020 Geld in etwa zehn Unternehmen gesteckt, bei den meisten handelte es sich um Start-ups.

„Ich möchte meinen eigenen Fingerabdruck hinterlassen“, sagt der 51-jährige Absolvent des Stuttgart Institute of Management in einem Interview mit Bloomberg. Jeggle ist Aufsichtsratschef von Biontech und besitzt eine Beteiligung im Wert von etwa 350 Mio. Dollar an dem Unternehmen, das zusammen mit Pfizer einen der gängisten Covid-19-Impfstoffe entwickelt hat.

Er nahm etwa die Hälfte seines Teams von Strüngmanns Family Office Athos mit und steuert weiterhin etwa ein Dutzend Investitionen der Brüder – darunter auch deren Biontech-Beteiligung. Laut Bloomberg-Daten macht sie mehr als die Hälfte ihres Vermögens aus.

Wette auf Biontech

Jeggle will sich mit seiner eigenen Firma auf Direktinvestitionen konzentrieren. Zunächst hat er aber vor, Bereiche zu erkunden, mit denen er weniger vertraut ist – wie etwa Kryptowährungen.

„Wir sind ein sechsköpfiges Team und ich denke, es wird noch mehr kommen, aber das hängt auch davon ab, wie sich die Sache mit dem Family Office entwickelt“, sagt er zu den Verbindungen von Salvia zu Athos. „Es gibt für mich im Moment keinen Grund, 10 oder 50 Leute einzustellen.“

Zusammen mit den Strüngmanns und anderen Geldgebern investierte Jeggle im Jahr 2008 als Teil einer Anfangsfinanzierung 250.000 Euro in Biontech. 2014 nahm er Kredite auf, um seine Beteiligung um 3,2 Mio. Euro zu erhöhen. Die Aktie des in Mainz ansässigen Unternehmens wurde im Oktober 2019 zu 15 Dollar in den USA gelistet - heute kostet sie das Zwölffache davon.

Jeggle verkaufte 2020 einen Teil seiner Biontch-Anteile für 49,2 Mio. Dollar, um Kredite zurückzuzahlen und die Aktivitäten von Salvia zu finanzieren. Zuvor hatte er gemeinsam mit den Strüngmanns die Ganymed Pharmaceuticals AG unterstützt, ein weiteres Unternehmen, das von den Biontech-Gründern Ugur Sahin und Özlem Tureci gegründet und 2016 für 1,28 Mrd. Euro verkauft wurde.

„Biontech ist eine Geschichte, die ich vom ersten Tag an entwickelt habe“, sagt Jeggle und fügt hinzu, dass seine ursprüngliche Investition in das Unternehmen mehr als sein damaliges Jahresgehalt betrug. „Ich möchte diese Geschichte fortsetzen.“

Jeggle begann vor etwa zwei Jahrzehnten, für die Strüngmanns zu arbeiten, als diese noch den Arzneimittelhersteller Hexal besaßen. Die Brüder verkauften Hexal 2005 für 5,7 Mrd. Euro an Novartis. Jeggle half bei der Zusammenführung der Unternehmen, 2007 nahm er seine Tätigkeit bei Athos auf. Aktuell sind die Strüngmanns womöglich wieder unter den Interessenten für Sandoz, in der Hexal nach dem Verkauf an Novartis aufgegangen war.

Sein Verhältnis zu den Strüngmanns ist dabei ungetrübt: „Wir verhalten uns wie früher“, sagt Jeggle. „An meinem letzten Tag ging ich zu ihnen und sagte: ‚Übrigens, das ist mein letzter Tag.’ Sie sagten: ‚Nein, wir verabschieden uns nicht. Es ist eine neue Adresse - sonst nichts.’“

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©2022 Bloomberg L.P.

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