GeldanlageWarum Trump den Goldpreis belastet


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


Es vergeht eigentlich kaum ein Tag ohne eine furchterregende Prognose, was die Amtszeit des neuen amerikanischen Präsidenten wohl alles auslösen wird. Was sich davon bewahrheitet, wird die Welt wohl oder übel abwarten müssen, auch wenn das alles nichts Gutes hoffen lässt. Doch man ist nach der vergangenen Woche versucht zu sagen: An den Untergang des Abendlandes oder zumindest den Zerfall der westlichen Welt glaubt zumindest der Kapitalmarkt nicht. Denn sonst würden die Leute panisch Gold kaufen. Sie tun aber derzeit genau das Gegenteil – genauso panisch.

Dass Donald Trump einen ziemlich direkten Einfluss auf den Goldkurs hat, lässt sich dagegen leicht belegen, wenn man sich den jüngsten Kurschart anschaut: Interessanterweise nämlich begann der Edelmetallkurs genau an dem Tag zu sinken, an dem das Ergebnis der Präsidentenwahl feststand. Nun mag man sagen: Das sind alles nur Koinzidenzen und keine Kausalitäten, also nur Zufälle und keine ursächlichen Zusammenhänge.

Dagegen aber spricht dieses: Seit Trumps Wahl freundet sich die Welt mit dem Szenario an, dass der Präsident in spe bald mit enormen Summen die amerikanische Konjunktur ankurbeln will. Das bedeutet eine florierende Wirtschaft, die aber ist schlecht fürs Gold. Es bedeutet wohl auch steigende Zinsen irgendwann, die sind ebenfalls schlecht fürs Gold. Denn wenn die Unternehmen brummen und das Papiergeld endlich wieder Rendite abwirft – nach so vielen Jahren des Nullzinses – warum sollten die Leute dann noch Gold horten, das sie doch allenfalls Geld kostet? Zumindest wenn sie es in physischer Form aufbewahren ist das so. Und so machen es sehr viele, wenn sie schon Gold kaufen, der ultimativsten aller Krisenwährungen.

„Ich habe in der Wahlnacht all mein Gold verkauft“

Glaubt die Welt an den kollektiven Untergang, wie zu Zeiten der Finanzkrise oder in den schlimmen Wirren der Eurokrise, dann greifen die Börsianer zum Gold. Als Rückversicherung, als Wert zum Anfassen, falls die Währungen bröseln und sich die Kurse an den Aktienmärkten in Luft auflösen. Zumindest war es bisher immer so. Was aber machen sie jetzt? Sie werfen ihre Goldvorräte massenweise auf den Markt. So ließ sich der Ex-Chefstratege der Investmentlegende George Soros (der übrigens sehr lange ein Goldfan war), mit dem Satz zitieren: „Ich habe in der Wahlnacht all mein Gold verkauft.“ Und dabei ging es immerhin um eine dreistellige Millionensumme. Als absehbar gewesen sei, wer Amerikas nächster Präsident würde, habe er seine Barren versilbert und lieber auf Unternehmensbeteiligungen gesetzt, auf Facebook zum Beispiel. Der Chefstratege war übrigens auch Soros´ Kompagnon bei der Wette gegen das britische Pfund, mit dem der Anlageguru seinen Ruf als legendärer Investor begründete. Soros selbst hatte sich bereits im August vom Gold getrennt. Gut, da ließ sich der Trump-Sieg noch nicht absehen, allerdings einige andere Dinge. Die Rückkehr der Zinsen etwa.

Die weitere Anhebung der Leitzinsen war im Spätsommer bereits im Gespräch. Mit den jüngsten Aussagen der amerikanischen Notenbank hat sich in den vergangenen Tagen der Verdacht nun endgültig erhärtet: Im Dezember werden voraussichtlich wirklich die Leitzinsen steigen. Alles andere wäre eine herbe Marktenttäuschung, das weiß Notenbankchefin Janet Yellen. Und vielleicht möchte sie es sich ja nicht nehmen lassen, dem künftigen Präsidenten zu zeigen, wer die Zinsen im Land tatsächlich bewegt. Schließlich hat Trump schon mehrfach gesagt, dass er die Geldpolitik der Zentralbank für verfehlt hält und mit der Ablösung Yellens gedroht.

Charttechnik spricht für sinkenden Goldpreis

Steigende Zinsen sind nun – bei bisher ausbleibender Inflation – unzweifelhaft ein schlechtes Signal fürs Gold. Das hat ohnehin schon harte Zeiten hinter sich, denn seit seinem Hoch im September 2011 zum Höhepunkt der Eurokrise hat es bereits 35 Prozent an Wert verloren. Von Januar bis Juli dieses Jahres strebte es zwar noch einmal steil nach oben, auf 1360 Dollar, aber mehr als ein Aufbäumen war das wohl nicht. Danach ging´s erst moderat bergab und seit der ersten Novemberwoche sehr kräftig. Tagelang beobachteten die Analysten bang, ob der Kurs unter die 1200-Dollar-Marke rutschen würde, die als wichtige Unterstützung gilt. Das ist jetzt passiert. Bei rund 1190 Dollar notierte die Unze Edelmetall zuletzt. Und das wird noch nicht das Ende sein.

Dass der Preisverfall gerade erst richtig losgeht sagen zumindest die Charttechniker: Denn die 50-Tage-Linie hat die langfristige 200-Tage-Linie nach unten durchschnitten. Im Fachjargon heißt das „Todeskreuz“, weil es in der Regel bedeutet, dass der Kurs danach anhaltend weiter abwärts rauscht. Wie lange kann niemand sagen, es können ein paar Monate sein (statistisch gesehen meist sieben oder acht). Es kann aber auch anderthalb Jahre anhalten, so war es zuletzt von Herbst 2014 bis Frühjahr 2016. Der Wertverlust des teuren Metalls hat also gerade erst begonnen.

Könnte sein, dass er sich sehr rasch fortsetzt, wenn jetzt auch noch wahr wird, was einige Marktbeobachter munkeln: Dass Indien nämlich den Goldimport stoppen wird. Der Subkontinent ist einer der größten Goldimporteure überhaupt und nimmt ungefähr ein Viertel der Jahresproduktion ab. Denn Indiens Schmuckhersteller gieren nach dem Edelmetall, weil das Verschenken von Ketten, Armreifen und Geschmeide noch immer bei jeder Hochzeit zur Aussteuer der Braut dazu gehört. Der Goldminenverband World Gold Council schätzt, dass die Goldnachfrage aus Indien bereits in diesem Jahr so klein ausfallen wird, wie seit sieben Jahren nicht mehr. Kommt das Importverbot wirklich, verliert der Goldmarkt noch mehr an Glanz. Manche Analysten sagen schon: Selbst bei 1000 Dollar sei noch nicht das Ende der Abwärtsbewegung erreicht.

Was ist der wahre Wert des Goldes?

Nun gibt es auch diejenigen, die sagen: Das Edelmetall sei bereits 30 Prozent überverkauft, der Kurssturz sei also übertrieben. Dagegen argumentieren aber Goldexperten: Es lasse überhaupt nicht mehr bestimmen, was der wahre Wert des Goldes sei. Das Metall war zuletzt eine der wankelmütigsten Anlageklassen überhaupt, deren Kurs sich auf einem engen Markt mit wenigen mächtigen Profiinvestoren derart von den Fundamentaldaten abkoppelte, dass selbst spezialisierte Ökonomen passen müssen. Welcher Preis dem Gold eigentlich realistisch entspricht und wie viel von den Börsennotierungen nur noch gigantische Übertreibung sind, könne niemand sagen, stellen selbst spezialisierte Finanzprofessoren fest. Soros brachte es schon vor einer Weile so auf den Punkt: Der Goldmarkt erlebe gerade die ultimative Spekulationsblase. „Exzessive Spekulation“ nennt selbst das World Gold Coucil das, was am Markt passiert.

Woher also sollen Anleger sicher sein, dass es schon bald oder gar langfristig wieder bergauf gehen wird mit dem Kurs? Oder dass sein Absturz nicht besonders tief ausfallen wird? Die wahre Antwort darauf ist: Das kann natürlich niemand. Es ist allein der Glaube, der momentan die Goldbesitzer bei der Stange hält. Doch es gibt einen Trost, wenn das Bild vom wertbeständigen Gold nun dicke Kratzer bekommt: Auf Wertsteigerungen kann man derzeit viel eher bei anderen Anlageklassen wie Aktien hoffen, oder bei anderen Rohstoffe. Die Industriemetalle etwa erleben angesichts der Hoffnung auf mehr Wirtschaftswachstum große Kursaufschwünge, Kupfer und Aluminium etwa. Es muss ja nicht immer alles Gold sein, was glänzt.

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