GeldanlageTrump rüttelt Rohstoffmärkte durch

Nach Donald Trumps Wahlsieg ist die Apokalypse an den Aktienmärkten ausgefallen. Viele Aktienindizes in Industriestaaten sind nicht abgestürzt, sondern in die Höhe geschnellt. An den Rentenmärkten lief es genau andersherum: Dort sorgte die Angst vor einer explodierenden US-Staatsverschuldung nach Trumps Wahlsieg für Panikverkäufe und fallende Kurse. Auch bei Rohstoffen hat sich der Trump-Faktor bemerkbar gemacht – allerdings nicht so eindeutig wie an den Aktien- und Rentenmärkten. Rohstoffe reagierten unterschiedlich auf die Wahl. „Trumps unerwarteter Sieg hat die Rohstoffmärkte in eine unsichere Zukunft geschickt“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank.

Die größte Überraschung gab es beim Gold. Analysten waren davon ausgegangen, dass ein Wahlsieg Trumps die Investoren verunsichern und in sichere Häfen würde flüchten lassen. Davon hätte das Edelmetall profitiert. Anleger zeigten sich aber wider Erwarten nicht verunsichert, sondern risikofreudig. Seit der US-Wahl hat der Goldpreis um acht Prozent nachgegeben. Derzeit liegt er bei rund 1200 US-Dollar je Feinunze. Die Bewegung fiel wohl auch deshalb so heftig aus, weil viele Spekulanten im Vorfeld der Wahl auf einen steigenden Goldpreis gesetzt hatten. Als sich abzeichnete, dass es anders kommen würde, lösten sie ihre Positionen auf.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart
Kursanbieter: FXCM

In der nächsten Zeit dürfte der Goldpreis unter Druck bleiben, sagen Rohstoffanalysten. Schuld daran ist nicht nur die überraschend gute Stimmung unter Investoren, sondern auch die Entwicklung des Dollarkurses. Der Greenback hat seit der US-Wahl gegenüber anderen Währungen aufgewertet. Das gilt als schlechtes Zeichen für den Goldpreis. Steigt der US-Dollar, hat der Preis des Edelmetalls in der Vergangenheit oft nachgegeben.

Langfristig bessere Chancen für Gold

Auf längere Sicht könnte es wieder aufwärts gehen fürs Gold. Der Grund: Trump setzt auf eine expansivere Fiskalpolitik und hat ein massives Konjunkturprogramm angekündigt. In der Folge sind die Inflationserwartungen in den USA sprunghaft gestiegen. Sollten sich die Erwartungen der Anleger bestätigen und die Inflationsraten tatsächlich steigen, könnte der Goldpreis ebenfalls klettern, sagt Martin Siegel, Rohstoffexperte der Investmentboutique Stabilitas. Andere Marktbeobachter sehen das ähnlich. Die Anleger seien zu optimistisch, warnen sie. „Langfristig dürfte die Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen steigende finanzielle Risiken hoch bleiben“, sagt Joe Foster, Portfoliomanager beim Fondsanbieter Van Eck.

Auch andere Rohstoffe könnten von Trumps geplantem Konjunkturprogramm und einer steigenden Inflation profitieren, etwa Industriemetalle wie Kupfer. „Viele Rohstoffe sollten in einem inflationären Umfeld gut laufen“, sagt Jim Cielinski, Anleihenexperte beim Fondsanbieter Columbia Threadneedle. „Wir rechnen mit steigenden Preisen und einer höheren Nachfrage.“

Trump-Rhetorik = Trump-Politik?

Auch für den Ölpreis, der sich von seinem Absturz Ende 2014 noch immer nicht erholt hat, zeigen sich Marktbeobachter vorsichtig optimistisch. Trump ist nicht gerade als Freund erneuerbarer Energien bekannt, im Wahlkampf erklärte er den Klimawandel zur Erfindung der Chinesen. Seine Energiepolitik dürfte Ölkonzernen entgegenkommen. Mit großen Preissprüngen rechnen Analysten trotzdem nicht. Dazu ist der Ölpreis derzeit von zu vielen Seiten unter Druck.

Die größte Schwierigkeit all solcher Prognosen: Noch ist unklar, welche Linie der Republikaner als Präsident fahren wird. „Wir haben relativ heftige Bewegungen an den Märkten gesehen, ohne zu wissen, ob die Trump-Rhetorik der Trump-Politik gleichkommt, und ob die Trump-Politik von einem republikanischen Kongress unterstützt wird“, sagt Richard Hodges, Fondsmanager bei Nomura Asset Management. Was derzeit an den Rohstoffmärkten passiert, basiert also allein auf Spekulation.