GeldanlageGeschlossene Fonds - Spitze bei Verlusten

Kreuzchen auf einem Lottoschein
Wer in geschlossene Fonds investiert, kann auch Lotto spielen
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Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Wenn man sich die reinen Zahlen ansieht, könnte man meinen: Es gibt nur eines, was noch unsinniger ist, als einen geschlossenen Fonds zu kaufen – nämlich Lottospielen. Beim Lotto liegen die Chancen, den Hauptgewinn einzukassieren bei ein paar Millionen zu eins. Beim Kauf eines geschlossenen Fonds hat man eine Chance von 94 zu sechs. Das heißt: Nur in sechs Fällen von hundert bekommt man einen wirklich guten Fonds. Mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit dagegen wird mit einer solchen Beteiligung Geld vernichtet, und zwar meistens richtig viel. Das sollte man mal auf die Prospekte drucken. Mal sehen, wie viele Anleger sich dann noch für ein solches Finanzprodukt entscheiden würden.

Die Zahlen stammen aus einer Auswertung der Stiftung Warentest, die 1139 geschlossene Fonds einbezogen hat, die es seit 1972 am hiesigen Markt gibt. Denn bisher steckten deutsche Sparer Milliardenbeträge in solche Papiere. Insgesamt verwalten die Anbieter Fonds mit einem Bestandsvolumen von rund 200 Mrd. Euro. Und allein Kleinsparer beteiligten sich mit fast 10 Mrd. Euro an diesen unternehmerischen Beteiligungen. Anlegers Liebling sind – mit weitem Abstand – immer noch Immobilien. In geschlossenen Immobilienfonds sind 84 Prozent des Vermögens gebunden. Auf den übrigen Plätzen folgen die Schiffsbeteiligungen, Flugzeuge und Erneuerbare-Energie-Fonds.

Seit 2013 hat sich der Markt grundlegend geändert, weil der Gesetzgeber die Regeln deutlich verschärft hat. Denn in der Vergangenheit fielen geschlossene Fonds vor allem durch Pleiten auf. Sie vernichteten viele Milliarden Euro, weil der Markt völlig unkontrolliert von den Aufsichtsbehörden vor sich hin wucherte  und gerade Kleinsparer nur allzu leichtgläubig ihr Geld für solche Projekte hergaben. Die Regulierung von 2013 hat die Zahl der Anbieter erheblich gestutzt auf inzwischen 205 Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Renditeversprechen werden nicht eingehalten

Das ändert aber nichts daran, dass die bisherigen Produkte nach altem Recht noch bis zu ihrem Laufzeitenende weiterlaufen und sich bei vielen erst in den kommenden Jahren zeigen wird, ob sie nun Gewinne oder Verluste für die Anleger abwerfen. Denn geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen, mit denen sich Anleger für zehn oder sogar zwanzig Jahre und länger an den Initiator binden. Vorzeitig abstoßen können sie ihre Anteile in aller Regel nicht. Also bleibt nur zu hoffen, dass der Initiator jene Renditeversprechen einhält, die er im Verkaufsprospekt geschildert hat.

Doch in den allermeisten Fällen tut er das nicht, wie auch die Auswertung der Stiftung Warentest zeigt. Zwar behaupten Fondsinitiatoren und Branchenpublikationen immer wieder, geschlossene Fonds seien die „Königsklasse der Anlagen“ und brächten „langfristig soliden Wertzuwachs“. Viele Fondsanbieter warben in der Vergangenheit sogar mit zweistelligen Jahresrenditen und versprachen Gesamtausschüttungen weit jenseits der 100 Prozent. Aber erzählen kann man Anlegern bekanntlich viel, wenn der Prospekt lang ist. Die entscheidende Frage ist: Wie viel brachten die Fonds bis zum Ende ihrer Laufzeit tatsächlich ein? Die Antwort darauf fällt mau aus.

Die Stiftung Warentest sagt: Knapp 70 Prozent der Fonds brachten den Anlegern Verluste. Lediglich 25 Prozent verzeichneten am Ende ihrer Laufzeit zwar einen Gewinn, aber einen erheblich kleineren als den zuvor in Prospekten und Hochrechnungen avisierten. Lediglich sechs Prozent konnten die Rendite einfahren, mit der sie auch geworben hatten. Zusammengenommen schrieben die 666 Fonds, die bereits das Ende ihrer Laufzeit erreicht hatten, 4,3 Mrd. Euro Verluste statt der 15,4 Mrd. Euro Gewinn, die sie versprochen hatten. Dabei rissen Immobilienfonds und Umweltfonds die Gesamtstatistik noch am ehesten nach oben. Für Medien- und Schifffonds fiel die Bilanz sehr viel magerer aus: Für 81 Prozent der Schifffonds und 96 Prozent der Medienfonds diagnostiziert die Auswertung „einen vollständigen oder zumindest teilweisen Verlust des eingesetzten Kapitals.“