Interview"Zwei ETFs sind nur der Anfang"

Capital: Fidelity ist als aktive Investmentgesellschaft etabliert. Mit zwei Smart-Beta-ETFs sind Sie jetzt auch ins Geschäft mit passiven Produkten eingestiegen. Warum?

Nick King: Wir konzentrieren uns auf Smart-Beta-Produkte, weil wir denken, dass wir in diesem Bereich durch unsere aktive Asset-Manager-Expertise einen Mehrwert generieren können. Die zugrundeliegenden Indizes unserer Produkte sind nicht von der Stange, sondern eigens von uns entwickelt. Damit unterscheiden wir uns von anderen Anbietern. Unsere neuen Produkte ermöglichen einen Zugang zu Qualitätsaktien, die eine attraktive Dividende zahlen. Viele einkommensorientierte Indizes haben Sektor-Allokationen, die sich stark vom breiten Markt wie beispielsweise dem MSCI unterscheiden. Wir bieten Produkte an, die keinen ungewollten Sektor-Bias haben.

Smart-Beta-ETFs sollen mit Hilfe spezieller Indizes den breiten Markt übertreffen oder ihn mit geringerem Risiko nachbilden. Warum sind Sie nicht mit etwas Einfacherem gestartet?

Auf dem ETF-Markt herrscht ein harter Wettbewerb. Wir sind zu dem Schluss gelangt, dass wir uns mit Smart-Beta-Produkten am ehesten von der Masse abheben können. Darüber hinaus ist Smart Beta eines der am stärksten wachsenden Marktsegmente.

Müssen Fondsgesellschaften mittlerweile zwangsläufig passive Produkte anbieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wir setzen weiterhin in erster Linie auf aktives Management. Unsere Smart-Beta-Produkte kombinieren deshalb Elemente aktiven und passiven Investierens. Wir können aber die Wünsche unserer Kunden nicht ignorieren. Es gibt eine starke Nachfrage nach passiven Produkten, und die wollen wir befriedigen.

Keine schlichten Dax-ETFs geplant

Kritiker sagen, dass sich Fondshäuser, die sowohl aktive als auch passive Produkte anbieten, selbst das Wasser abgraben. Sehen Sie diese Gefahr?

Nein. Im Gegenteil: Indem wir Produkte entwickeln, die aktive und passive Elemente kombinieren, können wir unsere Stärken voll ausspielen und Kunden neue Anlagelösungen bieten. Ich denke keineswegs, dass wir uns selbst kannibalisieren.

Planen Sie noch mehr ETFs?

Ja. Die zwei neuen Produkte sind nur der Anfang. Ende des Jahres planen wir acht bis zehn Indexfonds auf dem Markt zu haben. Sie sollen allesamt sehr spezielle Anlegerwünsche bedienen. Wir denken da zum Beispiel an Multi-Faktor-Produkte. Diese ETFs bieten eine gute Alternative zu kapitalmarktgewichteten Indizes.

Der hundertste Dax-ETF wird also nicht von Ihnen kommen?

Derzeit planen wir keine so schlichten Indexfonds. Dieser Bereich ist bereits gut bedient. Je nachdem, wie sich der Markt entwickelt, könnten wir es uns aber in Zukunft anders überlegen.

Welche Anleger wollen Sie mit Ihren Smart-Beta-Produkten ansprechen?

Unsere ETFs sind sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatanleger erhältlich, und wir rechnen auch mit Nachfrage aus beiden Gruppen. Einige Privatanleger haben bereits investiert.

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