KolumneEuropa in der Corona-Depression

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die staatlichen Stillstandsanordnungen haben zu einer ökonomischen Depression geführt. Kennzeichen der Depression sind unter anderem hohe Arbeitslosigkeit, starker Wirtschaftseinbruch, wegbrechende Unternehmensgewinne, sinkende Kapazitätsauslastung, schwindende Steuereinnahmen, Versorgungsengpässe, steigende Verschuldung und staatliche Krisenprogramme. Alle Hoffnungen beziehen sich mittlerweile auf eine kurze Dauer der Depression. Traumszenario ist dabei ein V-förmiger Krisenverlauf, bei welchem sich die Wirtschaft rasch von dem staatlich angeordneten Einbruch erholen kann.

Man merkt den Regierenden an, dass sie sich ein solches Schadensaumaß ihrer Anordnungen nicht haben vorstellen können. Um den angerichteten gewaltigen Schaden zu begrenzen, werden nunmehr Wirtschaftsöffnungsmaßnahmen ins Werk gesetzt, obwohl sie dem gewählten Primat des Gesundheitsschutzes eigentlich widersprechen. Augenscheinlich ist den Verantwortlichen klar geworden, dass der wirtschaftliche Schaden sehr wohl zu dem gesundheitlichen Schaden ins Verhältnis gesetzt werden muss. Das anfängliche Schwarz-Weiß-Denken bedachte viel zu wenig die Kurz- und vor allem Langfristauswirkungen der Depression.

Europa leidet am meisten

Auch die Europäische Union mag einen Kollateralschaden durch die Corona-Depression erleiden. Die hehren Klimaschutz- und Digitalpläne mögen ein gleiches Schicksal erleiden, wie etwa die seinerzeitige Vision des Manuel Barroso, der Europa zum wettbewerbsfähigsten Kontinent bis 2020 machen wollte. Heute sieht es vielmehr danach aus, als ob Europa wie schon in der großen Finanzkrise von allen Kontinenten am meisten unter der Corona-Krise leiden wird.

Weil zusätzlich der Netto-Einzahler Großbritannien die EU verlassen hat, stehen die Zeichen auf ‚Gürtel enger schnallen‘, obwohl Brüssel von höheren Einnahmen träumt. Auch die unlimitierte Gelddruckerei durch die Europäische Zentralbank wird daran wenig ändern können. Und von den Finanzmärkten kommt die einhellige Aussage, dass Amerika weit im Vorteil gegenüber Europa ist, wenn es darum geht, Kapital aus aller Welt anzuziehen. Um dies bestätigt zu sehen, genügt ein Blick auf den Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar.

Zu allem Überfluss trifft der demographische Wandel Europa besonders hart. Die Kombination aus Überalterung und Kinderlosigkeit ist in der alten Welt besonders ausgeprägt. Zuwanderung von qualifizierten Menschen aus anderen Kontinenten findet jedoch kaum statt und die Hochqualifizierten bevorzugen trotz Donald Trumps Fremdenfeindlichkeit die USA als Destination.

Weniger Überregulierung

Übrigens wollen wir uns nicht täuschen: die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes wird mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit von einem US-Pharmaunternehmen kommen. Wie man in Deutschland mit Unternehmen umgesprungen ist, die gentechnisch forschen wollten, wissen wir beispielsweise aus dem Umgang mit der Amflora-Kartoffel von BASF. Anschließend wanderte die Forschung aus Ludwigshafen in die USA ab.

Auch bei Virusimpfstoffen hat sich die weit verbreitete Überregulierung als Bremse und Wohlstandskiller erwiesen. Interessant zu sehen ist nun, wie die Gesundheitsbehörden im Lichte der Krise auf einmal mehr Flexibilität zeigen. Die Corona-Krise hätte eine gute Seite, wenn sie dazu führte, dass in dem Dickicht der Überregulierung Rückschnitte erfolgten.

Aber auch das Gegenteil ist möglich: Wer will ausschließen, dass die Corona-Depression tief verwurzelte sozialistische Träumereien in manchen Ländern Europas neu entfacht. Vergessen wir nicht, dass bis vor kurzem auch in Deutschland eine theoretische rot-rot-grüne Mehrheit bestand. Der relative Abstieg Europas gegenüber den Vereinigten Staaten in den letzten hundert Jahren und gegenüber China in den letzten 20 Jahren wird sich durch sozialistische Instrumente wie Mietpreisdeckel, Geschlechterquoten, Transaktionssteuern auf Aktien und Respektrenten tendenziell beschleunigen. Nachgerade steht zu befürchten, dass zunehmende Staatsorientierung zu einem dauerhaften Wohlstandsrückgang führen wird.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns