Kryptowährungen Ethereum rennt Bitcoin hinterher

Symbolbild Kryptowährung
Symbolbild Kryptowährung
© IMAGO / AFLO
Der Wahnsinn im Kryptosektor kennt keine Grenzen. Bitcoin hat sich seit seinem Tief 2020 fast verzehnfacht. Jetzt schauen viele auf Ethereum

In den vergangenen Monaten und Jahren wurde den Kryptowährungen mehrfach ein baldiges Ende prophezeit. Doch der Abgesang erwies sich bisher immer als falsch. Im Gegenteil: Getreu dem Motto „Totgesagte leben länger“ legte der Bitcoin zuletzt eine rasante Rally hin, verbesserte mehrfach seine Rekordmarke und hat auf Jahressicht mehr als 300 Prozent zugelegt. Eine wachsende Zahl von institutionellen Investoren baut erste Positionen auf, wie ein Blick auf die Entwicklung von Konten mit mindestens 1000 Bitcoins zeigt. Besonders die Ankündigung von Paypal, künftig auch Kryptowährungen zu unterstützen, sorgte zuletzt für frischen Schwung.


Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Dollar) Kryptowährung


BTC/USD (Bitcoin / US-Dollar) Kryptowährung Chart
Kursanbieter: Bitstamp

Bisher beschränkt sich die Party bei den Digitalmünzen aber stark auf den Bitcoin, dessen Marktanteil am gesamten Krypto-Universum zuletzt auf 70 Prozent stieg. Hier zeigen sich Parallelen zum Aktienmarkt: Während an der Wall Street im vergangenen Jahr vor allem die Tech-Schwergewichte profitierten, fließt auch bei den Kryptos derzeit viel Risikokapital in die mit Abstand größte Münze. Richtig ist aber auch, dass die Aktien aus der zweiten Reihe meist eine bessere Rendite bieten, wenn das Umfeld passt. Der MDax entwickelt sich seit Jahren besser als der Dax, auch die US-Nebenwerte legten zuletzt kräftiger zu als die Blue Chips. Lohnt es sich also, bei den Altcoins einzusteigen?

Die Renditeaussichten sind natürlich verlockend. Doch mehr Performance bedeutet auch mehr Risiko. Tagesschwankungen beim Bitcoin im prozentual zweistelligen Bereich sind keine Seltenheit, nach der Rally wären Rückschläge von 20 oder 30 Prozent keine Überraschung. Dies gilt noch mehr bei den kleineren Altcoins. Ein trauriges Beispiel lieferte zuletzt XRP. Die lange Zeit zweit- und drittgrößte Münze sackte in den vergangenen 30 Tagen um mehr als 60 Prozent ab, nachdem Vorwürfe der US-Börsenaufsicht SEC gegen Ripple aufkamen.

Ethereum performt besser als Bitcoin

Etwas anders sieht die Lage bei Ethereum aus. Mit dem Sprung von knapp 50 Prozent auf Wochensicht kletterte die Marktkapitalisierung wieder über die Schwelle von 100 Mrd. Dollar. Der Kurs nähert sich wieder allmählich dem vor rund drei Jahren erreichten Bestwert bei 1400 Dollar an.


ETH/USD (Ether, Ethereum / Dollar) Kryptowährung


ETH/USD (Ether, Ethereum / Dollar) Kryptowährung Chart
Kursanbieter: Bitstamp

Wichtig zu wissen: Anders als beispielsweise beim Bitcoin handelt es sich bei Ethereum nicht um eine reine Kryptowährung, sondern um eine digitale Plattform. Passender wäre eher der Vergleich mit einem Industriemetall der Kryptomärkte. Denn auf der Ethereum-Blockchain können Entwickler eigene Programme erstellen, sogenannte „Distributes Apps“ oder auch Dapps genannt. Besonders die seit Monaten boomenden dezentralisierte Finanzanwendungen (DeFi) sorgen hier für viel Fantasie. Anders als bisher werden Mittelsmänner bei Finanzanwendungen wie Versicherungen, Wetten oder Krediten überflüssig. Transaktionen werden automatisch ausgeführt, sobald die festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Ein Beispiel wäre, wenn ein Freund 100 Euro erhält, sofern der Dax am letzten Handelstag im Januar über 14.500 Punkten notiert und gleichzeitig die Temperaturen in München laut wetter.com unter 0 Grad liegen. Solche, auch wesentlich komplexeren Anwendungen, können in Smart Contracts festgehalten werden.

Inzwischen ist Ethereum zum größten Blockchain-Netzwerk aufgestiegen und legte mit dem im Dezember erfolgten Übergang auf Ethereum 2.0 die Basis für weiteres Wachstum. Der Vorteil: Während zuvor die Transaktionskapazität des Netzwerks auf rund 15 Transaktionen pro Sekunde begrenzt war, sind bald mehrere Tausend pro Sekunde möglich. Ethereum entwickelte sich daher in den vergangenen Wochen und Monaten auch deutlich besser als Bitcoin. Positiv aufgenommen wurde auch die kürzlich erfolgte Entscheidung der CME, zum 8. Februar einen Ethereum-Future einzuführen.

Keine Einstiegskurse momentan

Wer hier mitzocken möchte, sollte sich aber immer die Frage stellen, was in den Preisen bereits enthalten ist. Sowohl das Potenzial der Ethereum-Plattform wie auch die Umstellung auf Ethereum 2.0 sind längst bekannt. Und auch die Einführung des Futures birgt Risiken: Als Mitte Dezember 2017 der erste Bitcoin-Future lanciert wurde, markierte der Bitcoin auch nahezu seine Bestmarke und eine lange Abwärtsphase setzte ein. Dies muss jetzt nicht zwingend auch bei Ethereum der Fall sein. Allerdings ist der Kurs zuletzt sehr stark gestiegen, die Fahnenstange erinnert an die Ausgangslage vor drei Jahren. Wenn überhaupt bieten sich Rückschläge auf 800 oder 700 Dollar zum Einstieg an.

Bleibt final die Frage, wo man Ethereum überhaupt handeln kann. In Deutschland bietet im Zertifikatebereich der Emittent Vontobel immer wieder Produkte an. Bei den Brokern war Etoro als erster im Kryptosektor dabei und hat seither die Palette deutlich ausgebaut. Wichtig ist dabei auch stets die kontinuierliche Handelbarkeit und das Vermeiden von Handelsausfällen, was bei beiden Häusern positiv beschieden werden kann. Wer mit Hebel bei Ethereum, aber auch Bitcoin agiert, der sollte immer bedenken, dass der Hebel in beide Richtungen wirkt und vorher überlegen, welche Verluste man etwaig tragen will. Denn die Volatilität dürfte hoch bleiben.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


Mehr zum Thema



Neueste Artikel