UmfrageDie meisten Deutschen wollen finanziell nicht kürzertreten

Nur 45 Prozent der Deutschen wollen ihre künftigen Ausgaben einer Umfrage zufolge kürzen
Nur 45 Prozent der Deutschen wollen ihre künftigen Ausgaben einer Umfrage zufolge kürzenIMAGO / Westend61

Geschlossene Geschäfte, Kurzarbeit und Unsicherheit über die eigene berufliche Zukunft – in der Pandemie gab es für Verbraucher viele Gründe ihr Konsumverhalten oder ihre finanzielle Situation zu überdenken. Je nach Land gibt es dabei allerdings deutliche Unterschiede, wie ein Ländervergleich des Meinungsforschungsunternehmens Yougov zeigt. Während in Spanien, Polen und Italien etwa die Hälfte der Befragten im vergangenen halben Jahr die Ausgaben für nicht notwendige Produkte und Dienstleistungen reduziert hat, sind es in Deutschland gerade einmal 28 Prozent. Deutschland wird dabei nur von Dänemark übertroffen. Hier hat nur jeder Fünfte im vergangenen halben Jahr seine Ausgaben eingeschränkt.

Auch der Blick in die Zukunft ist in Deutschland deutlich entspannter als in den anderen Ländern der Studie: Rund 45 Prozent der Befragten gaben an, künftig nicht notwendige Ausgaben zu kürzen. Ähnlich sieht es in Dänemark aus, wo 46 Prozent der Befragten weniger Geld ausgeben wollen. Für die Mehrheit der europäischen Länder in der Untersuchung gilt allerdings: Mindestens sechs von zehn Befragten wollen die eigenen Ausgaben künftig stärker zurückfahren. In Spanien gaben 86 Prozent der Umfrageteilnehmer an, ihren Konsum einzuschränken.

Knapp jeder fünfte Deutsche hat Geld gespart

Wenn es darum geht, die eigenen Ersparnisse in der Krise aufzustocken, halten sich die Deutschen im internationalen Vergleich ebenfalls zurück. Knapp jeder Fünfte gibt in der Befragung an, während der Pandemie mehr Geld gespart zu haben. 14 Prozent sagten, sie hätten die eigenen Ersparnisse während der Krise angezapft. Aber nur sechs Prozent haben sich in der Krise Geld geliehen.

In den anderen europäischen Ländern der Untersuchung macht sich die Pandemie bei den Ersparnissen deutlicher bemerkbar. Während in Spanien fast jeder Dritte auf Ersparnisse zurückgegriffen hat, ist es in Polen mehr als jeder Fünfte. Beim Sparen hat Frankreich die Nase vorn, mehr als jeder Dritte hat hier während der vergangenen sechs Monate Geld zurückgelegt.

Bargeld-Liebhaber in der Überzahl

Für die aktuelle Studie „On the money: YouGov’s Global Banking & Finance Report 2021“ hat Yougov mehr als 18.500 Personen aus 17 Ländern nach ihren Einstellungen und ihrem Verhalten zu finanziellen Ausgaben und Banking befragt. Neben dem allgemeinen Konsumverhalten in der Pandemie betrachtet die Studie auch, wie die Befragten Bezahlmöglichkeiten und Finanzdienste nutzen.

Die Erwartung, dass die Coronapandemie ein entscheidender Wegbereiter für bargeldlose Bezahlmöglichkeiten ist, lässt sich den Autoren zufolge nicht für alle Länder bestätigen. Allen voran die Deutschen halten dem Bargeld die Treue. 46 Prozent der Befragten bevorzugen Münzen und Scheine. Nur in Mexiko erfreut sich Bargeld mit 52 Prozent noch größerer Beliebtheit. In Dänemark bevorzugt es dagegen gerade mal etwas mehr als jeder Zehnte.

Die Neigung zum Bargeld lässt sich auch auf das Alter der Befragten zurückführen: Ein Drittel der deutschen Bargeld-Liebhaber ist über 60 Jahre alt, ein Viertel ist zwischen 50 und 59 Jahre alt. Nur zwölf Prozent sind zwischen 18 und 29 Jahren alt. Viele Bargeldfans stehen auch dem Online-Banking deutlich skeptischer gegenüber: Unter den Bargeld-Liebhabern sagen 40 Prozent, dass sie ihr Smartphone nicht zum Online-Banking benutzen. Die Hälfte begründet diese Zurückhaltung mit Sicherheitsbedenken.

Im europäischen Vergleich sticht Deutschland mit seiner konservativen Einstellung heraus. In Frankreich und Großbritannien geben beispielsweise sieben von zehn Befragten an, dass sie so oft wie möglich kontaktlos bezahlen. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass die europäischen Länder in unserer Studie das kontaktlose Bezahlen weitgehend als Tatsache akzeptiert haben – mit Ausnahme von Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Kontinents, in der das Bargeld weiterhin die Oberhand hat“, bilanzieren die Autoren.