Börsenabsturz Die Kriegsgefahr lässt die Aktienmärkte einbrechen

Die Kurse an den Börsen wie hier in Tokio sind eingebrochen
Die Kurse an den Börsen wie hier in Tokio sind eingebrochen
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Die Angst vor einem Krieg in der Ukraine hat am Montag die Börse erschüttert: Die Aktienkurse stürzten weltweit ab. Dagegen schnellte der Gaspreis nach oben

Die Kurse an den Aktienmärkten sind am Montag eingebrochen. Die geopolitischen Risiken im Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine schlugen auf die globalen Märkte durch. Der europäische Stoxx-600-Index sank auf ein Drei-Wochen-Tief, während die asiatischen Börsen und die US-Futures nachgaben. Auch der Dax brach ein. Alle europäischen Sektoren lagen im Minus, wobei  Tourismus- und Banken-Aktien am meisten verloren. Auch Papiere von Unternehmen, die in Russland und Osteuropa engagiert sind, standen unter Druck. US-Fluggesellschaften rutschten im vorbörslichen Handel ab und folgten damit den europäischen Werten, die ebenfalls nachgaben.

Die europäischen Erdgas- und Strompreise stiegen sprunghaft an, während die Ölpreise schwankten. Die Renditen US-amerikanischer und europäischer Anleihen fielen und der Dollar legte zu.

Die Spannungen über Russlands militärische Aufrüstung in der Nähe der Ukraine gehen in eine möglicherweise entscheidende Woche. Die USA warnen vor einer bevorstehenden Invasion und Russlands Präsident Wladimir Putin wirft den USA vor, seine Forderungen nicht zu erfüllen. Moskau hat mehrfach dementiert, dass es eine Invasion in sein Nachbarland plant. Die diplomatischen Bemühungen um eine Lösung der Krise gehen Anfang dieser Woche weiter: Bundeskanzler Olaf Scholz besucht am Montag Kiew, einen Tag später reist er nach Moskau weiter.

Die Ungewissheit versetzt den Märkten einen weiteren Schlag, die bereits wegen der Inflation und der Aussicht auf aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank zur Eindämmung der Inflation verunsichert sind. Eine Verschlechterung der Lage in der Ukraine könnte die Besorgnis über die Preisentwicklung verstärken, wenn die Versorgung mit russischer Energie und ukrainischem Getreide unterbrochen wird.

"Die Stimmung an den Weltmärkten ist heute Morgen angesichts der Entwicklung des russischen Roulettes in der Ukraine ausgesprochen fragil", schrieb Simon Ballard, Chefvolkswirt der First Abu Dhabi Bank, in einer Mitteilung an die Anleger. "In Kombination mit der bereits gestiegenen Verunsicherung über die hohe Inflation und dem Schreckgespenst einer aggressiven geldpolitischen Straffung befinden wir uns nun in der Defensive."

Die europäischen Erdgaspreise stiegen sprunghaft an, da die Erdgasspeicher zur Neige gehen und eine Unterbrechung der Versorgung aus Russland, der wichtigsten Bezugsquelle Europas, befürchtet wird. Der Ölpreis konnte seine Rally, bei der die Marke von 100 Dollar pro Barrel in Sichtweite geriet, dagegen nur mit Mühe fortsetzen. Höhere Energiepreise haben bereits die Inflation in ganz Europa in die Höhe getrieben und zu einer Krise bei den Lebenshaltungskosten geführt. Mehrere Regierungen sahen sich dazu veranlasst, die steigenden Energiepreise für die Verbraucher abzufedern.

Börsenabsturz: Die Kriegsgefahr lässt die Aktienmärkte einbrechen
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Russland ist ein wichtiger Produzent von Metallen wie Aluminium und Nickel und liefert etwa 40 Prozent des Palladiums, das in Katalysatoren verwendet wird. Auf Russland und die Ukraine entfällt auch fast ein Drittel der Weizen- und Gerstenexporte, und der Weizenpreis stieg am Montag weiter an. "Die Auswirkungen auf die Inflation werden über Öl und Gas hinausgehen", sagte Wai Ho Leong, Stratege bei Modular Asset Management in Singapur. "Für den Rest der Welt ist das möglicherweise ein massiver Preisschock."

Bärenmarkt-Risiko

Unter den einzelnen Aktienbewegungen in Europa fiel Clariant so stark wie seit 19 Jahren nicht mehr, nachdem das Unternehmen seine Ergebnisse aufgrund einer Bilanzuntersuchung verschoben hatte. Die ungarische Wizz Air Holdings führte den Einbruch bei den Fluggesellschaften an, weil die Fluggesellschaften weitere Schritte unternommen haben, um die Ukraine zu meiden.

Eine Frage, die sich den Anlegern stellt, ist, ob die Aktien Ende Januar ihren Jahrestiefststand erreicht haben oder ob die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine sie weiter belasten werden. Lori Calvasina, Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC Capital Markets, meint, die Chancen stünden gut, dass die Tiefststände vom Januar nicht unterboten werden. Der leitende US-Aktienstratege bei Morgan Stanley Michael Wilson ist dagegen der Auffassung, dass eine mögliche Invasion die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. "Es gibt keinen Konflikt in der Vergangenheit, der eine gute Vorlage dafür bietet, zu welchen Tiefständen Aktien im Fall einer Invasion gehandelt werden könnten", schrieb Calvasina in einer Notiz.

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