GeldanlageDie Gewinner-Branchen 2017

Händler an der New York Stock Exchange
Händler an der New York Stock ExchangeGetty Images

Einer der Anlegerlieblinge des abgelaufenen Jahres waren eindeutig Technologieaktien. IT-Titel liefen so gut, dass manche Analysten zur Jahresmitte vor einer Blase warnten. Andere wiesen darauf hin, dass die Hausse auf wachsenden Unternehmensgewinnen basiere, es also gute Gründe für den Aufwärtstrend gebe. Angesichts des Kursfeuerwerks bei Facebook, Alphabet und Co. ist es jedenfalls kein Wunder, dass IT-Aktien die großen Gewinner des Jahres 2017 waren. Der Branchenindex S&P Information Technology legte von Januar bis Mitte Dezember in Euro gerechnet um rund 27 Prozent zu.

Daten des US-Indexanbieters S&P Dow Jones Indices (S&P DJI) zeigen, in welchen Sektoren Aktienanleger im abgelaufenen Jahr die höchsten Kursgewinne erzielen konnten. Neben IT-Werten erwiesen sich Aktien aus dem Grundstoffsektor als lohnenswert: Der S&P Materials legte bis Mitte Dezember zwölf Prozent zu. Er enthält unter anderem Aktien des Saatgut-Produzenten Monsanto, des Bergbaukonzerns Newmont Mining und des Industriegase-Spezialisten Praxair, der 2017 mit der Linde AG fusionierte. Industriewerte liefen zuletzt ebenfalls gut. Der S&P Industrials stieg im vergangenen Jahr um elf Prozent. „Der Grundstoffe- und der Industriesektor wurden vom verbesserten globalen Wirtschaftsausblick unterstützt“, sagt Hamish Preston, Analyst bei S&P DJI.

Auf Rang vier und fünf der besten Branchen 2017 liegen zyklische Konsumgüter sowie der Gesundheitssektor, mit einem Plus von 10,6 beziehungsweise 9,7 Prozent bis Mitte Dezember. Die Healthcare-Branche ist stark von US-Unternehmen geprägt und erlebte in den vergangenen Monaten ein Auf und Ab, nicht zuletzt durch den Politikstil von US-Präsident Donald Trump. Zunächst reagierten die Kurse von Healthcare-Aktien positiv auf Trumps Wahlsieg im November 2016. Dann allerdings setzten Querelen um eine Reform der von Ex-Präsident Barack Obama ins Leben gerufenen Krankenversicherung ein – und US-Gesundheitsaktien kamen unter die Räder.

IT-Aktien sind mittlerweile sehr teuer

Die Aktienmärkte liefen im Jahr 2017 dermaßen gut, dass nur zwei Branchenbarometer von S&P DJI überhaupt Verluste verzeichneten. Der S&P Energy gab bis Mitte Dezember neun Prozent nach, der S&P Telecommunications Services verlor im selben Zeitraum 3,5 Prozent. Beides dürfte für Anleger keine Überraschung gewesen sein. Unternehmen aus der Energiebranche kämpfen seit Jahren mit Ertragsproblemen. Die Preise für Öl und andere Energierohstoffe haben sich zwar zuletzt leicht erholt, liegen aber immer noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Telekommunikationskonzerne stehen ebenfalls seit längerem unter Druck. Zu den Verlierern gehörten im vergangenen Jahr zudem Immobilien- und Basiskonsumgüterfirmen sowie Versorger. Verlierer ist hier allerdings relativ: Die entsprechenden Branchenindizes stiegen zwischen 4,4 und 5,6 Prozent.

Anleger, die einen antizyklischen Investmentansatz verfolgen, können die Top- und Flop-Daten des vergangenen Jahres als Indiz dafür nutzen, welche Aktien sie im kommenden Jahr ins Portfolio nehmen sollten – und welche besser nicht. So sind IT-Aktien mittlerweile sehr teuer, Analysten sehen nicht mehr viel Luft nach oben. Die Daten von S&P DJI sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Erstens enthalten die Branchenbarometer des Indexanbieters fast ausschließlich US-Unternehmen, zeigen also kein Bild des weltweiten Gesamtmarktes. Zweitens richten sich Marktzyklen nicht nach Kalenderdaten. So könnte sich die Rallye in den starken Sektoren im Jahr 2018 durchaus fortsetzen, die Erholung der schwächeren Branchen noch eine Weile auf sich warten lassen.