Interview„Das ETF-Angebot wird sich nicht verdoppeln“

Heike Fürpaß-Peter
Heike Fürpaß-PeterLyxor

Capital: Lyxor verkauft sowohl aktive Fonds als auch ETFs. Eine Studie aus Ihrem Haus zeigt, dass im vergangenen Jahr nur 44 Prozent der aktiven Aktien- und Rentenfondsmanager ihren Vergleichsindex schlagen konnten. Freuen Sie sich als Leiterin von Lyxors ETF-Geschäft in Deutschland und Österreich über dieses Ergebnis?

Heike Fürpaß-Peter: Freuen trifft es nicht ganz. Die Studie zeigt vielmehr, dass es für Anleger wichtig ist, eine Mischung aus aktiven und passiven Investments im Depot zu haben. Sie zeigt außerdem, dass man genau hinschauen muss, wo aktives Management eine Überrendite bietet und wo es sinnvoller ist, per ETF zu investieren.

Wo haben Indexfonds denn die Nase vorn?

In entwickelten Märkten wie den USA ist es für aktive Aktienfondsmanager sehr schwierig, eine Outperformance gegenüber dem Index zu erzielen. Dort sind ETFs klar im Vorteil, nicht zuletzt durch ihre niedrigen Kosten.

In vielen Märkten ist es so, dass in einem Jahr aktive Fonds besser abschneiden und im nächsten Jahr passive.

Das stimmt. Wenn man sich Märkte aber über einen längeren Zeitraum hinweg anschaut, ergibt sich ein klareres Bild. Langzeitbetrachtungen zeigen, wie schwierig es für Anleger ist, einen aktiv verwalteten Fonds zu finden, der dauerhaft besser ist als der Markt. Man kann also zu dem Schluss kommen, dass es oft sinnvoller ist, direkt in die Benchmark zu investieren.

Durch Smart-Beta-ETFs, die bestimmte Rendite-Faktoren besonders hoch gewichten, verwischt die Grenze zwischen aktiven und passiven Fonds. Gibt es irgendwann nur noch Zwitterprodukte?

Das glaube ich nicht. Smart-Beta-Fonds kann man gut für Teilbereiche der Geldanlage einsetzen. Aber wenn es darum geht, ein ausgewogenes Portfolio aufzubauen, sind Standardindizes die einfachere Lösung. Denn je nach Marktphase liefern immer andere Smart-Beta-Strategien einen positiven Beitrag, so dass Anleger die Zusammenstellung regelmäßig überprüfen und anpassen müssten. Als Kern-Investment sind nach wie vor ETFs auf Standardindizes wie den MSCI World die beste Wahl.

Da wundert es nicht, dass Aktien-ETFs im Mai in Europa das meiste Geld eingesammelt haben, rund 1,5 Mrd. Euro. Kann man als ETF-Anbieter in den klassischen Marktsegmenten und Anlageklassen überhaupt noch etwas Neues entwickeln?

Man kann vereinzelt noch Lücken füllen, zum Beispiel für bestimmte Indexfonds währungsgesicherte Anteilsklassen auflegen. Auch Themen-ETFs sind ein Bereich, in dem die Nachfrage wächst und wo man noch neue Produkte lancieren kann. Vor allem Indizes, die ökologische und soziale Kriterien sowie solche der guten Unternehmensführung berücksichtigen, kommen bei den Investoren gut an. Ich denke aber nicht, dass sich das ETF-Angebot in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Wir bei Lyxor haben mittlerweile rund 230 ETFs, die das Spektrum gut abdecken. Wir legen nur noch vereinzelt neue Produkte auf.

Statt mit neuen Fonds wollen ETF-Anbieter offenbar mit immer niedrigeren Preisen Neukunden anlocken. Auch Lyxor hat im Frühjahr die Gebühren für mehrere Basis-ETFs gesenkt. Können Anleger mit weiteren Preissenkungen rechnen?

Wir hatten in den vergangenen Jahren stetige Zuflüsse und konnten deshalb gerade bei den Fonds, die die Kernmärkte abdecken, Skaleneffekte nutzen. Die Ersparnis haben wir an unsere Kunden weitergegeben. Das wird bei anderen Anbietern ähnlich sein. Möglich, dass einzelne Indexfonds noch etwas günstiger werden. Aber wir sind inzwischen auf einem Preisniveau angekommen, das ETF-Investments sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatanleger interessant macht.

Der ETF-Anbieter Van Eck hat zuletzt ebenfalls die Gebühren für einzelne Produkte gesenkt. Goldman Sachs Asset Management baut derzeit sein Indexfonds-Geschäft in Europa stark aus. Wie wollen Sie auf die wachsende Konkurrenz reagieren, wenn nicht mit einer Preisschlacht?

Es gibt immer mehr ETF-Anbieter, die in den europäischen Markt eintreten wollen. Das ist richtig. ETF-Investoren legen aber großen Wert auf eine gewisse Mindestgröße bei Indexfonds, außerdem auf eine große Produktauswahl. Beides finden sie eher bei etablierten Anbietern. Für neue wird es deshalb schwierig, in Europa ein Bein auf den Boden zu bekommen. Man kann sehen, dass sie sich oft auf einzelne Nischen beschränken und gar nicht erst versuchen, mit dem breiten Produktangebot der etablierten Anbieter zu konkurrieren.