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Daniel Saurenz Das Aktienjahr 2022 bleibt kompliziert

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse
Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse: Das erste Halbjahr war extrem schwierig für die Anlegerinnen und Anleger
© picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski
Der Beziehungsstatus der Deutschen zur Geldanlage war 2021 entspannter als in diesem Jahr. Das erste Halbjahr war eine Katastrophe für den Dax. Jetzt stellt sich die Frage: Wird es besser?

Die gute Nachricht zuerst: Das Chance-Risiko-Verhältnis für Aktien ist zum Start des zweiten Halbjahrs 2022 ein deutlich besseres als zum Start der ersten Hälfte 2022. Risiken sind eingepreist, und anders als zur Jahreswende muss man nur noch diskutieren, ob sie zur Genüge in den Kursen drin sind. Und selbst wenn der Dax noch beispielsweise bis 11.000 Zähler durchgereicht wird, so ist eine lange Wegstrecke nach unten doch schon absolviert.

Die beiden Hauptportfolios bei Feingold Research weisen in diesem Jahr ein kleines Minus von rund drei Prozent aus und auch viele Fondsmanager, die in den vergangenen Jahren leichtes Spiel hatten, beißen sich an den Aktienmärkten gegenwärtig die Zähne aus. „Durchkommen ohne große Blessuren – das ist Königsdisziplin der Geldanlage 2022“, sagt Jürgen Molnar als Kapitalmarktstratege beim Broker Robomarkets.

Nicht alle Anleger sind so nüchtern und entspannt. Dies zeigen die Börsenbriefe in den USA, die sich so pessimistisch zeigen, wie lange nicht. Und dies unterstreichen auch die Performances großer und vermeintlicher Gurus der letzten Jahre. Nicht wenige, die im Höhenflug seit Corona deutlich zweistellig im Plus lagen, büßten in den ersten sechs Monaten zwischen 30 bis sogar 60 Prozent ihrer Performance ein.

Aufstellung muss stimmen

Bei der Geldanlage zeigt sich in Jahren wie diesen die alte Weisheit aus der Fußball-Bundesliga: Der Sturm gewinnt Spiele, doch die Abwehr gewinnt Meisterschaften. Und eine gute Abwehr braucht man, um schwache Phasen in Dax oder Nasdaq zu überstehen. Dabei zeigt sich, dass gerade jetzt die oft missverstandenen Derivate eine prima Rolle spielen können. So konnte man sein Depot im ersten Halbjahr dank rechtzeitig gekaufter Put-Optionsscheine sowie mit absichernd eingeplanten Inline-Optionsscheine und klassischem Hedging mit Turbos krisenfest gestalten. Den wenigsten dürfte es gelungen sein, die ersten Monate des Jahres satt im Plus zu beenden.

„Am Aktienmarkt ist die Relative Performance aber eine wichtige Messgröße“, gibt Stefan Riße, Anlageexperte der Fondsgesellschaft Acatis, zu bedenken. Nach sechs Monaten mit Kursverlusten von mehr als 30 Prozent an der Nasdaq und deutlich über 20 Prozent bei Dax und S&P 500 ist ein kleines Minuszeichen im privaten Portfolio aller Ehren wert. Und eines sollte man für das zweite Halbjahr im Hinterkopf haben: Niemand bekommt Aktien dann billig, wenn die Stimmung wieder prächtig ist. Wer langfristig gut abschneiden will, der muss langsam aber sicher einen Gang höher schalten. Denn weder 2009 noch 2020 warteten die Börsen mit ihrer Erholung, bis die Rezession vorüber war. Aktien steigen schon dann, wenn die Not am größten ist.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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