SubstanzwerteDarum sollten Anleger Value-Aktien eine Chance geben

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Symbolbild: BörseDeutsche Börse

Der US-amerikanische Starinvestor Warren Buffett ist bekannt für seine markigen Sprüche. „Ob es sich nun um Socken oder Aktien handelt, ich kaufe gerne Qualitätsware, wenn sie heruntergesetzt ist“, soll er einmal gesagt haben. Damit bringt er den Grundsatz der Value-Investmentstrategie auf den Punkt: Dabei geht es darum, günstig bewertete Unternehmen mit hohem innerem Wert zu identifizieren. Vermeintlich langweilige Firmen mit solider Finanzierung und wenigen Börsenkapriolen also. Buffett fährt mit seinem Gespür für unterbewertete Unternehmen gut. Die meisten weniger prominenten Anhänger des Value-Ansatzes hatten dagegen zuletzt weniger Glück.

Substanzwerte hinken Wachstumsaktien seit Jahren deutlich hinterher. Growth-Titel zeichnen sich durch ein hohes Umsatz- und Gewinnwachstum aus und sind entsprechend hoch bewertet. Tech-Konzerne wie Facebook und die Google-Mutter Alphabet sind typische Beispiele für solche Wachstumsriesen. Die Danske Bank hat ausgerechnet: Gemessen am MSCI World sind die Kurse globaler Wachstumsaktien in den vergangenen fünf Jahren um 65,3 Prozent gestiegen. Globale Value-Aktien konnten dagegen nur um etwas mehr als ein Drittel an Wert zulegen.

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, erklärt den Siegeszug der Wachstumstitel mit der globalen Wachstumsschwäche, dem anhaltenden Niedrigzins und dem technologischen Fortschritt. Er gehört allerdings zu einer wachsenden Zahl von Marktexperten, die Value-Aktien ein Comeback voraussagen. Vieles hänge an der Konjunktur, sagt er: Das gedämpfte Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren habe Investoren dazu verleitet, einen Aufpreis für Aktien zu zahlen, die ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum liefern konnten. Sollten sich die Konjunkturaussichten aufhellen, stünden die Chancen gut, dass Anlegern die Lust an Wachstumstiteln vergeht – und Value-Aktien „einen Außenseitersieg einfahren“.

Value-Aktien sind noch attraktiv bewertet

Ein freundlicheres Konjunkturumfeld könnte auf lange Sicht auch die Zinsen steigen lassen. Das käme Anlegern zugute, die in Bankaktien investieren, eines der größten Value-Segmente. Denn steigende Zinsen bescheren Banken höhere Margen. Dass es mit der Wirtschaft bald bergauf geht, liegt für Galler auf der Hand: So haben China und die USA die erste Phase ihres Handelsabkommens abgeschlossen, und das verarbeitende Gewerbe profitiert von günstigeren Finanzierungsbedingungen sowie Investitionen ins 5G-Netz.

Auch Georg von Wyss, Mitgründer des Schweizer Fondsverwalters BWM AG, ist überzeugt, dass Anleger Value-Aktien im Blick behalten sollten. Angesichts der hohen Immobilienpreise und der teuren Wachstumsaktien seien Value-Titel „vielleicht sogar die einzige Anlage, bei der die Preise noch attraktiv sind“, sagt er. Er warnt davor, Wachstumstiteln aus dem Tech-Sektor zu viel Platz im Portfolio einzuräumen. Der Niedergang des ehemals gehypten Fotospezialisten Kodak habe gezeigt, dass Technologien obsolet werden können – „eine Erkenntnis, die heute, wo riesige Technologiefirmen die Börsenstars sind, besonders wichtig ist“.

Kapitalmarktstratege Galler zufolge befinden sich die Bewertungsprämien für Wachstumsaktien aktuell auf dem gleichen Niveau wie während der Technologieblase im Jahr 2000. „Mit der Weisheit des Rückblicks können wir heute sagen, dass Investoren damals gut beraten waren, in der Phase der Wachstumseuphorie stärker auf die unpopuläreren Value-Aktien zu setzen“, sagt er. In den sechs Jahren nach dem Platzen der Blase konnten Value-Titel mehr als 40 Prozent stärker zulegen als Growth-Aktien.

 


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