KolumneBrexit & Co: Die Folgen der Lungenpest

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Dass schwere Krisen mitunter große Veränderungen mit sich bringen, liegt in der Natur der Sache. Die Abwahl Donald Trumps in den Vereinigten Staaten von Amerika mag politisch die wichtigste Konsequenz der Corona-Pandemie sein. Denn noch zu Anfang des Jahres sprach vieles für eine Wiederwahl des großen Disrupteurs.

Auch das Zustandekommen eines BREXIT-Vertrages mag zum Teil dem zusätzlichen Druck geschuldet sein, der durch das Wüten der Seuche entstanden ist. Erst die Zukunft wird zeigen, ob der durch den Austritt aus der Europäischen Union entstandene Souveränitätsgewinn den hohen Preis Wert war, den die Briten zu zahlen willens waren.

Deutschland wird um eine Diskussion um die politischen Folgen aus der Virus-Epidemie nicht herumkommen. Die bereits vernehmlich gewordenen Stimmen wünschen sich mehr Zentralismus und Kollektivismus, während unser Grundgesetz aus guten Gründen Föderalismus und Individualrechte verankert hat. Die Krise lässt aber mittlerweile fraglich erscheinen, ob das Grundgesetz tatsächlich noch die oberste Richtschnur allen staatlichen Handelns hierzulande ist. Denn die Geldvermehrungspolitik der Europäischen Zentralbank beeinträchtigt die Haushaltssouveränität der Bundesrepublik erheblich. Wenn aber der Europäische Gerichtshof in Luxemburg das letzte Wort zum Gebaren der EZB spricht, wie es von den meisten Politikern gefordert wird, dann ist das Grundgesetz, mit dem wir in den letzten Jahrzehnten tendenziell gute  Erfahrungen gemacht haben, ausgehöhlt. Dabei ist stets zu bedenken, dass Europa bislang keine eigene Verfassung besitzt.

Was die staatliche Krisenbekämpfung angeht, so hält man in den europäischen Hauptstädten die Blaupause aus der großen Finanzkrise für maßgebend, Abschaffung positiver Realzinsen,  Ausweitung der Geldmenge und Finanzierung der Mitgliedsstaaten durch den Kauf ihrer Staatsanleihen. Diese Rezeptur ist als ´finanzielle Repression´ in das Wörterbuch der Finanzmärkte aufgenommen worden. Staatliche Konjunktur- und Unterstützungsprogramme flankieren den Eifer der Notenbanker in der aktuellen Nachfragekrise.

Launische Anleger

An den Börsen gewahrten die Anleger einen launischen Umgang mit dem Krisenverlauf. Während die Teilstillegung der Wirtschaft im Frühjahr des Jahres zu einem Kurssturz führte, erholte sich der Markt in den darauffolgenden Monaten. Einige Börsen starteten gar zu neuen Höchstkursen, während andere Aktienmärkte im negativen Territorium feststecken. Krisengewinner feiern neue Rekorde, während schwer betroffene Branchen existenzielle Nöte ausstehen müssen. Insgesamt hat sich unter Investoren rasch herumgesprochen, dass der altbekannte `Fed-Put´ sehr wohl lebt und inzwischen für alle wichtigen Zentralbanken gilt. Außerdem ist auf Jahre hinaus nicht zu erkennen, dass herkömmliche Zinsanlagen attraktive Renditen verheißen. Im Gegenteil: Wer Staatsanleihen heute kauft und bis zu ihrer Fälligkeit hält, der kann einen hohen Kaufkraftverlust fest einplanen. Zugleich berichten viele Investmentbanken, dass der Anleihenmarkt boomt. Ob es sich angesichts der dominanten Aktivitäten der Notenbanken um einen Markt handelt, darf geflissentlich angezweifelt werden.

Die Aktienmärkte indessen sind funktionstüchtig und durchaus nicht irrational. Dabei darf man sich von gelegentlichen Übertreibungen z.B. bei manchen Technologieaktien und Neuemissionen nicht täuschen lassen. Im Grunde sind Aktienanlagen mittlerweile die einzige sinnvolle große Anlagekategorie. Kluge Selektion bleibt innerhalb der Aktienanlage das Nonplusultra, nicht zuletzt aus Risikogründen.

Ihr

Christoph Bruns


Dr. Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft LOYS AG.