Christoph Bruns Börsenaußenseiter Japan: Warum sich ein Blick auf japanische Aktien lohnt

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French
Nur selten werfen deutsche Anleger einen Blick nach Japan. Dabei würde sich das zurzeit durchaus lohnen: Die Inflation ist niedrig und Zinserhöhungen stehen nicht auf der Agenda

Unter den etablierten Aktienmärkten nimmt Japan eine Sonderrolle ein. Der Insel-Charakter des Landes strahlt auch auf seine Börsen ab. Hört man sich in amerikanischen Finanzkreisen um, so bekommt man häufig gesagt, Japan sei ein sterbendes Land. Damit ist die unvorteilhafte demographische Entwicklung gemeint. In der Tat schrumpft die japanische Bevölkerung seit 2006. Damals wurden knapp 128 Millionen Einwohner gezählt, während es heute nur noch 125 Millionen sind. Zugleich ist der Aufbau der Alterspyramide von zunehmender Überalterung gekennzeichnet.

Verkehrt wäre es aber, solche Entwicklungen nur in Japan zu sehen. Genau besehen folgen nahezu alle westlichen Länder (und auch China) dem japanischen Muster. Allein Japan geht voraus und kann als Blaupause für andere gelten. Immerhin ist aber zu bedenken, dass im Land der aufgehenden Sonne kaum Zuwanderung von außen stattfindet. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied etwa zu den USA und auch zu Deutschland. Gleichwohl ist Immigration überall auf der Welt ein schwieriges Thema.

Japan besitzt indessen einige bemerkenswerte Stärken. Der Lebensstandard gehört zu den höchsten der Welt, das Median-Finanzvermögen pro Kopf liegt mit knapp 75.000 Euro ca. dreimal so hoch wie der Vergleichswert in Deutschland und auch deutlich vor den USA. Bei Patentanmeldungen nimmt Japan eine führende Stellung ein. Kriminalität gibt es kaum und die Lebenserwartung ist die Höchste unter den großen Volkswirtschaften.

Nachdem die Aktienbörsen der Welt in einen Korrekturmodus umgeschaltet haben, könnte sich ein Blick auf Japan durchaus lohnen. Denn im Vergleich zum US-Dollar und zum Euro ist der japanische Yen nicht von Inflation geplagt. Zinserhöhungen stehen in Japan nicht auf der Tagesordnung und bedrohen daher das Aktiensentiment nicht.

Des Weiteren besitzt das Land den größten Aktienmarkt der Welt, jedenfalls dann, wenn man die Anzahl der börsennotierten Unternehmen zum Maßstab nimmt. Viele japanische Unternehmen sind Weltmarktführer auf und nehmen entsprechend am globalen Wirtschaftswachstum teil. Man denke z.B. an Toyota, Sony, Panasonic und andere. Beim Blick in die zweite und dritte Börsenreihe könnten Investoren sogar ins Schwärmen geraten. Dort finden sich nicht wenige Titel, die einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse, robuste Marktpositionen, wachsende Umsätze und Gewinne, bärenstarke Bilanzen und gute Dividendenrenditen aufweisen. Kein Börsenbeobachter wird daher überrascht sein, dass etwa Warren Buffett japanische Aktien in seinem Portfolio hält.

Zweifelhaft ist, ob Japan nochmals den wertvollsten Aktienmarkt der Welt beheimaten wird, wie dies in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts zwischenzeitlich der Fall war. Aber eine prominentere Beachtung wäre nicht nur wohlverdient, sondern dürfte sich für Anleger auch als vorteilhaft erweisen.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel