GastkommentarBitcoin - Nischendasein im Rampenlicht

„Bitcoin ist teurer als Gold!“ Mit dieser Schlagzeile stand die Digitalwährung Anfang März einmal mehr im Rampenlicht. Tatsächlich kostete eine Einheit Bitcoin am 3. März 2017 in der Spitze mit 1224 Euro mehr als eine Feinunze Gold. Vier Wochen später hat der Bitcoin-Kurs mal wieder einen kräftigen Einbruch hinter sich und notiert mit 974 Euro rund 16 Prozent unter dem Goldpreis. Trotz des Rücksetzers bleibt auf Sicht von zwölf Monaten ein Wertzuwachs von 364 auf 974 Euro, das ist ein Anstieg um mehr als 160 Prozent. Bei einem solchen Kurssprung drängt sich die Frage auf: Woher kommt die Euphorie?

An der hohen Verbreitung als Zahlungsmittel kann es nicht liegen, denn da ist die Digitalwährung derzeit faktisch bedeutungslos. In der vermeintlichen Bitcoin-Hochburg Berlin akzeptieren gerade mal 44 Geschäfte oder Online-Anbieter Bitcoin als Zahlungsmittel; in Hamburg sind es 13, in München zehn und in Köln sieben Geschäfte bzw. Online-Händler. Für Furore sorgt die Digitalwährung also nicht, weil sie das tägliche Bezahlen revolutioniert hätte – an effizienten Bezahlsystemen herrscht auch ohne Bitcoin wahrlich kein Mangel.

Preis-Rallys und Kurseinbrüche

Dagegen ist die Wertentwicklung der vergangenen Jahre derart beachtlich, dass die mediale Aufmerksamkeit nachvollziehbar ist. Immer wieder kam es zu Preis-Rallys, aber auch zu markanten Kurseinbrüchen. So war der Preis eines Bitcoin zwischen Anfang Dezember 2016 und Anfang Januar 2017 von 706 Euro auf 1087 Euro in der Spitze gestiegen, ein Plus von über 50 Prozent. Der Absturz ließ nicht lange auf sich warten: Innerhalb weniger Tage ging es runter bis auf 719 Euro, worauf ein sukzessiver Wiederanstieg auf etwas über 1000 Euro und dann im März das bisherige Allzeit-Hoch von 1224 Euro folgte.

Auch Intraday schwanken die Preise zuweilen beträchtlich. Seit Jahresbeginn gab es neun Handelstage, an denen der Bitcoin in Euro gerechnet um mehr als zehn Prozent schwankte. Die stärkste Tagesschwankung (am 5. Januar 2017) brachte eine Differenz von 21 Prozent zwischen Tagestief und Tageshoch.

Besitzer von Bitcoin brauchen also starke Nerven. Die Entscheidung der amerikanischen Börsenaufsicht von Mitte März, einem Bitcoin-ETF wegen fehlender Aufsicht und Regulierung die Zulassung zu verweigern, ist auch mit Blick auf die massiven Kursschwankungen nachvollziehbar. Als großer Vorteil der Digitalwährung gelten die Anonymität des Bezahlsystems und die fehlende Regulierung. So haben Chinesen versucht, die bestehenden Kapitalverkehrskontrollen zu umgehen und über den Umweg Bitcoin Geld in ausländische Währung zu tauschen.