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Geldanlage Bahn-Aktien: Nachhaltiger Rückenwind

Alstom erprobt bereits Wasserstoffzüge
Alstom erprobt bereits Wasserstoffzüge
© Avenet Pascal / picture alliance/abaca
Energiewende und globale Förderprogramme sorgen für Kursfantasien in der Infrastruktur-Branche, besonders bei Bahn-Aktien. Dabei werden die Weichen zunehmend internationaler gestellt

Bahnunternehmen sind ein Teilbereich des facettenreichen Infrastruktur-Sektors. Aktuell spricht einiges für Aktien von Bahntechnikfirmen. Für Rückenwind sorgt unter anderem die Energiewende, im Zuge derer weltweit mehr Güter- und Personenverkehr auf die Schiene verlagert werden soll, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Und auch nachhaltiges Reisen wird in diesem Zusammenhang populärer. Das könnte den Aktienkurs von börsennotierten Bahnunternehmen pushen, die auch Starinvestoren wie Warren Buffett (BNSF Railway) oder Bill Gates (Canadian National Railway) im Portfolio haben.

Zu den Platzhirschen in diesem Infrastruktur-Segment zählt der Bahntechnik-Spezialist Alstom, für den es gerade besonders gut läuft. Die Franzosen haben im Februar einen neuen Auftrag im Wert von über 230 Mio. Euro für die Lieferung von 25 Coradia Nordic Regionalzügen an Norske tog erhalten. Das ist bereits der zweite Auftrag im Zuge eines Rahmenvertrag zwischen Alstom und Norske tog mit einem Gesamtwert von 1,8 Mrd. Euro. Einen Monat später hat ein Alstom-Konsortium Anfang März den Auftrag für ein Eisenbahnsystem auf den Philippinen gesichert. Das Anteilsvolumen beläuft sich hier auf rund 1,1 Mrd. Euro. Und erst vor wenigen Tagen hat Alstom eine 2 Mio. Euro teure Produktionsstätte in Italien eingeweiht, in der vor allem Antriebskomponenten für Eisenbahnen, U-Bahnen und Straßenbahnen entwickelt und hergestellt werden sollen.

All dies hat den Kurs der Alstom-Aktie beflügelt, die auf Ein-Jahres-Sicht rund 36 Prozent im Plus liegt – und laut Einschätzung vieler Analysten noch viel Luft nach oben hat. So sieht unter anderem UBS-Analyst Guillermo Peigneux Lojo das Kursziel bei 37 Euro und damit deutlich über dem letzten Schlusskurs, der knapp unter 28 Euro lag. Neben den guten Auftragsbeständen sorge auch die Aussicht auf höhere Umsätze und Margen für Kursfantasie.

Vossloh setzt auf „Green Mobility“

Auch beim Schienen- und Bahntechnik-Spezialist Vossloh aus Werdohl im Sauerland sind die Auftragsbücher derzeit gut gefüllt. Zu den größeren Projekten zählt ein Vorzeigeprojekt zur datenbasierten Weichenüberwachung in Schweden, das bereits im Jahr 2020 gestartet wurde. Ziel der Kooperation mit Trafikverket ist es, die Verfügbarkeit des Fahrwegs mittels Sensortechnik und Algorithmen deutlich zu erhöhen. Strecken werden so schneller und effizienter überwacht. Vossloh zählt aber auch zu den klaren Profiteuren der Energiewende. Die Mannschaft rund um Firmenchef Oliver Schuster bewirbt das Thema „Green Mobility“ gezielt und hat dabei entsprechende Konjunkturprogramme der EU und der USA im Blick.

Nach guten Zahlen für das dritte Quartal 2022 hat die Aktie ordentlich Rückenwind gehabt und notiert auf Jahressicht aktuell 6,5 Prozent im Plus. Die Zahlen für das Schlussquartal 2022 werden in der dritten Märzwoche 2023 veröffentlicht, doch die Analysten rechnen schon jetzt mit einem weiteren Aufschwung. Das mittlere Kursziel sehen sie bei 45 Euro und damit fast 11 Prozent höher als der letzte Schlusskurs von 40,65 Euro.

Neben Alstom und Vossloh darf natürlich auch Siemens nicht fehlen, wenn es um den Bahn-Sektor geht. Gerade erst hat Siemens Mobility einen Milliardenauftrag aus den USA erhalten, der die Konstruktion, Herstellung und technische Wartung von 73 Zügen umfasst und im Volumen noch deutlich ausgeweitet werden könnte. Kein Wunder also, dass sich Siemens angesichts lukrativer Großaufträge und großzügiger Förder- und Konjunkturprogrammen auch geografisch stärker in die USA orientiert und dort aktuell bereits das neunte Bahnwerk baut.

Die milliardenschweren US-Anreize locken immer mehr Unternehmen über den Atlantik – auch außerhalb der Infrastrukturbranche. Während sich der Industriekonzern Linde bereits vom Frankfurter Börsenparkett verabschiedet hat, erwägt aktuell beispielsweise auch VW den Bau einer Batteriefabrik in den USA – als Alternative zum Standort Osteuropa.

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