GeldanlageAnleihefonds gehen ins Risiko

Aktienchart
Kaufen und festhalten: Aber manchmal lohnt es sich, die Treue zu einem Fonds auf den Prüfstand zu stellenGetty Images

Risiko ist Definitionssache. Anleihefondsmanager haben in den vergangenen Jahren die Mini-Zinsen als größte Gefahr für die Wertentwicklung ihrer Produkte ausgemacht. In der Folge haben sie sukzessive umgeschichtet: von bonitätsstarken, vergleichsweise niedrig verzinsten Papieren hin zu Anleihen, die höhere Kupons bieten. Während Rentenfonds früher oft einen breiten Mix aus konservativen und riskanteren Papieren enthielten, prägen heute in vielen Portfolios High-Yield-Bonds und Schwellenländeranleihen das Bild. Sie bieten höhere Zinsen als bonitätsstarke Staatsanleihen und reagieren weniger sensibel auf Zinsanstiege.

Fondsmanager wollen ihre Kunden mit dieser Neuausrichtung vor Verlusten durch niedrige und tendenziell steigende Zinsen schützen – setzen sie aber einer anderen Gefahr aus: Hochzinsanleihen entwickeln sich ähnlich wie Aktien. Steigen die Aktienkurse, ist diese Korrelation für Anleger von Vorteil. Geht es an den Börsen abwärts, bieten Hochzinspapiere dagegen längst keinen so guten Schutz wie sichere Staatsanleihen. Im Dezember 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, stürzten die Kurse von High-Yield-Bonds im Schnitt um 30 Prozent ab. Ein Rentenfonds, der viele Ramsch-Anleihen enthält, ähnele in seinem Charakter einem Aktienfonds und trage nur wenig zur Diversifizierung des Portfolios bei, warnt Cristian Balteo, Produktspezialist bei Nordea Asset Management.

Der Trend zu Hochzinsanleihen könnte Rentenanleger teuer zu stehen kommen. Ebenso wie Aktien geraten High-Yield-Bonds unter Druck, wenn sich die Konjunkturaussichten eintrüben. Und es gibt Anzeichen dafür, dass bald genau das geschieht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zuletzt zweimal in Folge gefallen, der Handelsstreit zwischen China und den USA sorgt für schlechte Stimmung an den Märkten. Volkswirte zeigen sich bei ihren Prognosen zunehmend wachstumsskeptisch. „Ohne Zweifel hat sich der wirtschaftliche Ausblick in der Eurozone innerhalb kürzester Zeit verschlechtert. Die Euphorie ist in lediglich noch verhaltenen Optimismus übergegangen“, sagt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Fondsanbieters Bantleon. Er warnt: „Die Risiken eines schärferen Abschwungs haben zugenommen.“

Wer sein Portfolio mit Anleihefonds gegen Verluste absichern will, sollte angesichts dieser Aussichten überprüfen, wie die Fonds momentan eigentlich positioniert sind. Befinden sich viele Hochzinsanleihen im Portfolio, könnte das Minus im Fall eines Marktrücksetzers größer ausfallen als gedacht. Wichtig ist auch die Frage, wie aktiv ein Rentenfondsmanager sein Portfolio steuert, wie weit er sich also von seinem Vergleichsindex entfernen darf – und welchen Vergleichsindex er überhaupt nutzt. Wer diese Fragen nicht schon vor dem Fondskauf geklärt hat, sollte sich spätestens jetzt darum kümmern.

Viele Investmentgesellschaften weisen darauf hin, dass aktives Fondsmanagement in der aktuellen Marktphase besonders von Bedeutung ist. Damit haben sie nicht Unrecht. Die Lage an den Rentenmärkten ist komplex. Die Möglichkeit, rasch auf neue Entwicklungen zu reagieren, ist wichtiger als noch vor einigen Jahren, als sich die Konjunkturerholung in einer früheren Phase befand und Leitzinsanhebungen nicht in Sicht waren. Welche aktiven Rentenfondsmanager es tatsächlich schaffen, die Verluste im Fall einer Konjunkturdelle zu begrenzen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.

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