KolumneAmazon – der große Knall kann kommen

Von Amazon werden gute Zahlen erwartetimago images / Future Image

Die Euphorie an den Börsen kennt kein Limit und ein Blick auf die meist gehandelten Aktien im Januar illustriert dies deutlich. Am Börsenplatz Gettex steht Plug Power weit oben, insgesamt nimmt diese Aktie über alle Börsenplätze hinweg Rang fünf ein. Ohnehin scheinen private Anleger momentan alles handeln zu wollen was irgendwann einmal mit Wasserstoff in Kontakt gekommen ist. Dabei fällt fast unter den Tisch, dass den großen US-Techaktien in den letzten sechs Monaten eher Ruhe an der Börse herrschte. Das kann sich aber ändern.

Erster Kandidat ist der Online-Riese Amazon, dessen Umsatz im vierten Quartal vermutlich alle noch so optimistischen Schätzungen pulverisieren wird. Spekulative Anleger hängen sich mit Hebel 3 und der WKN KB17D7 an die Aktie.

Amazon Aktie

Amazon Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Profitieren werden große Markentitel auch von der schnellen Erholung in China. Von dort kommen ermutigende Signale. Während das BIP im Euroraum wohl 2020 um gut sieben Prozent gefallen ist, meldete China ein Plus von 2,3 Prozent. Vor allem im Schlussquartal brummte die Konjunktur wieder, von Oktober bis Dezember legte Chinas Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,5 Prozent zu. Dies stimmt verhalten optimistisch.

Licht am Ende des Berichtssaison-Tunnels

Analysten sind zumindest mit Blick auf die zur Veröffentlichung anstehenden Ergebnisse für das vierte Quartal zuletzt wieder zuversichtlicher geworden. Ende September wurde noch ein herber Gewinnrückgang bei den Firmen im S&P 500 von knapp 13 Prozent erwartet. Inzwischen liegt die Messlatte bei einem Minus von etwa sieben Prozent. Treffen die Erwartungen zu, würde dies dennoch auf den viertgrößten Ergebnisrückgang gegenüber dem Vorjahr seit dem dritten Quartal 2009 hinauslaufen.

Immerhin könnten die Umsätze um 0,2 Prozent anziehen. Nicht viel, aber es wäre das erste Plus seit dem ersten Quartal 2020. Zudem überraschten die sogenannten Early Reporters zuletzt positiv. Unternehmen, die ihre Bilanzen üblicherweise einige Wochen früher präsentieren, übertrafen in 89 Prozent die Gewinnerwartungen.

Hoffnungsfroh ins Jahr 2021

Insgesamt rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch für das Gesamtjahr 2020 von rund 13 Prozent. Dies wäre der größte Rückschlag seit 2008. Ganz anders sind die Aussichten für das laufende Jahr. Aufgrund der geringen Vergleichsbasis profitieren die Firmen nicht nur über den Basiseffekt, sondern auch über die unterstellte, breite Konjunkturerholung. Um satte 22,5 Prozent sollen die Gewinne anziehen, dies wäre das stärkste Plus seit 2010.

Aus Bewertungssicht bleibt die Lage trotz der unterstellten kräftigen Erholung angespannt. So wird der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate von rund 23 gehandelt. Der Faktor liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 17. Platz für Enttäuschungen ist eigentlich nicht vorhanden, die Unternehmen müssen in den kommenden Wochen liefern. Doch sollte dies nicht passieren und die Wirtschaft schwächeln, steht die Notenbank parat. Und wir alle wissen, dass man die Fed niemals bekämpfen sollte.

Wer jedoch sein gut gelaufenes Portfolio absichern möchte, kann und sollte dies an starken Markttagen durchaus tun – als Beimischung. Dies ist sinnvoll, weil die Absicherungsinstrumente derzeit vergleichsweise preiswert sind, etwa Optionsscheine. „Mit einem Put-Optionsschein können sich Anleger gegen Verluste in Aktiendepots in einem gewissen Umfang absichern, denn sie partizipieren an fallenden Kursen und können damit gegebenenfalls Depotverluste ausgleichen“, erklärt Anouch Wilhelms, Zertifikateexperte der Société Générale. „Dabei sollten Anleger darauf achten, dass ein Portfolio aus Dax-Aktien mit einem Dax-Put abgesichert werden kann“, ergänzt Wilhelms. Ähnliches gilt für die großen US-Hightechwerte, die sich mit einem Nasdaq-Put-Optionsschein absichern lassen. Die passende Kennnummer wäre die VQ3AMD. Wichtig dabei: Absicherungen sollten in ihrer Größe immer zur eigenen Depotgröße passen und nicht zu hoch oder zu niedrig ausfallen.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com