AktieAllianz: Gewinnwarnung erschüttert Anleger

Die Allianz gab eine Gewinnwarnung herausIMAGO / Fotostand

Die Allianz hat vor einem möglicherweise erheblichen Gewinneinbruch gewarnt, nachdem das US-Justizministerium eine Untersuchung ihrer Structured Alpha Funds eingeleitet hat. Wegen der hohen Verluste während der Pandemie stehen diese Fonds im Mittelpunkt von Klagen.

Die Aktie des größten europäischen Versicherungskonzerns brach im Frankfurter Handel ein, nachdem das Unternehmen am späten Sonntag bekannt gegeben hatte, dass es ein Ersuchen um „freiwillige Überlassung von Unterlagen und Informationen“ vom Justizministerium erhalten habe. Die Allianz kooperiere vollumfänglich mit dem Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC, die bereits im vergangenen Jahr Ermittlungen eingeleitet hat. Das Unternehmen werde die Angelegenheit auch selbst überprüfen.

Der Konzern teilte weiter mit, „dass ein relevantes Risiko besteht, dass die mit den Structured Alpha Fonds verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz Gruppe haben könnten“. Es sei jedoch nicht möglich, „die konkreten finanziellen Auswirkungen, einschließlich möglicher Strafzahlungen, zuverlässig abzuschätzen. Daher wurde zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Rückstellung gebildet.“

Die Allianz-Aktie fiel so stark wie seit März letzten Jahres nicht mehr, als die Corona-Pandemie ausbrach. Die Investoren wurden von den neuen Ermittlungen überrascht. Die Vermögensverwalter des Unternehmens, Allianz Global Investors, wehrt sich gegen Klagen großer Pensionsfonds und anderer Investoren, die gegen die Art und Weise vorgehen, wie das Unternehmen während des Corona-Markteinbruchs Kundengelder angelegt hat. Die Allianz erklärte im Februar vor einem Bundesrichter in Manhattan, dass es sich bei den Klägern um erfahrene Anleger handele, die sich mit offenen Augen für hochriskante Privatfonds entschieden hätten.

Allianz Aktie

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Kursanbieter: L&S RT

Die in Florida ansässigen Hedgefonds kauften und verkauften Aktienoptionen, um den S&P 500 Index zu schlagen. Zwei Fonds sind bereits aufgelöst worden, und die Allianz ist dabei, die übrigen abzuwickeln.

Der potenzielle Schaden durch die Klagen verstärkt den Gegenwind, der dem Versicherungskonzern entgegenschlägt, der sich von seinem ersten jährlichen Gewinnrückgang seit neun Jahren erholt. Letzte Woche erklärte das in München ansässige Unternehmen, dass sich die Ansprüche aus der Hochwasserkatastrophe des Sommers in Deutschland möglicherweise auf mehr als 500 Mio. Euro belaufen werden.


Das sagt Bloomberg Intelligence:

Die Warnung der Allianz, dass Fragen im Zusammenhang mit ihren Structured Alpha Funds die Finanzergebnisse erheblich beeinträchtigen könnten, kommt überraschend. Zuvor hatte sich das Unternehmen zuversichtlich gezeigt, dass die Rechtsstreitigkeiten gegen Allianz Global Investors, die die unrentablen Fonds verwaltet, unbegründet seien. Die Gewinnwarnung folgt auf den Beginn einer Untersuchung des US-Justizministeriums, die die Allianz voraussichtlich in Verlegenheit bringen wird und es ihr unmöglich macht, abzuschätzen, was eine mögliche Lösung, einschließlich möglicher Geldstrafen, kosten könnte.

Charles Graham, leitender Versicherungsanalyst.


Die Nachricht wird sich längerfristig auf die Aktie auswirken, da Rechtsstreitigkeiten mit den US-Behörden unangenehm sein können, sagte NordLB-Analyst Volker Sack in einer Notiz und stufte seine Empfehlung von „Kaufen“ auf „Halten“ herab. Die Allianz-Aktie fiel bis 12:02 Uhr im Frankfurter Handel um 7,9 Prozent und war damit der schlechteste Wert unter den großen europäischen Versicherern. Auf Jahressicht liegt die Aktie 3,6 Prozent im Minus.

In ihrem Geschäftsbericht für 2020 erklärte die Allianz, dass die Kläger in den anhängigen Verfahren Verluste in Höhe von mehreren Milliarden Dollar geltend gemacht hätten. „Die Allianz beabsichtigt, sich energisch gegen die in den Klagen erhobenen Vorwürfe zu verteidigen“, hieß es weiter.

Zu den Anlegern, die die Allianz verklagt haben, gehören ein städtischer Pensionsfonds in Milwaukee, das Arkansas Teacher Retirement System, Blue Cross & Blue Shield, eine Chicagoer Teamsters-Pension, die Metropolitan Transportation Authority von New York City und die Lehigh University.

AllianzGI wies letztes Jahr die Behauptungen des Pensionsfonds von Arkansas zurück, dass eine „rücksichtslose Strategie“ innerhalb weniger Wochen zu Verlusten in Höhe von 774 Mio. Dollar geführt habe. Die Fonds im Structured-Alpha-Portfolio seien „nicht von ihrer Anlagestrategie abgewichen“, erklärte AllianzGI im Juli 2020.

Pimco und AGI sind unabhängige Tochtergesellschaften der Allianz. Der Finanzdienstleister wird am 6. August die Ergebnisse für den letzten Berichtszeitraum vorlegen.

Mitarbeit Patrick McHale

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