AktienGute Aussichten für Nebenwerte

Ende Mai fand sich der Chemiekonzern Lanxess plötzlich in einem Duell zweier US-Investmentgrößen wieder. Zunächst war Star-Investor Warren Buffett bei dem Kölner Unternehmen eingestiegen. Für rund 200 Mio. US-Dollar hatte er einen dreiprozentigen Anteil erworben. Kurz darauf eröffnete Hedgefonds-Manager Ken Griffin, dass er für 150 Mio. Dollar auf einen fallenden Kurs der im MDax-notierten Lanxess-Aktie setze. Seitdem fährt der Aktienkurs des Unternehmens Achterbahn. Zuletzt ging es bergab. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – finden Analysten das Lanxess-Papier jetzt interessant.

Lanxess Aktie

Lanxess Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Entwicklung der Lanxess-Aktie steht exemplarisch für die Lage bei Nebenwerten generell. Einerseits haben viele Small- und Mid-Caps auf kurze Sicht nachgegeben. Andererseits sehen Vermögensprofis gute Argumente dafür, jetzt in die Titel zu investieren. Grund für die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und Erwartungen: Die Kurse vieler Nebenwerte waren in den vergangenen Monaten zunächst stark gestiegen, sodass Anleger schließlich Gewinne mitgenommen und der Rally ein vorzeitiges Ende gesetzt hatten. Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass es mittelfristig wieder aufwärts geht.

Nebenwerte profitieren von Fusionen und Übernahmen

Beispielsweise könnten steigende Zinsen in Europa und in den USA Nebenwerten Rückenwind verschaffen, sagt Isabelle de Gavoty, Leiterin des Small-Cap-Investmentteams beim Fondsanbieter Axa Investment Managers (Axa IM). Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins in den USA zuletzt leicht angehoben, ein bis zwei weitere Zinsschritte könnten in den kommenden Monaten folgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt sich zwar noch Zeit. Steigende Zinsen in den USA wirken sich aber auch auf die Anleiherenditen in Europa aus. Historisch betrachtet gebe es einen Zusammenhang zwischen der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen und der Kursentwicklung europäischer Nebenwerte, erklärt de Gavoty. „Wir erwarten, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr fortsetzt, insbesondere, weil auch die Unternehmensgewinne weiter steigen.“

Nebenwerte profitieren darüber hinaus besonders stark von Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A). Grund: Innovative kleine und mittelgroße Unternehmen sind beliebte Übernahmeziele. Auch an dieser Front gibt es Anlass zum Optimismus. Im Januar lagen die Zahl und das Volumen der globalen M&A-Transaktionen so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Mittlerweile hat sich die Übernahmedynamik leicht abgeschwächt, liegt aber nach wie vor auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Zudem haben Anleger viele günstige Investmentgelegenheiten im Nebenwerte-Bereich schlicht noch nicht erkannt, ist de Gavoty überzeugt. „Das hat Vorteile für Investoren, die in der Lage sind, tausende von Aktien aus allen Regionen der Welt zu analysieren, Marktineffizienzen zu identifizieren und für sich zu nutzen“, sagt sie.

Aufschwung spricht für europäische Nebenwerte

Wichtigstes Argument für oder gegen ein Nebenwerte-Investment ist allerdings stets die globale Konjunktur. Small- und Mid-Caps gelten als besonders konjunktursensibel. Läuft die Wirtschaft gut, entwickeln sie sich in der Regel besser als Standardwerte. Läuft es schlecht, fallen ihre Kurse meist überproportional stark. Ökonomen sind uneins, wie sich die weltweite Konjunktur in den kommenden Monaten entwickeln wird. In Europa geht es mittlerweile einigermaßen stabil aufwärts. Dafür droht der Wirtschaftsaufschwung in den USA zu erlahmen. Das Gesamtbild spricht deshalb eher für ein Investment in europäische Nebenwerte.

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