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Wie „Gedankenviren“ die Motivation killen

, Norman Alexander

Auch Führungskräfte kennen Ängste. Norman Alexander erklärt, wie man seine „Gedankenviren“ besiegen kann.

Nachdenklicher Mann
„Gedankenviren“ können Führungskräfte hemmen

Norman Alexander ist Wirtschaftsmentalist, Redner und Autor.  Er hat das 2013 bei Econ erschienene Buch

Norman Alexander ist Wirtschaftsmentalist, Redner und Autor. Er hat das 2013 bei Econ erschienene Buch "Mind-Hacking"geschrieben 


Das Tabuthema Ängste und Blockaden hemmt Führungskräfte in ihrem beruflichen Alltag, auch wenn viele dies nie zugeben würden. Schließlich soll die Fassade einer starken, charismatischen und kompetenten Persönlichkeit nach außen gewahrt werden.

Zum einen hat man als Führungskraft die Eigentümer im Nacken und versucht deren Erwartungen zu erfüllen. Zum anderen muss der Auftritt gegenüber den Mitarbeitern stimmen. Wer vertraut schon einer Person und lässt sich gar von ihr führen, wenn diese entscheidungsschwach oder gar unsicher wirkt?

„Gedankenviren“ bei Führungskräften

Laut verschiedener Erhebungen rangiert die Angst, vor Menschen zu sprechen, weit oben auf der Liste der am meisten verbreiteten Phobien. Erst einige Plätze darunter steht die Angst vor dem Tod. Demnach muss es für den Redner bei einer Beerdigung schlimmer sein, die Grabrede zu halten, als selbst im Sarg zu liegen.

Diese und ähnliche soziale Phobien sind auch unter Führungskräften präsent. Manager orientieren sich nach Leistung und Ergebnissen. Die Angst, diese nicht erbringen zu können oder gar zu versagen ist daher am meisten verbreitet. Eine Rede vor den Mitarbeitern zu halten oder die Beantwortung von kritischen Fragen vor der Presse wird damit zur Qual. Manche befürchten, sich in Mitarbeitergesprächen oder auch in Verhandlungssituationen nicht durchsetzen zu können. Andere haben Hemmungen, Entscheidungen zu treffen und die damit verbundene Verantwortung zu übernehmen.

Dahinter steht die Angst, Fehler zu machen, den Überblick zu verlieren und den Erwartungen anderer nicht gerecht werden zu können. Mit dem Aufstieg auf der Karriereleiter ist ein gewisser Status erreicht. Ansehen, Macht und ein gutbezahlter Job sind Dinge, die man ungern wieder verlieren möchte. Ein Gefühl der Unsicherheit macht sich breit.

Negative Emotionen hemmen Denken und Handeln

Angst ist eine denk- und handlungshemmende Emotion, die sich wie ein Virus in unseren Gedanken festsetzt und dadurch die Motivation killt. In Mitarbeiter- und Verhandlungsgesprächen besteht keine reale Gefahr. Und dennoch fährt die Angst im Boot mit.

Die Auswirkungen zeigen sich in Verhaltensveränderungen. Einige reagieren aggressiv und geben sich überzogen selbstbewusst. Andere weichen aus und versuchen Entscheidungen hinauszuschieben, um die Verantwortung nicht übernehmen zu müssen. Man beschäftigt sich dann mit Nebenschauplätzen, die weniger wichtig sind. Hier scheint es, dass man dort weniger Fehler machen könnte. Manche versuchen sich auch unsichtbar zu machen und tauchen ab, was sich darin zeigt, dass man schwierigen Gesprächen oder auch Konflikten aus dem Weg geht.

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„Gedankenviren“ sind oft tiefsitzend

Es gibt Führungskräftetrainings, um Techniken für Kommunikation, Verhandlungen, Mitarbeiterführung, Präsentation und andere Bereiche zu erlernen. Dies ist auch wichtig, kann die Angst aber nicht nehmen, wenn auf der mentalen Ebene keine Veränderungen stattfinden und der Gedankenvirus noch im Unterbewusstsein festsitzt. Die Ursache dafür ist ein falsches Selbstbild.

Jeder unserer Gedanken löst eine Körperreaktion aus, was man auch als Ideodynamik bezeichnet. Ein einfaches Beispiel: Wenn jemand nur so tut, als würde er mit seinen Fingernägeln über eine Tafel kratzen, spüren wir sofort eine sensorische Reaktion. Wir bekommen eine leichte Gänsehaut, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich intensiv ausgeprägt ist. Das alles passiert jedoch nur in unserem Kopf.

Wie uns das Selbstbild beeinflusst

Wenn die Gedanken darum kreisen, dass wir scheitern könnten, eine Entscheidung möglicherweise falsch ist oder dass wir uns nicht durchsetzen können, dann wirken sich diese Gedanken auf unsere Körperhaltung, Gestik, Mimik, Stimme und das gesprochene Wort dementsprechend negativ aus. Das bemerkt auch das Gegenüber. Immer dann, wenn Menschen sich begegnen, schätzen sich die Gesprächspartner unbewusst gegenseitig ein.

Ganz automatisch nehmen wir wahr, ob unser Gegenüber Sicherheit und Souveränität ausstrahlt, kompetent wirkt und wir ihm vertrauen können. Letzteres ist besonders in der Führung von Mitarbeitern wichtig.

Hack your mind

Eine stabile Persönlichkeit ist die Voraussetzung für gute Führung. Daher ist es wichtig, die negativen Überzeugungen zu löschen und zu hinterfragen, was man wirklich will. Eine Frage, die nicht jeder sofort beantworten kann. Die meisten Menschen wissen nicht, was sie wollen. Sie wissen oftmals eher, was sie nicht wollen und konzentrieren sich darauf.

Führungskräfte sollten sich daher ihrer Ziele klar werden und überlegen, wie sie diese erreichen wollen. Erstellt man sich nun hieraus ein gedankliches Bild und verankert dieses im Unterbewusstsein, spiegelt es sich im Verhalten wieder. Die Führungskraft nimmt nun entspannter Herausforderungen an und kann mit klarem Blick auch die Dinge tun, die vorher durch ungute Gefühle das Denken eingeengt haben. Sie fühlt sich endlich frei und das bemerken auch die Mitarbeiter.


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