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Es fehlt die modische Leichtigkeit

, Siems Luckwaldt

Lapo Cianchi, Chef der wichtigsten Männermodemesse Pitti Uomo, über italienischen und deutschen Stil

Männermodemesse Pitti Uomo © ddp Images
Beinkleider auf der Pitti Uomo

Lapo Cianchi ist Chef des Messeveranstalters Pitti Imagine in Florenz. Dessen Flagschiff-Event ist die seit 1972 stattfindende Pitti Uomo, die weltweit wichtigste Messe für Männermode. Lapo Cianchi ist Chef des Messeveranstalters Pitti Imagine in Florenz. Dessen Flagschiff-Event ist die seit 1972 stattfindende Pitti Uomo, die weltweit wichtigste Messe für Männermode.


Capital: Lapo Cianchi, wie lautet ihr „Elevator Pitch“ zur Pitti Uomo in Florenz?

Lapo Cianchi: Ein Event mit 1200 Ausstellern in 30 Sekunden – da muss ich überlegen. International, klar, und sehr inspirierend. Außerdem eine reizvolle Verbindung der Herrenmode mit dem Lebensstil von Florenz: hervorragendes Essen und sagenhafte Kunst. Mancher Besucher ist (s)eine eigene Modenschau.

Wie hat sich die Männermode in den letzten Jahren verändert?

Alter ist zu einer Frage des persönlichen Geschmacks geworden. Heute kleiden sich 50-jährige Männer wie früher die Thirtysomethings. Dagegen laufen mein Sohn und seine Kumpel mit viktorianischen Bärten herum. Sie recherchieren akribisch, ehe ein Teil in ihren Kleiderschrank wandert. Sie suchen nach handwerklicher Finesse, nach Authentizität, der Story hinter einem Produkt, nach Einzigartigkeit.

Welche Trends werden die Saisons 2016 und 2017 dominieren?

Dazu gehören definitiv die „New Makers“, also Marken, die leidenschaftlich um handwerkliche Perfektion ringen, sich um soziale Arbeitsbedingungen sorgen und in ihrer Heimat produzieren. Dann ist „Street Luxury“ ein Thema: Moderne Alltagsmode, von Subkulturen beeinflusst, die Luxuslabels in edle Materialien übersetzen. Und schließlich entdeckt die Sportswear ihre formelle Seite, indem die Designer deren funktionale „Seele“ in die Formensprache des Laufstegs verpacken.

Wie würden Sie italienischen Stil beschreiben?

Italiener sind zugleich an eleganter Herrenschneiderei und sportlichen Outfits interessiert. Das Ganze gern mit einem Twist. Wir spielen weder auf Nummer Sicher noch umarmen wir die Avantgarde. Eigentlich finde ich uns sogar recht konservativ. Nicht zu vergessen: Durch das sonnige Wetter sind wir gewöhnt, dass unsere Garderobe meist öffentlich sichtbar ist.

kein Fashion Victim

Welche modischen Eigenschaften attestieren Sie deutschen Männern?

Sie sind durchaus experimentierfreudig, vor allem die jüngere Generation. Es fehlt vielleicht manchmal die Leichtigkeit, das modische Selbstvertrauen. Doch die Lust auf Mode stärker zu spüren als noch vor fünf oder zehn Jahren. Nicht umsonst ist Germania nach Italien der wichtigste Markt für Mode „Made in Italy“. Wenn ich auf einem deutschen Flughafen lande, fällt mir das modisch zunehmend seltener auf.

Ein Schlagwort bestimmt alle Kollektionen: die „Casualisierung“. Wo liegen die Grenzen der neuen Lässigkeit?

Wenn es einen Dresscode gibt, sollte man sich daran halten. Auch wenn die neuen Jogginghosen noch so schick und Sakko-kompatibel sind. Das ist weniger ein Zwang als der Respekt vor den Kollegen. Nur: Den eigenen Stil und seine Persönlichkeit, das ist wichtig, sollte niemand einer Uniform opfern. Glücklicherweise bietet Businessmode heute so viele Graustufen, dass sich jeder Mann perfekt gekleidet und wohl fühlen kann!

Verraten Sie uns Ihre eigenen Stilregeln.

Obwohl ich in der Modebranche arbeite bin ich kein Fashion Victim. Ich weiß einfach, was zu mir passt, zu meinem Job, meiner Biographie. Alles andere wäre Schauspielerei und lächerlich. Im Grunde bin ich noch immer das Kind der 1970er und der Profischwimmer von damals, ich mag daher Business Casual. Mein Rat: Bleib dir treu, interessiere dich für andere – und nimm deine soziale Rolle ernst!

Schuhputz mit Hingabe

Sie sprachen die Seventies an: Wer war Ihr Held aus Teenietagen?

Robert Redford! In allen seinen Filmen, vor allem in „Butch Cassidy & Sundance Kid“ und „Jeremiah Johnson“. Er hat noch heute diese jugendliche Dynamik und ist absolut sympathisch.

Welche Schätze hüten Sie in Ihrem Kleiderschrank?

Meine Schuhe. Ich besitze nur schwarze und braune, ganz klassische Modelle von Traditionsmarken wie Church’s, Heschung und Grenson. Die putze ich mit großer Hingabe, eine von wenigen Haushaltsaufgaben, die ich übernehmen kann. Rein zeitlich.


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