• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kommentar

Menschenrechte sind bares Geld wert

, Markus Löning

Wenn Unternehmen ihre Lieferketten ethisch überprüfen, geht es nicht nur um Nächstenliebe. Auch der Geschäftserfolg kann davon abhängen. Von Markus Löning

Markus Löning © Heinrich-Böll-Stiftung - Flickr: Markus Löning


Markus Löning 
leitet seit Anfang 2014 die Beratungsgesellschaft „Löning – Human Rights & Responsible Business“. Davor war der FDP-Politiker knapp vier Jahre Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung.


Sind Menschenrechte das neue CO2 für Unternehmen? Etwas erschreckt konfrontierte mich neulich ein mittelständischer Unternehmer mit dieser Frage. Der „Guardian“ hatte über Sklavenarbeit, unmenschliche Arbeitsbedingungen und Tote an Bord von thailändischen Garnelenkuttern berichtet. Die Garnelen landen in den Regalen von Carrefour, Walmart oder Tesco.  Plötzlich fanden sich die drei Handelsketten inmitten einer heftigen öffentlichen Debatte wieder und erlitten einen erheblichen Reputationsschaden.

Einstürzende Fabriken in Bangladesh, Polizeigewalt gegen streikende Textilarbeiter in Kambodscha oder Kinderarbeit bei der Kakaoernte: Berichte über verheerende Arbeitsbedingungen finden große Medienresonanz. Und immer lautet die erste Frage: Sind deutsche Firmen beteiligt?

Unternehmen bauen mit viel Arbeit Vertrauen bei Verbrauchern und Geschäftskunden auf. Zeit und Geld werden investiert um Reputation und Markenwerte zu schaffen. Skandale können diesen guten Ruf in kurzer Zeit zerstören und nachhaltig belasten.

Menschenrechtsgruppen und Journalisten arbeiten mit großem Aufwand an Recherchen von Arbeitsbedingungen in Schwellenländern, die sie anschließend erfolgreich in den Medien platzieren. Fernsehsender strahlen zur besten Sendezeit Augenzeugenberichte von unmenschlichen Arbeitsbedingungen aus.

Zwang zu mehr Transparenz

Menschenrechtsgruppen und Journalisten arbeiten mit großem Aufwand an Recherchen von Arbeitsbedingungen in Schwellenländern, die sie anschließend erfolgreich in den Medien platzieren. Fernsehsender strahlen zur besten Sendezeit Augenzeugenberichte von unmenschlichen Arbeitsbedingungen aus.

Diese Reportagen unterstützen den ohnehin vorhandenen Trend, dass Verbraucher von Unternehmen mehr Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung erwarten.

Aber auch institutionelle Anleger verlangen von Handel und Herstellern mehr Transparenz und wollen gut implementierte Nachhaltigkeitsstrategien sehen. Anleger verstehen immer mehr, dass Nachhaltigkeit z.B. das Risiko von Produktionsausfällen, Streiks und Klagen deutlich verringert. Gleichzeitig wird die Reputation geschützt und damit Markenwerte und Marktanteile.

Auch der Gesetzgeber dreht an der Transparenzschraube. Mit der Umsetzung der EU-Bilanzrichtlinie in deutsches Recht müssen größere Unternehmen Strategien und Ergebnisse zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Beachtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption darstellen und zu risikobezogenen Aspekten berichten.

Problem bei komplexen Lieferketten

Wie weit also reicht die Verantwortung der Unternehmen? „Es ist, als hätte mir jemand zum Frühstück einen Elefanten auf den Tisch gelegt.“ So beschrieb ein Manager mir seine Schwierigkeit sich zu orientieren. Welche menschenrechtliche Verantwortung hat denn nun mein Unternehmen? Wie weit müssen wir in der Lieferkette zurückgehen? Was haben wir damit zu tun? Muss nicht der Staat die Einhaltung der Gesetze kontrollieren? Gerade für mittelständische Unternehmen mit globaler Wertschöpfung stellen sich diese Fragen angesichts begrenzter eigener Kapazitäten in großer Schärfe.

Unternehmen sollten sich von der Unübersichtlichkeit der Situation nicht erschrecken lassen. Im Kern geht es darum den Blick etwas weiter über den unmittelbaren eigene Betrieb zu heben und zu schauen was in den eigenen Betrieben, bei den unmittelbaren Zulieferern und im Umfeld passiert. Und wie sonst auch, kann und sollte man Schritt für Schritt vorgehen. Gerade bei komplexen Lieferketten sind Risiken nicht umfassend innerhalb von ein paar Wochen zu erfassen und zu lösen. Ohne Expertise und einen unvoreingenommenen Blick von außen ist das allerdings nur schwer zu leisten.

Mit den „Uno-Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ ist ein Verantwortungsrahmen gesteckt. Er zeigt, wo die unternehmerische Verantwortung liegt und wie sie sich von staatlichen Aufgaben abgrenzt.

Gesetzestreue reicht oft nicht

Unternehmen sollten sich gut überlegen, ob sie das Thema nur defensiv angehen wollen.

Denn „nur“ das Gesetz zu beachten, birgt das Risiko korrekt gehandelt zu haben und trotzdem einen Reputationsschaden zu erleiden. Eine deutsche Lebensmittelfirma musste im letzten Jahr erleben, dass ein Landkauf in Afrika zu großem Ärger, Reputationsproblemen und Folgekosten führte, weil sie nicht mit der gebotenen Sorgfalt die politischen und sozialen Rahmen­bedingungen und vor allem die Vorgeschichte des erworbenen Landes recherchiert hatte.

Die unternehmerisch klügere Entscheidung ist, das Thema menschenrechtliche Verantwortung aktiv anzugehen und für einen Modernisierungsschub zu nutzen. BMW ist ein Beispiel dafür, wie man mit einer integrierten Nachhaltigkeitsstrategie Unternehmensabläufe optimiert und gleichzeitig die eigene Marke aufwertet.

Die Entwicklung einer fundierten Nachhaltigkeitsstrategie stellt vieles auf den Prüfstand. Neue Fragen müssen in Managementprozesse integriert werden, Lieferketten geprüft und überdacht werden. Das gibt die Chance menschenrechtliche Kriterien in betriebswirtschaftliche Überlegungen einzuflechten und Abläufe zu optimieren.

Eine gute und konsequente Nachhaltigkeitsstrategie macht zukunftsfähig, ist profitabel und sichert Betriebsergebnisse ab, denn sie minimiert Risiken und modernisiert Abläufe und Produkte.


Artikel zum Thema