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  • Gastkommentar

Die digitale Bildung stärken

, Peter Liggesmeyer

Die Digitalisierung hat unsere Welt umgekrempelt. Deswegen wird es Zeit, auch unsere Ausbildung umzukrempeln.


Peter Liggemeyer ist Inhaber des Lehrstuhls „Software Engineering: Dependability“ an der Technischen Universität Kaiserslautern und Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI).


„Digitale Spaltung verhindern – Schulinformatik stärken!“– so lautete der Titel eines Memorandums, das die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) als die größte unabhängige Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum bereits im Jahr 2004 zur Stärkung der Informatik an Schulen veröffentlicht hat.

Den dort kommunizierten Feststellungen und Forderungen ist auch heute – 10 Jahre später – leider kaum etwas hinzuzufügen. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen verändert: Die Notwendigkeit, fundierte Informatik-Kenntnisse früh zu vermitteln und damit einen sicheren Einstieg in eine im täglichen Leben unverzichtbare Kompetenz zu ermöglichen, ist gegenüber der Situation vor 10 Jahren noch wichtiger geworden. Es ist abzusehen, dass diese Entwicklung weiter anhalten wird. Leider wird die Bedeutung der Informatik in der schulischen Bildung nach wie vor nicht ausreichend berücksichtigt. Das Festhalten an althergebrachten Lehrinhalten ist erklärbar: Die meisten komplizierten Systeme verfügen über ein ausgeprägtes Beharrungsvermögen. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. So hat das Vereinigte Königreich durch die Einführung von Informatik als grundlegendes Pflichtfach bewiesen, dass die Umsetzung lang erkannter Notwendigkeiten auch in komplexen Systemen möglich ist. Es ist an der Zeit, in diesem Sinne in Deutschland nachzuziehen. Es gilt, einer „digitalen Spaltung“ unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.


Deswegen fordern wir:

1. Einführung eines durchgängigen Pflichtfaches Informatik mindestens ab der Sekundarstufe I

Ziel dieses Faches muss es sein, den Schülerinnen und Schülern auf altersgemäße Weise Kenntnisse über die grundlegende Funktionsweise von Informatiksystemen zu vermitteln, die ihnen eine effiziente Nutzung, einen verantwortungsvollen Umgang sowie eine Abschätzung der prinzipiellen Chancen und Risiken moderner Informatiksysteme ermöglichen. Diese Fähigkeiten werden in unserer Informationsgesellschaft eben nicht mehr nur von ausgebildeten IT-Spezialisten verlangt, sondern zunehmend von jeder und jedem Einzelnen. Die Gesellschaft für Informatik hat bereits im Jahre 2000 ein Konzept vorgelegt, das die Ziele und Inhalte eines solchen Faches bis ins Detail beschreibt.

Nur mit einem speziellen Schulfach „Informatik“ können grundlegende Methoden und Sichtweisen bereitgestellt werden, die ein Verständnis von Informations- und Kommunikationssystemen erst ermöglichen. Diesen Bildungsbeitrag vermag kein anderes Fach zu leisten.

2. Verankerung der Informatik in der gymnasialen Oberstufe

In allen gymnasialen Oberstufen muss sichergestellt werden, dass über alle Jahrgangsstufen hinweg regelmäßig Kurse im Fach Informatik nach einem verbindlichen Lehrplan angeboten werden. Die Profilierung von Schulen durch Leistungskurse im Fach Informatik muss unterstützt werden. Nur so können besonders begabte und interessierte Schülerinnen und Schüler rechtzeitig gefördert werden.

3. Zulassung von Informatik als vollwertiges Prüfungsfach in allen Abschlussprüfungen

Solange Informatik an einer Schulart nicht im Kanon der Prüfungsfächer vertreten ist, wird es dort lediglich als zweitklassiges Fach wahrgenommen. Die Schülerinnen und Schüler sind dann oft nicht bereit, diesem Fach einen ausreichenden Anteil an Arbeitszeit und Lernenergie zu widmen.

4. Erteilung von Unterricht im Fach Informatik nur durch ausgebildete oder entsprechend weitergebildete Lehrkräfte

Wie in jedem anderen Schulfach setzt eine erfolgreiche Lehrtätigkeit eine solide universitäre Aus- oder Weiterbildung in Fachwissenschaft und Fachdidaktik voraus. Nur durch eine solche Ausbildung können Lehrkräfte in die Lage versetzt werden, die Fachkonzepte didaktisch aufzubereiten und zu vermitteln sowie die Fachsprache und die Fachmethoden korrekt zu gebrauchen. Die Erfahrungen mit ausgebildeten Informatiklehrkräften zeigen zudem eindeutig, dass diese dem sehr schnelllebigen technischen Fortschritt selbstbewusst gegenüberstehen und in der Lage sind, die Bedeutsamkeit für den Informatikunterricht einzuschätzen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihren Unterricht zu ziehen.


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