• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Aktien

50 Aktien fürs Leben

, Christian Kirchner

Capital hat die Entwicklung von 1800 Aktien über 25 Jahre analysiert - und die besten Werte für langfristige Anleger ermittelt.

Tiffany-Anhänger als Kurschart gelegt
130 Euro kostet ein einfacher Tiffany-Anhänger: Wollen Sie den aus der Dividende finanzieren, müssen Sie Aktien im Wert von 8000 Euro erwerben. - Foto: Antonios Mitsopoulos

Es war eine einzige Filmszene von gut einer Minute Länge, die Audrey Hepburn 1961 zu einer Stilikone werden ließ – und einen Juwelier in der New Yorker Fifth Avenue zu einem der bekanntesten Läden der Welt. In der Rolle der flatterhaften Holly Golightly steigt Hepburn in einem engen, schwarzen Kleid aus einem Taxi, um mit Blick auf die exklusiven Schaufensterauslagen ihr „Frühstück bei Tiffany“ einzunehmen.

Die Filiale ist bis heute ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen, der Markenname steht als Synonym für Luxusgüter von Verlobungsringen (die ein Viertel der Umsätze ausmachen) bis hin zum Diamantcollier für mehr als 1 Mio. Euro. Und weil jeden Morgen genügend Menschen aufstehen, die Heiratsabsichten, ein schlechtes Gewissen oder beides haben, laufen die Geschäfte bei Tiffany seit Jahrzehnten glänzend.

Die Anteilscheine des Schmuckunternehmens zählen denn auch zu den 50 besten Aktien der Welt, die Capital aus 1800 Aktien in einem aufwendigen Verfahren herausgefiltert hat (Methodik siehe unten). Geprüft wurden die jeweils 600 größten Titel Nordamerikas, Europas und Asiens, die im Index Stoxx Global 1800 zusammengefasst sind. Anstatt wacklige Prognosen über künftige Umsätze und Gewinne zu treffen, ging Capital bei der Analyse drei zentralen Fragen nach, die vor allem risikoaversen Anlegern besonders wichtig sind.

Erstens: Welche Unternehmen haben in den vergangenen 25 Jahren verlässlich Dividenden gezahlt und ihre Aktionäre über mehrere Konjunkturzyklen hinweg am Geschäftserfolg beteiligt? Benjamin Graham, Erfinder der substanzorientierten Aktienanalyse und Vorbild von Starinvestor Warren Buffett, brachte es in seinem bereits 1949 erschienenen Buch „The Intelligent Investor“ auf den Punkt: „Einer der überzeugendsten Tests hoher Qualität von Firmen ist eine ununterbrochene Historie von Dividenden, die sehr viele Jahre zurückreicht.“

Zweitens: Welche dieser Aktien haben seit 1990, also über zwei der schlimmsten Börsencrashs der Geschichte hinweg, Kursverluste binnen 15 Jahren wettgemacht und binnen zehn Jahren nie mehr als ein Viertel ihres Werts verloren?

Und drittens: Welche dieser Aktien sind mit Blick auf Ausschüttungsquote, Verschuldung, Cashflow und Bewertung künftig am ehesten in der Lage, einen starken Konjunktureinbruch zu meistern?

Die 50 Titel, die Capital ermittelt hat, erfüllen alle diese Kriterien – und brachten Anlegern über das vergangene Vierteljahrhundert eine durchschnittliche Rendite von immerhin 13,3 Prozent.

Diese Entwicklung lässt sich natürlich nicht linear in die Zukunft fortschreiben. Doch Aktien, die in der Vergangenheit Börsenstürme überstanden und die Herausforderungen durch Globalisierung und Digitalisierung gemeistert haben, besitzen sehr gute Chancen, auch in den kommenden Jahren für Aktionäre Kursgewinne und attraktive Dividenden zu erwirtschaften – bei vergleichsweise geringem Risiko.

Angaben zur Methodik finden Sie auf der nächsten Seite

[Seitenwechsel]

So wurde gerechnet

Umsatz- und Gewinnprognosen helfen nur bedingt bei der Auswahl von Aktien, die ihren Besitzern langfristig Freude bereiten. Der Capital-Test filtert Unternehmen heraus, die kontinuierlich und solide wirtschaften.

Insgesamt 1800 Aktien gingen in die Berechnung ein – die jeweils 600 größten und liquidesten Titel aus Nordamerika, Europa und der Region Asien/Pazifik (Stoxx North America 600, Stoxx Europe 600 und Stoxx Asia/Pacific 600). Diese Papiere stellen knapp drei Viertel der gesamten Börsenkapitalisierung weltweit dar und sind aufgrund ihrer Größe leicht handelbar. Gerechnet wurde jeweils in Landeswährung.

Filter eins: Dividendenkontinuität

Die wichtigste Frage zuerst: Welche Titel sind seit mindestens 25 Jahren am Kapitalmarkt gelistet und haben in diesem Zeitraum – also über mehrere Konjunktur- und Börsenzyklen sowie zwei Crashs historischen Ausmaßes hinweg – die Dividende nie gekürzt oder gar gestrichen? Beide Kriterien stellen sicher, dass die Unternehmen Aktionäre über Konjunkturzyklen hinweg angemessen am Erfolg beteiligen.

Filter zwei: Dividendenrendite

In einem zweiten Schritt wurden alle Unternehmen mit Dividendenrenditen von weniger als einem Prozent ausgesiebt. Hintergrund: Wer selbst sechs Jahre nach dem letzten Börsen- und Konjunkturtief seine Aktionäre nicht angemessen am Gewinn beteiligt, beweist keine Langzeittauglichkeit.

Filter drei: Ausschüttungsquote 

Der Anteil der Dividende am ausschüttungsfähigen Gewinn durfte im Schnitt der letzten fünf Jahre 60 Prozent nicht überschreiten. Die Logik dahinter: Firmen, die stets einen Finanzpuffer zurückhalten, sind mutmaßlich auch dann noch in der Lage, eine angemessene Dividende zu zahlen, wenn die Konjunktur schwächelt und die Gewinne zurückgehen.

Filter vier: Verlustgrenzen

Über sämtliche Zehn-Jahres-Zeiträume seit 1990 durften die geprüften Werte nicht mehr als 25 Prozent ihres Werts einbüßen. Über alle 15-Jahres-Zeiträume mussten die Aktien inklusive Dividende etwaige Verluste aufgeholt haben. In einer so langen Frist sollte sich ein solide wirtschaftendes Unternehmen erholt haben. 

Filter fünf: Verschuldungsgrad

Das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital, auch Verschuldungsgrad genannt, durfte 200 Prozent nicht übersteigen, das Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht fünf. Nur Firmen, die nicht zu stark verschuldet sind, können starke Zinsanstiege, Umsatzeinbrüche oder Verluste meistern.

Filter sechs: Kurs-Cashflow-Verhältnis

Diese bilanziell kaum zu fälschende Kennziffer durfte den Wert 20 nicht übersteigen. Sie stellt sicher, dass einer Firma gemessen am Kurs ausreichend freie Mittel zufließen.

Filter sieben: Gewinnaussichten

Im Schnitt aller Analystenschätzungen darf kein Rückgang der Gewinne für die kommenden fünf Jahre erwartet werden. Das schließt Vertreter schrumpfender Branchen aus.

Filter acht: Bewertung/Gewinndynamik

Bei soliden Unternehmen ist die Bewertung (gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV) nicht viel höher, als es die erwartete Gewinndynamik zulässt. Dieses KGV-Wachstums-Verhältnis durfte den Wert fünf nicht übersteigen. Unternehmen mit einem fünfprozentigen Gewinnwachstum pro Jahr können also maximal ein KGV von 25 aufweisen. Die nach den vorherigen Filtern verbliebenen Titel mit dem niedrigsten Kurs-Wachstums-Verhältnis bilden die Top 50. 

50 Aktien fürs Leben ist zuerst in Capital 06/2015 erschienen. Interesse an Capital? Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


Artikel zum Thema
Autor
  • Kolumne
Verglichen, verhandelt, verzockt

Strom- und Handyanbieter stellten Banken weit in den Schatten – zum Leidwesen gerade sozial schwacher Verbraucher. Von Christian KirchnerMEHR

  • Interview
"Die meisten verbrennen mit Kunst Geld"

Thomas Kellein, Kunstberater der Berenberg Bank, über Kunst als Investment und die Mär der hohen Sachwertrenditen.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.