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Deutsche Post will FinTechs plätten

, Jens Brambusch

Der ehemalige Staatskonzern soll seine Monopolstellung ausnutzen, um Wettbewerber beim sogenannten Video-Identverfahren auszubooten

Wer ein Konto eröffnen will, muss sich identifizieren. Zum Schutz vor Geldwäsche © Getty Images
Wer ein Konto eröffnen will, muss sich identifizieren. Zum Schutz vor Geldwäsche

Die Deutsche Post kämpft mit harten Bandagen um ihr Geschäft mit Identifikationsverfahren. Der einstige Staatskonzern soll sein Monopol bei der bisher üblichen Legitimation in Postfilialen („Post-Ident“) nutzen, um neue Wettbewerber mit Videoverfahren aus dem Markt zu drängen, erfuhr Capital aus Bankenkreisen. Sollten Banken nicht zum neuen Videoangebot der Post wechseln, würden die Kosten für das Post-Identverfahren steigen, hieß es.

Intern ist bei Banken von „einer Art Erpressung“ die Rede. Die Post biete einen Kombi-Vertrag für beide Dienstleistungen an. Ein Kartellrechtsanwalt hält das für "wettbewerbswidrig". Auf Capital-Anfrage widersprach die Post und erklärte, ihr Angebot befinde sich „unserer Überzeugung nach“ im Einklang mit dem Wettbewerbsrecht. Die Post biete ihren Geschäftskunden im Bereich Identitätsmanagement eine breite Auswahl an Leistungen an. Kein Verfahren werde dabei preislich bevorzugt. Allerdings spricht die Post von möglichen „Prozesskosten-Effizienzen“, die an die Kunden weitergegeben werden könnten.

Erst Ende Juni wurden Vorwürfe in einem anderen Bereich gegen die Post laut. Die Bundesnetzagentur wirft dem Dax-Konzern Dumping bei Werbebriefen vor. Die Preise der Post würden den Markt teilweise um mehr als die Hälfte unterbieten, kritisiert die Bundesbehörde. Ziel sei es, Wettbewerber vom Markt zu verdrängen.

Sicherer als der Gang zur Filiale

Ein Identverfahren ist immer dann nötig, wenn man beispielsweise online ein Konto eröffnen, einen Kredit beantragen oder eine Kreditkarte ordern will. In dem Markt werden jährlich rund 200 Mio. Euro Umsatz gemacht. Bis zur Einführung des Video-Identverfahrens war der Gang zur Postfiliale die einzige Alternative zur Legitimation in einer Bankfiliale. Gerade bei Direktbanken ohne Filialnetz wie der IngDiba mit über 500.000 Neukunden im Jahr ist das Identverfahren ein lohnendes Geschäft. Noch gehen etwa 80 Prozent der Kunden in die Postfilialen, um sich zu identifzieren. Doch das Verfahren per Video wird immer beliebter und gilt bei Experten zudem als sicherer. Derzeit wird es etwa zwei Millionen Mal im Jahr genutzt.

Das Video-Identverfahren wurde im Frühjahr 2014 von der Bafin zugelassen. Als Pionier gilt die Berliner WebID Solutions. Das FinTech hat 60 Kunden aus der Finanzbranche wie Deutsche Bank, DKB oder Barclaycard. Täglich führt WebID um die 3000 Identifizierungen per Video durch. Nach Capital-Infomationen hatte die Post 2014 versucht, das Unternehmen zu kaufen. Doch WebID lehnte ab.

Speziell ausgebildete Mitarbeiter

Das Kaufinteresse der Post bestätigte WebID-Geschäftsführer Thomas Fürst. Zu Details wollte er sich aber nicht äußern. Allerdings befürchtet er, dass WebID mit seinen mittlerweile 160 Mitarbeitern vom Markt verdrängt werden soll. Dabei erfüllt sein Unternehmen auch die im Juni nochmals verschärften Anforderungen der Bafin für das Verfahren. „Es ist traurig, wenn die jahrelange und kostenintensive Arbeit innovativer FinTechs von dem Monopolisten zunichte gemacht wird“, sagt Fürst. Auch andere Anbieter blicken mit Sorge auf die Entwicklung und wollen nicht mit Namen zitiert werden. „Die Post ist streitsüchtig. Das kann die Existenz kosten“.

Geldwäscheexperten des Landeskriminalamts bescheinigen dem Unternehmen eine tadellose Arbeit. Das Video-Identverfahren sei „3000 Mal sicherer“ als das Verfahren in einer Postfiliale. Speziell ausgebildete Mitarbeiter seien in der Lage, Dutzende Parameter zu prüfen. Ziel müsse es sein, dass das Video-Identverfahren zum Standard werde, um eine möglichst sichere Geldwäscheprävention zu garantieren.

Wüstenrot setzt Verfahren aus

Ende Juni wechselte bereits die Wüstenrot von WebID zur Post. Zum 23. Juli hat auch die IngDiba den Vertrag gekündigt. Gründe für den Wechsel zur Post und Details zu deren Preisgestaltung wollen beide Unternehmen nicht nennen. Die IngDiba bittet um Verständnis dafür, „dass wir uns hierzu aktuell nicht äußern möchten.“

Wüstenrot hat nun ein Problem. Seit dem Wechsel zur Post ist das Angebot zur Video-Identifikation ausgesetzt, wie die Bausparkasse bestätigt. Grund sei das Bafin-Rundschreiben von Mitte Juni, das nun intensiv geprüft und ausgewertet werde. Es ist nicht sicher, ob die Post die erforderlichen Kriterien erfüllen kann. „Das Bafin-Rundschreiben wirft für uns ebenso wie für die gesamte deutsche Kreditwirtschaft einige Fragen auf“, teilt die Post mit. Deshalb könne sie die „Verunsicherung bei unseren Geschäftskunden und den vereinzelten Wunsch nach Aussetzung des Videoidentifizierungsverfahrens nachvollziehen“. Allerdings gehe die Post davon aus, dass sie den Anforderungen der Bafin entspreche. Bestätigen könne das nur die Aufsichtsbehörde. Und auf diese Bestätigung warte die Post noch.

Für Wüstenrot bedeutet das: „Bis zu einer Wiedereinführung des Video-Identverfahrens können unsere Kunden weiterhin über die bewährten Wege des Post-Identverfahrens (…) eine Legitimation zur Kontoeröffnung vornehmen“, teilt die Bausparkasse mit. Der Post kann das nur Recht sein.


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