GastbeitragWo steht Deutschland bei der Blockchain-Technologie?

Symbolbild Blockchain
Symbolbild BlockchainPixabay

Ein Dokument – zahlreiche Implikationen. In Berlin wird zurzeit intensiv über die Blockchain-Technologie diskutiert. Noch im Jahr 2019 soll eine fertige Strategie inklusive Gesetzgebung für den Umgang mit der Blockchain-Technologie durch die Bundesregierung in Form gegossen werden. Die Technologie hat es nun also geschafft, „C-Level Coverage“ in der politischen Sphäre zu bekommen. Vor kurzem hat die Bundesregierung auch schon erste Ideen und Anhaltspunkte zur Blockchain-Strategie in Form eines ausführlichen und zur öffentlichen Konsultation bereitgestellten Fragebogens vorgelegt. Dies ist überraschend und positiv zugleich, wenn man bedenkt, dass die übliche Diskussion über die Digitalisierung im öffentlichen Raum vorwiegend das Einscannen von Akten vorsieht und ein minutenlanges, stabiles Telefongespräch in einem deutschen Zug aufgrund unendlicher Funklöcher faktisch nicht möglich ist. Was die Blockchain-Technologie angeht, scheint der Staat weitaus früher zu liefern als erwartet, denn die meisten Akteure im Blockchain-Umfeld haben derartige offizielle Äußerungen im dritten oder noch eher vierten Quartal erwartet.

In der ersten Konsultationsrunde zum Thema Blockchain und Distributed Ledger Technologien (DLT) geht es neben zahlreichen Anwendungsbeispielen und Implikationen für die Wirtschaft der Zukunft vor allem aber auch um Risiken und die rechtliche Einordnung dieser Innovationen. Wie soll die dezentrale Konsensfindung rechtlich abgebildet werden? Wer haftet, wenn etwas schief läuft? Und kann uns die Blockchain-Technologie vielleicht sogar bei der Energiewende helfen? Um die passenden Antworten auf diese Fragen zu finden und eine angemessene politische sowie rechtliche Begleitung sicherzustellen, analysiert die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit einem großen Kreis an Experten die DLT in ihrer ökonomischen, technischen und juristischen Dimension bis in ihre Wurzeln.

Deutschland ist bei der Blockchain-Technologie gut aufgestellt

Eins ist heute schon klar: Trotz der Kursrallye des Krypto-Flaggschiffes Bitcoin und der damit verbundenen, negativen wie positiven, medialen Aufmerksamkeit, stößt die Blockchain-Technologie weiterhin auf großes Interesse bei Firmen, öffentlichen Institutionen und Regierungen – vor allem auch Finanzinstituten in Deutschland und weltweit. Die Technologie hat das Potenzial, disruptive Veränderungen zu bewirken an der Art und Weise wie wir zusammenleben, Werte und Vertrauen austauschen sowie Ökonomien betreiben. So ist die politische Relevanz der Technologie vor allem dadurch gegeben, dass sich der Einfluss verschiedener Akteure in unserer Gesellschaft verschiebt. Die Karten werden neu verteilt: Sämtliche Prozesse in unserer Wirtschaft und Gesellschaft, die mit Finanzen und einer Wertbemessung zu tun haben, können durch den Einsatz von DLT dezentralisiert werden. Dabei spielen Kryptowährungen genauso eine Rolle wie auch Enterprise-Blockchain-Lösungen für den Unternehmenseinsatz.

Unter Experten hat sich mittlerweile ein Konsens gebildet. Zusammen mit Künstlicher Intelligence, der Automatisierung von intelligentem Verhalten, und Datenanalytik, der strukturierten Analyse von großen Datenmengen, wird die Blockchain-Technologie die nächste große Digitalisierungswelle auslösen. Ein gutes Analogon findet sich im Bereich Mobilität: Auch wenn ein autonomes Auto – objektiv gesehen – „autonom“ fahren könnte, ist es dennoch im Kern ausgereifte Technologie und Informatik, die solche Innovationen und die Autonomie im Prozess überhaupt erst ermöglichen. Dies gilt auch für die Blockchain-Technologie, die autonomen Wertetransfer auf Basis ausgereifter mathematischer Algorithmen durchführen kann. Die Technologie bietet sich darüber hinaus auch für einen Einsatz in einem autonomen Auto an, damit ein Fahrzeug neben dem autonomen Fahren auch autonom Geld und weitere monetäre Werte vereinnahmen und verausgaben kann. Dies muss sich in Zukunft nicht nur auf Autos beschränken, sondern auch andere Maschinen werden mit Hilfe von Blockchain-Systemen unabhängig Wertetransfers durchführen können. Und nicht nur für das Auto oder eine einzelne Maschine sondern auch für alle anderen Arten der Mobilität der Zukunft sowie für die Bereiche „Industrie 4.0“ und Robotik wird der Dreiklang Blockchain, Künstliche Intelligence und Datenanalyse integraler Bestandteil sein.

Das Fundament für Blockchain-Innovationen steht jedenfalls: Deutschland ist im internationalen Vergleich in Hinblick auf die Blockchain-Technologie gut aufgestellt. Der Grund sind nicht so sehr die Großkonzerne und bis dato schon gar nicht der Mittelstand, sondern die zahlreichen Start-ups in diesem Bereich, die sich vor allem in Berlin aber auch in München und Frankfurt angesiedelt haben. Dies trifft vor allem auf die europäische Achse Baltikum, Berlin, Zürich und Liechtenstein zu. Dieser Raum gehört neben einigen Regionen in den Vereinigten Staaten und im asiatischen Raum zu den weltweit führenden Epizentren der Blockchain-Innovationskraft. In Deutschland arbeiten über 300 Start-ups arbeiten täglich an der nächsten Blockchain-Innovation und es werden täglich mehr. Zusammen mit der Commerzbank, Bosch, Deutsche Bahn, Börse Stuttgart, Daimler, der LBBW und anderen Konzernen signalisieren auch zahlreiche Unternehmen der Technologie eine große Bedeutung.