KonjunkturausblickViele Fragezeichen für die Weltwirtschaft 2019

Containerschiff
Symbolbild: KonjunkturPixabay

Nach einem verheißungsvollen Beginn hat sich die konjunkturelle Dynamik im Jahr 2018 nach und nach abgeschwächt. Insbesondere politische Themen – wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit oder der Budgetstreit zwischen der neuen italienischen Regierung und der EU – haben die Stimmung der Unternehmen und der Privathaushalte nachhaltig belastet und zu einer Abschwächung des Investitionswachstums, der Exporte und des privaten Verbrauchs geführt. Von dieser Entwicklung sind mittlerweile die meisten Industrie- und Schwellenländer betroffen. Nur die USA konnten sich dem bislang entziehen. Noch kann die Abschwächung als konjunkturelle Normalisierung gewertet werden, sollte der Streit zwischen den USA und China jedoch eskalieren, droht 2019 ein stärkerer wirtschaftlicher Rückschlag.

Nach dem überraschend starken Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2017 gingen wir davon aus, dass sich diese positive Entwicklung 2018 mindestens im selben Tempo fortsetzen würde. Doch weit gefehlt. Schon zu Beginn des Jahres geriet Sand ins Getriebe des bis dahin rund laufenden Konjunkturmotors. Sah es zunächst danach aus, als ob Sonderfaktoren für das schwächere Wirtschaftswachstum verantwortlich wären, zeigte sich in der Folgezeit, dass es sich hierbei nicht nur um ein temporäres Phänomen handelte. So blieb eine nennenswerte Erholung auch in der Folgezeit aus. Stattdessen sorgten die sich verschärfenden Töne aus dem Weißen Haus zum Thema Handel für eine stetig zunehmende Verunsicherung unter den global tätigen Unternehmen. Dies hat dazu geführt, dass sich wichtige Frühindikatoren, wie die der OECD oder die globalen Einkaufsmanagerindizes aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor, seit Jahresbeginn kontinuierlich abgeschwächt haben.

Würde sich der Handelsstreit zu einem Handelskrieg ausweiten, hätte dies unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft. Ein deutlich stärkerer konjunktureller Abschwung könnte die Folgen sein – bis hin zu einer neuen globalen Rezession. Unter der Voraussetzung, dass die Politik Vernunft walten lässt, muss es dazu aber nicht kommen. Mehr denn je ist also die Politik der Schlüsselfaktor, von dem die Entwicklung der Weltwirtschaft maßgeblich beeinflusst wird. Dies führt bei den Prognosen für das nächste Jahr zu größeren Unsicherheiten als sonst üblich.

Schwellenländer: Heterogene Wirtschaftsentwicklung setzt sich fort

2018 war ein Jahr mit vielen Krisen in verschiedenen Schwellenländern. Vor allem Argentinien und die Türkei gerieten in Bedrängnis, aber auch Südafrika, Venezuela, Brasilien und der Iran sorgten für negative Schlagzeilen. Geht es nach dem IWF, bleibt das Wachstum der Schwellenländer mit 4,7 Prozent im kommenden Jahr stabil. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich in diesem Jahr etwas abgeschwächt. So wird das reale Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen (2017: 6,9 Prozent). Bislang haben sich die eingeführten Handelsbeschränkungen nur wenig ausgewirkt. Deswegen wird der Druck der US-Regierung, mit China einen „Deal“ im Handelsstreit auszuhandeln, hoch bleiben. Bewegt sich China nicht in die von den USA gewünschte Richtung, könnte der Handelsstreit in einen Handelskrieg übergehen. In diesem Fall wird es nicht nur bei den bislang in erster Linie psychologischen Effekten für die Weltwirtschaft bleiben, sondern dann muss mit deutlicheren Bremsspuren beim globalen Handel und dem globalen Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Obwohl die chinesische Regierung in einem solchen Fall mit einer expansiveren Fiskalpolitik gegensteuern und die Notenbank die Geldpolitik lockern würde, gehen wir davon aus, dass sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft 2019 auf etwas weniger als sechs Prozent verlangsamen wird.

Für die nach China größten Emerging Markets Indien, Brasilien, Russland und Mexiko geht der Währungsfonds von etwas höheren Wachstumsraten im Jahr 2019 aus. Ob dies eine realistische Annahme ist, wird auch hier entscheidend von der Frage abhängen, wie es mit den Handelskonflikten weitergeht. Solange es keine Einigung zwischen den USA und China gibt, gehen wir davon aus, dass darunter auch die Exporte anderer Schwellenländer leiden werden. Auch wenn sich die Wirtschaftsdaten in den meisten Volkswirtschaften – abgesehen von den genannten Krisenländern – bislang verhältnismäßig robust gezeigt haben, hat sich das Wachstum der Exporte fast überall verlangsamt. Unter den großen Schwellenländern sind im nächsten Jahr die Wachstumsaussichten Indiens am günstigsten einzuschätzen. Dies liegt daran, dass in den letzten Jahren wichtige Wirtschaftsreformen implementiert worden sind, die die Stabilität der Volkswirtschaft verbessert haben. Zudem ist Indien mit seiner jungen und zugleich weiter wachsenden Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen weniger von der Entwicklung des Außenhandels abhängig als von der Binnennachfrage. Die mit dem gesunkenen Ölpreis verbundene Verbesserung der Kaufkraft spricht dafür, dass die indische Wirtschaft im nächsten Jahr mit 7,5 Prozent sogar etwas stärker wachsen wird als es 2018 mit voraussichtlich 7,3 Prozent der Fall ist.

Schwieriger schätzen wir dagegen das Umfeld für Brasilien und Russland ein. Beide Länder sind sehr stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängig. Sowohl der starke Rückgang des Ölpreises als auch das sich abschwächende Wirtschaftswachstum in China wirken sich dabei belastend aus. Notwendige Wirtschaftsreformen sind von beiden Ländern in der Vergangenheit auf die lange Bank geschoben worden, sodass von dieser Seite keine Wachstumsimpulse zu erwarten sind. Im Unterschied zum IWF, der für Brasilien eine Wachstumsbeschleunigung von 1,4 auf 2,4 Prozent erwartet, bleibt unsere eigene Einschätzung mit einem Plus des realen BIPs von 1,8 Prozent vorsichtiger. Für Russland erwarten wir im Unterschied zum Internationalen Währungsfonds im kommenden Jahr einen leichten Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik. 2018 wird die russische Wirtschaft um 1,7 Prozent wachsen, für 2019 gehen wir von einer Wachstumsabschwächung auf 1,5 Prozent aus (IWF: 1,8 Prozent). Dies ist vor allem auf den Rückgang des Ölpreises sowie die anhaltenden Wirtschaftssanktionen zurückzuführen.

USA: Aufschwung setzt sich mit weniger Dynamik fort

Die US-Wirtschaft wird im Jahr 2018 um rund drei Prozent wachsen. US-Präsident Trump scheint damit sein Versprechen einzulösen, die Wirtschaft mit Hilfe von Steuererleichterungen und Deregulierungen „nachhaltig“ auf ein höheres Wachstumsniveau zu hieven. Die stärksten Wachstumsimpulse kommen vom privaten Verbrauch, der von der guten Lage am Arbeitsmarkt profitiert. Da noch keine Trendwende am Arbeitsmarkt in Sicht ist, sollte sich der Aufschwung im nächsten Jahr fortsetzen, sodass dieser im Juni 2019 mit einer Dauer von mehr als 120 Monaten einen neuen Rekordwert erreichen würde.

Wir gehen allerdings davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum der USA im nächsten Jahr auf 2,3 Prozent abschwächen wird. Die positiven Effekte der Steuersenkung nehmen ab und die gestiegenen US-Zinsen wirken sich ebenfalls wachstumsdämpfend aus. Das größte Problem der US-Wirtschaft stellt der Immobilienmarkt dar. Aufgrund eines zu geringen bzw. unpassenden Angebots an Häusern und Wohnungen, sind die Preise in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen als die verfügbaren Einkommen. Zudem hat die restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank die Hypothekenzinsen stark ansteigen lassen. Beide Faktoren haben dazu geführt, dass Immobilien immer unerschwinglicher geworden sind und sich der Immobilienmarkt abgekühlt hat. Dieser Trend wird sich 2019 fortsetzen. Einen „Crash“ am Immobilienmarkt mit ähnlich verheerenden Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft wie während der Finanzkrise erwarten wir allerdings nicht. Dies liegt daran, dass die derzeit ausstehende Summe der Hypothekenkredite mit rund 10,2 Billionen US-Dollar etwas geringer ist als es vor zehn Jahren der Fall war und die Verschuldung in Relation zu den verfügbaren Einkommen deutlich niedriger ist als damals. Ein generelles Verschuldungsproblem der US-amerikanischen Privathaushalte besteht unseres Erachtens nicht, auch wenn die vergebenen Auto- und Studentenkredite auf ein Rekordniveau angestiegen sind. Ihr Gesamtvolumen ist aber nicht vergleichbar mit den Immobilienkrediten, sodass die daraus resultierenden Risiken für die US-Wirtschaft beherrschbar sein sollten. Das Rezessionsrisiko bleibt 2019 von daher gering.

Eurozone: Politische Risiken schlagen durch

Die wirtschaftliche Dynamik in den 19 Ländern der Eurozone hat deutlich nachgelassen. Zwar wird das Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 noch bei 1,9 Prozent liegen, doch rechnen wir für das nächste Jahr mit einer deutlichen Abschwächung auf nur noch 1,3 Prozent. Dabei sind die konjunkturellen Risiken immens. So hat sich die Dynamik der Exporte, von denen die Wirtschaft in der Eurozone stark abhängt, bereits deutlich abgeschwächt. Für die nachlassende Auslandsnachfrage ist neben den gestiegenen Unsicherheiten in Zusammenhang mit den Handelsstreitigkeiten auch die Aufwertung des Euro verantwortlich. Aber auch von der Binnennachfrage gingen weniger Konjunkturimpulse aus als ursprünglich erwartet. Trotz der in den meisten Ländern sinkenden Arbeitslosigkeit hielten sich die Lohnzuwächse in Grenzen. Zugleich sorgte der Anstieg der Inflation für eine sinkende Kaufkraft.