KonjunkturUS-Wirtschaft bricht historisch ein

Die US-Wirtschaft erlebt in der Corona-Krise einen historischen Einbruch – mit dem stärksten BIP-Rückgang seit 1947
Die US-Wirtschaft erlebt in der Corona-Krise einen historischen Einbruch – mit dem stärksten BIP-Rückgang seit 1947imago images / ZUMA Wire

Die US-Wirtschaft bekommt die Folgen der Corona-Pandemie mit aller Deutlichkeit zu spüren: Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr gerechnet um 32,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal entspricht das einem Minus von knapp zehn Prozent. Damit befindet sich die amerikanische Konjunktur das zweite Quartal in Folge im Abwärtstrend. Von Januar bis März war das BIP bereits um 4,8 Prozent gesunken. Der aktuelle Einbruch gilt als der stärkste seit Beginn der Statistik vor 73 Jahren.

Ein Großteil der Konjunkturentwicklung lässt sich auf das zurückhaltende Einkaufsverhalten der amerikanischen Bevölkerung zurückführen. Im Vergleich zum ersten Quartal brach der Konsum um mehr als ein Drittel – etwa 34,6 Prozent – ein. Auch Investitionen und der Export waren aufgrund der Pandemie von April bis Juni rückläufig.

Neuinfektionen könnten wirtschaftliche Lage verschärfen

Auch die Arbeitslosenzahlen steigen weiter nach oben und erhöhen den Druck auf die US-Wirtschaft. Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums stellten in der vergangenen Woche mehr als 1,4 Millionen US-Bürger einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Rund 17 Millionen Menschen empfangen die finanzielle Unterstützung bereits. Besonders brisant wird die Entwicklung am Arbeitsmarkt angesichts der auslaufenden Corona-Hilfen. Im März hatte der Kongress die Hilfen für Arbeitslose auf 600 US-Dollar pro Woche aufgestockt. Eine Verlängerung der Maßnahme wurde bislang nicht beschlossen, der Wegfall betrifft Millionen Amerikaner.

Die Schrumpfung der US-Wirtschaft liegt auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland. Rund 10,1 Prozent war das BIP von April bis Juni im Vergleich zum ersten Quartal eingebrochen. Nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt während des Lockdowns im April setzt in der Bundesrepublik allerdings allmählich eine Erholung ein. In den USA ist der Aufschwung angesichts der hohen Anzahl an Neuinfektionen allerdings unsicher.

US-Notenbankchef Jerome Powell hatte schon am Mittwoch vor einem historischen Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gewarnt. Auch er knüpfte die weitere Erholung der Konjunktur an den Erfolg der Pandemiebekämpfung. Die wirtschaftlichen Aussichten seien daher unsicher. Damit stimmt seine Einschätzung mit denen amerikanischer Ökonomen überein. Zwar rechnen sie mit einem starken Plus für das dritte Quartal, die Entwicklung der Pandemie könnte die wirtschaftliche Lage allerdings verschärfen.