ExklusivWarnung vor US-Schuldenberg

Der US-Kapitalmarktforscher Robert Arnott hält die Verschuldung der USA für das am meisten unterschätzte Problem an den globalen Finanzmärkten. „Ich kann Ihnen weder sagen, wann Investoren das Problem der US-Zahlungsverpflichtungen erkennen, noch, ob es mit einem Knall passieren wird oder sich einschleicht. Was ich weiß, ist, dass es von gefährlicher Naivität wäre, es zu ignorieren“, so Arnott im Interview in der neuen Ausgabe von Capital, die am Donnerstag erscheint.

Seinen Hochrechnungen zufolge belaufen sich sämtliche zukünftigen staatlichen Zahlungsverpflichtungen der USA inklusive der Pensions- und Krankenversicherungen schon heute auf rund 120 Billionen US-Dollar – dem sechsfachen der offiziellen Verschuldung von 20 Billionen US-Dollar. „Das sind Ausmaße, die Sie nicht durch Wachstum werden lösen können. Zumal die Rahmenbedingungen für künftiges Wirtschaftswachstum in den USA aufgrund der Demografie – wie übrigens in den meisten Industrieländern – eher schlecht sind“, warnt Arnott. 

Warnung vor einer Tech-Blase

Der auf empirische Kapitalmarktforschung spezialisierte Arnott verwaltet unter anderem für die US-Fondsgesellschaft Pimco einen Mischfonds, der seit Auflage 2002 im Schnitt knapp acht Prozent pro Jahr erwirtschaftet hat. Anlegern rät er, dringend die Renditeerwartungen für die kommenden Jahre zu reduzieren – und Vorsicht mit US-Technologieaktien walten zu lassen. „Das hohe Gewicht von US-Aktien global und besonders der Technologieaktien ist beängstigend. Sie müssen für hohe Renditen aber dahin, wo es weh tut. In Schwellenländer oder Substanzwerte. Nicht in Aktien, die alle gut finden“, so Arnott. 

Dass Technologieaktien wie Netflix, Amazon, Google in stratosphärische Höhen schießen und den Markt nach oben zögen, sei eine Wiederholung der Abläufe der Jahrtausendwende. „Und wir wissen alle, wie die nächste Szene dieses Films ist, nur wissen wir auch da nicht, wann sie beginnt“, so Arnott. Weitaus attraktiver seien etwa Schwellenländer. „Unserer Analyse zufolge waren die Schwellenländer vor einem Jahr unglaublich billig, nun sind sie eben nur noch sehr billig“, so Arnott. Alleine gegenüber US-Aktien betrüge der Bewertungsabschlag rund zwei Drittel.