ExklusivSpahn-Investment: Untreuevorwurf gegen Taxbutler-Gründer

Taxbutler-Gründer Matthias RaischGlen Villanueva

Die Idee von Gründer Matthias Raisch war innovativ, sie war schlüssig und schien massig Potenzial zu haben. „Taxbutler – und deine Steuererklärung macht sich von allein! Belege fotografieren; fertig!“ Mit diesem Slogan bewarb Pareton, das 2014 gegründete Start-up hinter der Taxbutler-App, seine Lösung im Frühjahr 2017 auf der Crowdinvestment-Seite Seedmatch.

Die Crowd-Investoren ließen sich überzeugen und steckten in Summe 300.000 Euro in die schwäbische Firma. Weitere etwa 100.000 Euro waren seit 2015 von Business Angels eingesammelt worden. Der prominenteste – und umstrittenste – unter ihnen war Jens Spahn, der heutige Bundesgesundheitsminister, der im August 2016 als amtierender Finanzstaatssekretär 1,25 Prozent der Anteile für 15.000 Euro erworben hatte. Als die Beteiligung ein Jahr später öffentlich wurde, musste Spahn heftige Kritik für diesen Interessenkonflikt einstecken. Der Politiker verteidigte das Investment erst als hilfreiche Erfahrung und Taxbutler als „pfiffige Idee“ – nach wenigen Tagen knickte Spahn aber ein und kündigte an, seinen Anteil wieder zu verkaufen.

Strafanzeige gegen Geschäftsführer Matthias Raisch

Das geschah im September 2017 – gerade noch rechtzeitig. Denn nicht einmal ein Jahr später musste Pareton Insolvenz anmelden, den Geschäftsbetrieb einstellen und den einzigen Mitarbeiter entlassen. „Für die Skalierung des Geschäftsmodells und die Weiterentwicklung der Software hätten wir mehr Geld gebraucht“, erklärte Gründer Matthias Raisch damals dem ‚Spiegel‘. „Eine neue Finanzierungsrunde ist aber leider nicht zustande gekommen.“

Dass Investoren kein weiteres Geld geben wollen, ist normalerweise aber keine Ursache, sondern eher die Folge von tieferliegenden Problemen. Nach Informationen von Capital.de hat es die bei Pareton auch gegeben. Mehrere Gesellschafter der Pareton GmbH haben demnach Strafanzeige gegen den Geschäftsführer Matthias Raisch gestellt und beschuldigen ihn, Firmengelder veruntreut zu haben.

Raisch habe zwischen Januar und Juni 2018 „zweifelhafte und fragwürdige Zahlungen“ in Höhe von mehr als 12.000 Euro über Geschäftskonten getätigt, heißt es in der Anzeige, die Capital.de vorliegt. Unter anderem ist von Juwelierrechnungen (2800 Euro), Kosten für eine Ferienwohnung in Italien (500 Euro) und mehreren hundert Euro für Essen und Wein an einem Wochenende die Rede.

Die Gesellschafter hätten Raisch laut Anzeige aufgefordert, „die geschäftliche Natur der Ausgaben zu erklären“ – der Gründer habe darauf aber nicht reagiert. Auch gegenüber Capital.de erklärte Raisch: „Zu dem laufenden Verfahren nehme ich keine Stellung.“

Das zuständige Polizeipräsidium Ludwigsburg bestätigt, dass Ermittlungen in dieser Sache beim Kriminalkommissariat geführt würden, allerdings noch nicht abgeschlossen seien.

„Wir hätten weiteres Kapital benötigt“

Das Insolvenzverfahren der Pareton GmbH ist unterdessen regulär eröffnet worden. Insolvenzverwalter Michael Riegger hält eine Fortführung oder Sanierung der Firma für unwahrscheinlich. Er sei auf ein „weitgehend eingestelltes Unternehmen“ getroffen, so Riegger. Die von Raisch vorgetragenen Insolvenzgründe halte er für plausibel: „Dass die Zugriffszahlen abnahmen und damit auch die Umsätze.“

Insgesamt hatte Taxbutler bis zum Tag der Insolvenz 580 Steuererklärungen über die App abgewickelt – das heißt, die Nutzer hatten ihre Belege abfotografiert und die Software hatte daraus automatisch eine Steuererklärung erstellt, die anschließend per Knopfdruck ans Finanzamt verschickt werden konnte.

Pro abgewickelter Steuererklärung bekam Pareton 29 Euro – nicht genug für ein tragfähiges Geschäftsmodell des jungen Start-ups. „Wir hätten weiteres Kapital benötigt“, sagt Raisch. „Wir brauchten das Geld, weil wir massive Kosten im Marketing hatten – rund 45 Euro Akquisitionskosten pro Neukunde bei Facebook oder Google. Um auf ein rentables Niveau zu wachsen, hätte man investieren müssen.“ Raisch gibt sich überzeugt: „Am Ende war es die ausgebliebene Finanzierung, die zum Stillstand geführt hat.“